Erfurt-Marbach Grundstein für ersten Moschee-Neubau in Thüringen gelegt

Der Moschee-Bau in Erfurt polarisierte die Landeshauptstadt wie selten ein Thema zuvor. Auch zur Grundsteinlegung des Gotteshauses hielten sowohl Befürworter als auch Gegner am Baugrundstück Kundgebungen ab.

In Erfurt ist am Dienstag der Grundstein für den ersten Neubau einer Moschee in Thüringen gelegt worden. Begleitet wurde der Festakt durch Proteste von jeweils 60 Befürwortern und Gegnern des Gotteshauses. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot vor Ort.

Eröffnet wurde die Zeremonie mit einem Vers aus dem Koran. Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, Uwe Wagishauser, sagte auf dem Podium, für seine Gemeinde sei es ein freudiger, aufregender Tag. Die Moschee sei kein Symbol der Provokation oder der Landnahme, sondern ein Ort, wo die 70 Erfurter Gemeindemitglieder zum Herrn beten könnten, so Wagishauser. Er rief die Moscheekritiker zum Dialog auf. Während einige von ihnen sich zum Kampf der Kulturen rüsteten, wolle seine Gemeinde die Herzen der Menschen erreichen und die Botschaft der Liebe verkünden.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) begrüßte das Projekt. Für ihn gehöre eine Moschee in unsere Gesellschaft - genau wie eine Synagoge oder Kirche. Darum sei er bei der Grundsteinlegung der Marbacher Moschee zu Gast, schrieb er bei Twitter. "Die Religionsfreiheit und die Religionsgewährung sind wichtige Prinzipien unserer offenen Gesellschaft", sagte der Ministerpräsident vor Ort. Gleichzeitig warnte Ramelow vor jeder Form des religiösen Extremismus und Antisemitismus.

Ramelow bedauerte die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Weimar, die Moscheegegnern erlaubte, auf einer Rasenfläche unmittelbar vor dem Baugelände zu demonstrieren. Beschämt zeigte sich der thüringische Ministerpräsident über die zum Teil extremen Proteste gegen die Moschee. So hatten Unbekannte im Mai vergangenen Jahres in der Nähe des Baugrunds Schweinekadaver auf Pflöcke gespießt. Die Anfeindungen gegen den Sprecher der Thüringer Ahmadiyya-Gemeinde, Suleman Malik, machten ihn betroffen.

Das Gebetshaus der Ahmadiyya-Gemeinde soll insgesamt rund 600.000 Euro kosten. Das Geld hat die Gemeinde durch Spenden in ganz Deutschland aufgebracht. Das Projekt war von Anfang an umstritten und von Protesten begleitet. So auch von der AfD. Die religionspolitische Sprecherin Corinna Herold bezeichnete die Grundsteinlegung als Paradebeispiel für Ignoranz und Demokratieverachtung. Bürgerproteste und das Verlangen nach Bürgerbegehren seien zur Seite gewischt und ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Weimar nicht terminiert worden.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 13. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. November 2018, 21:01 Uhr

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130 Kommentare

15.11.2018 14:29 G. Schmitz an den letzten Yana-Indianer 130

Uiii, Sie befürchten ja schon weit voraus,
ehrlich gesagt, in 40 Jahren wird mich wahrscheinlich nichts mehr jucken.

15.11.2018 12:39 Realist2014 129

@andre/Nr. 128: Was ist denn „unsere Weltanschauung“ und wer ist/sind „uns“ oder „wir“? Oder verwendeten Sie den Pluralis Majestatis? Dass Sie denn beiden großen Kirchen, übrigens Körperschaften des öffentlichen Rechts denen 55 % der Bevölkerung angehören, indirekt vorwerfen, gegen das Grundgesetz zu sein bzw. nicht auf dem Boden des GG zu stehen, ist starker Tobak und sollten Sie mal substantiiert juristisch begründen. Dass es in der RKK keine weiblichen Priester gibt, verstößt schon mal nicht gegen das GG, dass kann ich Ihnen bereits vorab versichern. Der Papst sitzt außerdem in Rom und nicht in Berlin. Ich empfehle Ihnen sich die Art. 4 und 140 GG zur Gemüte zu führen und sich ggf. mit der dazugehörigen Rechtsprechung und Literatur zu befassen! Was immer noch viele nicht begriffen haben: Nicht jede Meinung, Politik oder Weltanschauung, die einem selbst nicht gefällt, ist automatisch verfassungswidrig.

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