Zwei Angeklagte und ihr Anwalt im Gerichtssaal
Die Angeklagte und der Mitangeklagte im Landgericht Erfurt. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Prozess in Erfurt Kein Schuldbewusstsein: Frau missbraucht eigenes Kind

Sie hat ihr Kind gezwungen, für sexuelle Fotos zu posieren, die sie ihren jeweiligen Liebhabern schickte. So steht es in der Anklageschrift. Und die Anklage beschreibt auch, was auf diesen Bildern zu sehen ist. Es sind Beschreibungen, die verstören. Denn die Bilder zeigen nicht nur Posen, sie zeigen auch, wie das Kind auf vielfache Art missbraucht wird.

von Cornelia Hartmann

Zwei Angeklagte und ihr Anwalt im Gerichtssaal
Die Angeklagte und der Mitangeklagte im Landgericht Erfurt. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs steht die 33-Jährige vor dem Erfurter Landgericht. Mitangeklagt ein 46-Jähriger, er ist einer ihrer Partner, auch er soll das Kind missbraucht haben. Ein zweiter mutmaßlicher Täter fehlt. Der Mann hatte sich das Leben genommen. In seinem Nachlass wurde ein Handy gefunden - darauf die verstörenden Bilder.

Die Familie des Verstorbenen schaltete die Polizei ein. Und nur deshalb wurden die jahrelangen Übergriffe überhaupt bekannt. Die Mutter wurde festgenommen, das Kind befragt. Und es erzählte noch viel mehr, als auf den Handybildern zu sehen war. So kamen die Ermittler dem Mitangeklagten auf die Spur. Von einem dritten Mann kannte das Kind nur den Vornamen: Christian. Er ist unbekannt.

Sie wisse nur, dass sie böse gewesen sei.

Ein Psychiater hat die Angeklagte im Vorfeld begutachtet, ihr eine Lernbehinderung attestiert. Doch wie sich die Frau im Gerichtssaal präsentiert - damit konnte man nach dem schriftlichen Gutachten nicht rechnen.

Warum sie das denn mit ihrem Kind gemacht habe, will der Vorsitzende wissen. Mit den Fotos habe sie doch nur ihrem Freund einen Gefallen tun wollen, sagt die Frau. Ja ob sie denn nicht wisse, dass das verboten sei, fragt der Richter. Sie wisse nur, dass sie böse gewesen sei. Warum, fragt der Richter. Na weil ich im Gefängnis sitze, da muss ich doch böse gewesen sein, sagt die Angeklagte.

Findet sie es normal, ihre Tochter in ihr eigenes Sexualleben einzubeziehen? Ja, sagt die Frau, aber sie versuche zu lernen.

Ist das glaubhaft?

Weiß sie das wirklich nicht?

Fehlt ihr tatsächlich die komplette Unrechtseinsicht?

Und hat denn das Jugendamt nicht bemerkt, dass das so ist?

Die Angeklagte wurde monatelang in einem Mutter-Kind-Heim betreut, damit sie ihre Tochter selbst aufziehen darf. Sogar eine Art Prüfung habe sie ablegen müssen, sagt sie.

Und jetzt weiß sie nicht, dass sie ihr Kind nicht für Sexspiele missbrauchen darf?

Staatsanwältin und Nebenklägerin haben ihre Zweifel an den Aussagen der Mutter.  Sprechen sie auf Widersprüche zu früheren Aussagen an. Ihrer Tochter gegenüber hatte die 33-Jährige mal von einem "Geheimnis" gesprochen. Bei ihrer Festnahme sagte sie, sie sei froh, dass "es" jetzt vorbei sei. Sie könne sich nicht mehr so gut erinnern, das sei alles schon so lange her, sagt dazu die Angeklagte. An das liebe Gericht hat sie eine Karte zum Valentinstag geschrieben, mit dem Begriff Kinderpornographie kann sie eigenen Angaben zufolge nichts anfangen.

"Im Gefängnis ist es schön"

Und im Gefängnis sei es schön, vor allem in der Werkstatt, sagt die Frau, die mit einem Arzt verheiratet ist.

Und die nach dem Freitod ihres Liebhabers in dessen versiegelte Wohnung einstieg, um Laptop und Handy zu stehlen. Zufall, dass es gerade die Geräte mit den Speichermedien waren? Die habe sie ihrem Freund doch geschenkt, da könne sie sich die doch wiederholen, sagt sie im Gericht. Manche einfache Frage muss der Vorsitzende wiederholen. Manchmal antwortet die Frau sofort, auch wenn der Vorsitzende mehrere Fragen hintereinander stellt.

Ganz klar, ohne Gutachter geht es nicht. Der Psychiater kann erst wieder im April, die Kammer erst wieder im Mai. Der Prozess wird ausgesetzt, der Haftbefehl gegen die Frau unter Auflagen außer Vollzug gesetzt. Ihre Tochter, die in einem Kinderheim lebt, darf sie nicht besuchen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten Mittel-Thüringen | 19. Februar 2019 | 13:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Februar 2019, 14:38 Uhr

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen

Rocker 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Schild Schullandheim Waldschlösschen Mühlhausen 1 min
Bildrechte: MDR Thüringen

Stellen Sie sich mal vor, Sie drehen den Wasserhahn auf und es kommt nichts. So geschehen ist das vor ein einigen Wochen im Schullandheim Mühlhausen. Seitdem ist die Wasserversorgung vor Ort kompliziert.

MDR THÜRINGEN - Das Radio So 19.05.2019 15:00Uhr 00:36 min

https://www.mdr.de/thueringen/nord-thueringen/unstrut-hainich/video-301970.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video