Sanierung lässt auf sich warten Neue Mühle in Erfurt seit drei Jahren zu - und wird es noch eine Weile bleiben

von Antje Kirsten

Der Breitstrom in Erfurt führt im Moment ganz ordentlich Wasser - und das treibt das Mühlrad in der Neuen Mühle mitten in der Altstadt an. Aber nur ausnahmsweise. Nur für den Fototermin. Die Mühle ist seit drei Jahren wegen Baumängeln gesperrt. Und hier wiederum, so beklagt es der Thüringer Mühlenverband, dreht sich offensichtlich kein Rad. "Für eine einstige Mühlenstadt ist das eine Schande", sagte Alt-Vorsitzender Alfred Kirsten MDR THÜRINGEN. Immerhin sei sie die letzte noch funktionstüchtige Wassermühle in Erfurt.

Die Neue Mühle in Erfurt
Mitten in der Erfurter Altstadt: die Neue Mühle Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Funktionstüchtig ist das Wasserrad, ein sogenanntes Zuppinger-Rad. Erst vor sieben Jahren war das nach Plänen des Schweizer Ingenieurs Walter Zuppinger erbaute Wasserad saniert worden. Nicht funktionstüchtig ist allerdings das Haus um die Mühle, sprich der Mühlenanbau. Er war im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert worden und steht somit auch nicht unter Denkmalschutz. "Der Umfang der Baumängel hat uns doch überrascht", sagt der Erfurter Kulturdezernent Tobias Knoblich. "Wir haben statische Probleme, deshalb wird die Decke des ehemaligen Mühlencafes auch mit einem Holzstempel gestützt. Wir haben Mängel am Mauerwerk. Das alles zu sanieren, kostet Geld, viel Geld", sagt Knoblich. Von 2,5 Millionen Euro ist die Rede.

Drei Männer stehen in der Neuen Mühle in Erfurt
Mühlenwart André Langenfeld, Erfurts Kulturdezernent Tobias Knoblich und Stadtsprecher Daniel Baumbach (v.r.n.l.) Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Pläne wie die Neue Mühle als Technisches Denkmal in Zukunft genutzt und auch wieder für Besucher geöffnet werden könnte, gibt es. So interessieren sich die Stadtwerke für das Objekt mitten in der Altstadt, zumal mit der Mühle auch Strom erzeugt werden kann. "Das würde ja passen. Aber es muss auch geklärt werden, welche Auswirkungen es auf die Nutzung hat, wenn wir Partner gewinnen", sagt Knoblich. So könnte der neue Partner das Haus nicht mehr als Museum betreiben. Die einzelnen Szenarieren will die Stadtverwaltung nun im Herbst dem Stadtrat vorlegen. Letztlich müsse er entscheiden.

Vor dem Eingang der Neuen Mühle in Erfurt steht ein Mühlrad, an dem ein rot-weißes Absperrband befestigt ist.
Die Mühle ist für Besucher seit drei Jahren gesperrt. Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Während wir vorm klappernden Mühlrad stehen - und über den Breitstrom auf das gegenüberliegende Kaufhaus blicken, fliegt ein Entenpaar dicht an der Mühle vorbei und an der Tür rütteln Besucher. Mühlenwart Andre Langenfeld sagt, das gehe ihm oft so. Kaum habe er die Mühle aufgeschlossen, um nach dem Rechten zu sehen, wollen Mühlenfans mit ins Haus. "Mir blutet das Herz, dass die Mühle seit drei Jahren geschlossen ist. Es wird Zeit, dass sich was tut", sagt Langenfeld, der auch Vorsitzender des Thüringer Mühlenverbandes ist. Immerhin handelt es sich um eine komplett erhaltende Mahlmühle, in der bis 1982 Weizen und Roggen zu Mehl und Futterschrot vermahlen wurden. Seit 1992 ist sie Museum. Erstmals wurde die Mühle 1259 urkundlich erwähnt und ist die letzter ihrer Art in Erfurt. Einst hatte die Stadt 104 Mühlen.

"An diese Tradition wollen wir auch weiter erinnern", sagt der Kulturdezernent. "Die Neue Mühle ist uns wichtig, ist ein interessantes technisches Denkmal. Allerdings muss viel saniert werden und dafür müssen Entscheidungen her. Dass wir sie erhalten wollen, steht außer Frage. Sie ist auch Bestandteil des strategischen Kulturkonzeptes."

Technische Anlagen in der Neuen Mühle in Erfurt
Technische Anlagen im Mühlengebäude Bildrechte: MDR/Antje Kirsten

Dem Thüringer Mühlenverband mahlen die Mühlen hier eindeutig zu langsam. Ist das der Erfurter Gang, fragen sich belesene Mühlenfans. Würde passen: Mit "Erfurter Gang" wird ein ganz besonders langsamer Mühlvorgang beschrieben, mit dem einst sanft Graupen gemahlen wurden. Drei Jahre sind vergangen und noch immer versperrt ein großes Mühlrad samt rot-weißem Flatterband den Eingang, informiert ein Schild an der Tür darüber, dass die Mühle wegen Baumängeln gesperrt ist. Die Stadt als Eigentümerin habe lange Zeit zu wenig in die Werterhaltung des Gebäudes investiert, räumt Tobias Knoblich ein. Allerdings sagt er auch: "Das finden sie in jeder Stadt. Die Kommunen habe nur begrenzte Mittel."

Und so dreht sich das Mühlrad nur ausnahmsweise und nur, damit Mühlenwart Langenfeld prüfen kann, ob es überhaupt noch rund läuft. Bis es sich wieder vor begeisterten Mühlenfans am Mühlentag drehen kann, wird wohl noch eine Menge Wasser den Breitstrom hinabfließen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 10. Juni 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2019, 17:03 Uhr

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5 Kommentare

11.06.2019 10:14 martin 5

@3 möwe: Wieviele Mühlen hatte Erfurt? Wieviele davon existieren noch?
Ihre Frage erscheint mir bezogen auf die "Neue Mühle" völlig überflüssig.

Anders formuliert: Nein, man muss nicht jede Mühle erhalten. Nur darum geht es hier überhaupt nicht.

@4 quantix: Volle Zustimmung!

11.06.2019 09:29 Quantix 4

@Möwe: Muss man jede Mühle erhalten? Nein. Muss man diese Mühle als Museum erhalten? Auf jeden Fall! Museen sind Bildungseinrichtungen und Bildung ist die beste Investition, die man tätigen kann.

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