In dem unteren Fach eines weißen Standregals liegt diverses Zubehör für Bluttransfusionen, überwiegend in Pappkartons verpackt, unter anderem Desinfektionsmittel und Kanülen
Bei der Razzia in Erfurt entdeckten die Ermittler diverses Zubehör für Bluttransfusionen. Bildrechte: Zollfahndungsamt München

Operation Aderlass Doping-Netzwerk: Anklage gegen Erfurter Sportarzt steht bevor

Die Staatsanwaltschaft München hatte im Februar ein grenzübergreifendes Blutdoping-Netzwerk auffliegen lassen, die Spur führte auch zu Mark Schmidt in Erfurt. Die Anklage gegen den Sportmediziner soll noch in diesem Jahr erhoben werden.

In dem unteren Fach eines weißen Standregals liegt diverses Zubehör für Bluttransfusionen, überwiegend in Pappkartons verpackt, unter anderem Desinfektionsmittel und Kanülen
Bei der Razzia in Erfurt entdeckten die Ermittler diverses Zubehör für Bluttransfusionen. Bildrechte: Zollfahndungsamt München

Die Doping-Ermittlungen der "Operation Aderlass" stehen vor dem Abschluss. "Wir sind auf der Zielgeraden", sagte Kai Gräber, Leiter der Münchner Schwerpunktstaatsanwaltschaft Doping, bei einem Medienworkshop am Donnerstag in Bonn. Er gehe davon aus, dass gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Mark Schmidt aus Erfurt und "andere Beteiligte" des grenzübergreifenden Blutdoping-Netzwerkes bis Ende des Jahres Anklage erhoben werden könne.

Anti-Doping-Razzia im Februar in Erfurt

Die Münchner Behörde hatte in Kooperation mit ihren Kollegen in Österreich das große Geschäft mit Eigenblutdoping durch Ermittlungen und eine Razzia bei der Nordischen Ski-WM im Februar in Seefeld auffliegen lassen. In dessen Zuge führte die Spur auch nach Erfurt.

In Österreich ist bereits der ehemalige Skilangläufer Max Hauke wegen schweren Sportbetrugs zu einer fünfmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 27-Jährige war während der "Operation Aderlass" auf frischer Tat bei der Rückführung von Blut ertappt worden. Dass im Nachbarland schon erste Strafen verhängt wurden, ist für Gräber folgerichtig: "Es ist einfacher, einzelne Athleten zu bestrafen, als die Hintermänner zur Anzeige zu bringen."

"Mauer des Schweigens" in der Doping-Szene

Dass es in Deutschland weitere Doping-Strukturen geben könnte, will Oberstaatsanwalt Gräber nicht ausschließen. "Es ist zwar Spekulation, aber dass es in Deutschland keine weiteren Netzwerke gibt, wäre blauäugig." Bedauerlich findet er, dass der Anteil der Fälle bei der Schwerpunktstaatsanwaltschaft München aus dem Leistungssport nur rund fünf Prozent ausmacht. Die überwiegende Mehrheit betreffe den Bodybuilder- und Breitensportbereich. "Es gibt keine Hinweise aus der Szene, es gibt eine Mauer des Schweigens", sagte Gräber.

Hinweisgeber können Dopingverdacht bei Nada melden

Die Nationale Anti-Doping-Agentur hatte bereits 2016 das anonyme Hinweisgebersystem "Sprich's an" eingerichtet - mit bislang ausbaufähiger Resonanz. Seit Bestehen sind 10.000 Hinweise registriert worden. "Darunter waren 170 konkrete Hinweise, die zu über 2000 Doping-Zielkontrollen bei Athleten geführt haben", berichtete Nada-Vorstand Lars Mortsiefer. "Im Schnitt sind dadurch elf Prozent positive Fälle aufgedeckt worden. Das ist ungefähr zehnmal mehr als bei normalen Tests." 2017 brachten weltweit bei den Dopingtests in den olympischen Sportarten nur 0,77 Prozent aller Tests positive Ergebnisse.

Die Nada bringt zudem pro Jahr rund 20 Doping-Verstöße bei den Schwerpunktstaatsanwaltschaften zur Anzeige. "Die Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden und das Anti-Doping-Gesetz sind ein Erfolg", sagte die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann. Besonders die "Operation Aderlass" sei in diesem Zusammenhang "fast mustergültig" gewesen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. November 2019 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2019, 08:38 Uhr

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