Opfer der Mafia-Schießerei Adam Zazkaev
Auf den Tschetschenen Adam Zazkaev wurde mehr als 20 mal geschossen. Erfurter Armenier lockten ihn in einen Hinterhalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Exklusiv Opfer der Mafia-Schießerei im Interview

Die Fehde zwischen Mafia-Clans wurde in Thüringen erstmals 2014 öffentlich durch die Schießerei vor einer Spielothek in Erfurt. Eines der Opfer des Vorfalls hat nun erstmals mit MDR THÜRINGEN geredet.

von Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

Opfer der Mafia-Schießerei Adam Zazkaev
Auf den Tschetschenen Adam Zazkaev wurde mehr als 20 mal geschossen. Erfurter Armenier lockten ihn in einen Hinterhalt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es fällt Adam Zazkaev nicht leicht, sich an jene Nacht im Juli 2014 zu erinnern. Noch immer klaffen große Lücken in seinem Gedächtnis, wie es zu der Bluttat damals kam. Doch immer mehr Details kommen wieder:

Der gläubige Muslim war noch in der Erfurter Moschee, als ihn der Anruf eines Freundes erreichte. Er bräuchte ihn bei einem Treffen mit einer Gruppe Armenier irgendwo im Norden von Erfurt. Es sei nichts Schlimmes, es solle nur geredet werden – erklärte der Georgier am Telefon.

Das Treffen in der Spielothek begann auch entspannt. Bis es plötzlich hektisch wurde. Schimpfworte fielen, eine Menschentraube bildete sich in der Nähe des Eingangs. Die Situation eskalierte. Plötzlich zog ein Armenier eine Waffe und feuerte. Die ersten Projektile trafen Zazkaev. Er flüchtete. Die Erfurter Armenier feuerten weiter: mehr als 20 Schüsse peitschten durch die Nacht.

Interview Teil 1

Warum es zu dem Streit kam – daran kann oder will sich Zazkaev heute nicht mehr erinnern. Auch was der Hintergrund des Streits in der Spielothek war. Vieles findet sich dazu in den Akten: Auswertungen seiner Telefonate nach dem Koma. Es ging wohl um Geld, um Betrügereien bei Autogeschäften.

Nach der Schießerei hat sich der Tschetschene – genauer: der Ingusche – ein neues Leben aufgebaut. Er hat eine Familie gegründet. Sein Sohn ist jetzt anderthalb Jahre alt. Zusammen mit einem Bekannten aus Erfurt hat er eine Baufirma eröffnet und verkauft nun bundesweit Heizsysteme. Doch immer wieder kehren die blutigen Details aus jener Nacht in seinen Kopf zurück – erzählt Adam Zazkaev. Und: immer wieder muss er die Täter und Mittäter von damals auf der Straße treffen.

Interview Teil 2

Zazkaev kämpft nun um seine Ansprüche nach dem Opferentschädigungsgesetz. Hier geht es vor allem um die Kosten der Heil- und Krankenbehandlung und um den Ersatz von Einkommensverlusten, um Rentenpunkte. Hier muss der Staat eigentlich in Vorleistungen gehen, um sich dann die Kosten von den Tätern zurückholen. Doch der Staat tut sich schwer. Die Forderungen laufen seit Februar 2015.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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MDR FERNSEHEN Mi, 27.11.2019 20:45 21:15

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Armenische Mafia und die Diebe im Gesetz

Film von Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

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  • HD-Qualität
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Zuletzt aktualisiert: 27. November 2019, 08:51 Uhr

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