Mahnwache
Knapp 50 Menschen waren zu der Mahnwache gekommen Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Mahnwache Auftakt für Ostermärsche in Erfurt

"Stell' Dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin." Dieser Spruch war bei den früheren Friedensbewegungen sehr populär. An den Ostermärschen vor allem in den 1980er-Jahren nahmen viele tausend Menschen teil. Inzwischen könnte man den Spruch umdrehen: "Stell' Dir vor, es ist eine Demo für den Frieden, und kaum einer geht hin." Zumindest verloren sich zum Auftakt der diesjährigen Thüringer Ostermärsche, bei der Mahnwache auf dem Erfurter Anger, nur wenige Menschen.

von Wolfgang Hentschel

Mahnwache
Knapp 50 Menschen waren zu der Mahnwache gekommen Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Es waren rund 50 Menschen, die an der Mahnwache teilnahmen. Die Organisatoren schon mitgezählt. Von den vielen Leuten, die auf dem Anger zum Einkaufen gingen oder zu ihren Straßenbahnen eilten, blieben nur einige wenige stehen. Um zu hören und zu sehen, welches Anliegen mit der Mahnwache verfolgt wurde: nämlich ein Credo abzugeben gegen Krieg und für Frieden.

"Ich muss einfach zehn Minuten auf meine Straßenbahn warten", meinte ein Mann, der sich mit einer Zigarette in der Hand die Flyer und Transparente an den Ständen anschaute. "Ich bezeichne mich ich schon als politisch interessierten Menschen. Aber im Moment weiß ich überhaupt nicht, wohin die Reise geht." Er wisse nicht, wem er bei der Kommunalwahl seine Stimme geben solle. Soll heißen: so richtig fühlte er sich von der Mahnwache nicht angesprochen.

"Die Leute aufzuwecken, das ist das Ziel"

Ein paar Meter weiter standen ein Mann und eine Frau. Beide bekleidet mit blauen T-Shirts, darauf der Spruch: "Raus aus der NATO!" Sie kamen gezielt zu der Mahnwache. Um zum Ausdruck zu bringen, dass Russland nicht allein schuld sei an den aktuellen Spannungen mit dem Westen: "Es ist notwendig, zu zeigen, dass man solche Sachen wie die Propaganda gegen Russland nicht schön findet", erklärte die Frau. "Und dass es immer mehr darum geht, Unfrieden zu stiften. Ich will hier stehen und sagen, dass hier auch die NATO ihren Anteil hat, Amerika auch. Ich finde, dass Russland zu Europa gehört und dass wir uns so benehmen sollten."

Dass bei der Mahnwache auf dem Anger so wenige Menschen dabei sind, nehmen auch die Frau und ihr Begleiter zur Kenntnis. Eine Mitschuld daran geben sie den Medien: "Ich denke, den Leuten ist noch nicht bewusst, wie eng wir an kriegsähnlichen Szenarien vorbeischrammen. Das wird auch in den Medien nicht so rübergebracht", so die Frau. "Es wird immer nach Schuldigen gesucht, die ich so nicht sehe. Die Leute aufzuwecken, das ist das Ziel hier."

Teilnehmerzahlen schrumpfen bei Mahnwachen

Ein Mann vor einem Spielzeugpanzer
Ralph Lenkert von den Linken Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Organisiert wurde die Mahnwache zu einem großen Teil von der Linken. Deren Bundestagsabgeordneter Ralph Lenkert machte sich auch seine Gedanken über die eher geringe Teilnehmerzahl. Er geht davon aus, dass die Menschen zurzeit viele verschiedene Probleme beschäftigen. "Wir haben eine massive Militarisierung der Gesellschaft in Europa. Wir haben eine massive Aufrüstung der Bundeswehr. Und wir haben die Klimaproblematik. Die Vielzahl der Probleme sorgt dafür, dass die Konzentration auf das Eine schwieriger wird", meinte Lenkert. Der Linke-Politiker ist aber überzeugt, dass die Teilnehmerzahlen an den Ostermärschen wieder steigen werden. Die Angst bei den Menschen wachse, dass eine Politik von Trump, eine Politik der Aufrüstung und der Konfrontation kein Ziel für die Zukunft sei.

Kaum Studenten auf der Straße

Hagen Vetter von der Bewegung "Aufstehen" vermisste dagegen vor allem die Intellektuellen bei der Mahnwache. Gerade die Studenten müssten an solchen Veranstaltungen teilnehmen, schimpfte er: "In Berlin und sonstwo waren die früher auf der Straße. Heute sehe ich kaum mehr junge Menschen. Das tut mir weh."

Mahnwache
Bildrechte: MDR/Wolfgang Hentschel

Inhaltlich ging es bei der Mahnwache darum, gegen Rüstungsausgaben und Waffenexporte in Krisengebiete zu demonstrieren. Gefordert wurde auch mehr Geld für bezahlbare Wohnungen, für Bildung und für Entwicklungshilfe in den armen Ländern. Flyer wurden verteilt, Ausgaben von "Neues Deutschland" konnten gekauft werden. Und Transparente lagen auf dem Boden, beschrieben mit Sprüchen wie "Keine deutschen Soldaten an die russische Grenze", "Kitas statt Kanonen" oder "Bildung statt Bomben". Lenkert warnte: "Unsere Technik ist heute so weit entwickelt, dass es nach einem Dritten Weltkrieg niemanden mehr geben wird. Deswegen müssen wir für Abrüstung und Frieden sein." In Thüringen sind in diesem Jahr am Karsamstag in Gera, Jena und Ohrdruf Ostermärsche geplant.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. April 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. April 2019, 20:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

5 Kommentare

20.04.2019 13:11 part 5

Auf BW- Übungsplätzen zu demonstrieren bringt nichts, marschiert durch die gehobenen Wohnviertel und Parteibüros von CDU und FDP, dort wohnen die richtigen Ansprechpartner für den Rüstungswahnsinn.

20.04.2019 09:09 Reini 4

Vielleicht haben die Leute einfach keine Lust mehr auf Demos und wollen einfach mal die Feiertage genießen.
Demos gibt es doch jede Woche, irgendwelche finden immer einen Grund mit einem Plakat auf der Straße rumzustehen.
Ansonsten wünsche ich allen ein frohes Osterfest.

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen