Paul im MDR Büro.
Paul Göttlich, Initiator der Online-Mathe-Petition in der Redaktion von MDR THÜRINGEN. Bildrechte: MDR Thüringen/Nicky Scholz

Thüringen Zulauf für Petition gegen Mathe-Abitur

Paul Göttlich ist 16 Jahre alt, geht in Erfurt zur Schule und steckt mitten im Abitur. Trotzdem hat er die Online-Petition gestartet, mit der auch Thüringer Schülerinnen und Schüler gegen das diesjährige Mathe-Abitur protestieren. Wir haben ihn zu seinen Motiven befragt.

Paul im MDR Büro.
Paul Göttlich, Initiator der Online-Mathe-Petition in der Redaktion von MDR THÜRINGEN. Bildrechte: MDR Thüringen/Nicky Scholz

Was hat Dich veranlasst, die Petition zu starten?

Ausschlaggebend war das, was in Bayern passiert. Mehrere zehntausend Schüler haben hier die Petition unterschrieben. Außerdem vermittelt mir meine Schule christliche Werte, Nächstenliebe, etc. - auch Courage. Da war es für mich selbstverständlich, mich auch für meine Mitschüler zu engagieren und zu sagen, irgendwas müssen wir machen. Das Rumklagen in den vergangenen Jahren hat nicht geholfen. Jetzt die Petition.

Wie viele Schüler in Thüringen unterstützen die Petition?

Inzwischen sind es 4.600. Stand Dienstag. In Bayern sind es mehrere Zehntausend. Aber wir sind auch nur rund 7.000 Abiturienten in Thüringen - und es gibt hier weniger Großstädte.

Ihr sagt, das Mathe-Abitur 2019 war nicht in Ordnung. Warum?

Das Mathe-Abitur war anders, als wir erwartet haben. Es war nicht unbedingt schwieriger, aber immens "kleinteilig". Es gab viele Einzelfragen und jede verlangt eigene Lösungsansätze. Deshalb hat die Zeit, die man beispielsweise einkalkulieren muss - fürs Lesen und Anlegen des mathematischen Lösungsansatzes - nicht gereicht. Viele sind einfach nicht fertig geworden.

Mit welchen Folgen?

Da kommen schnell ein paar Negativ-Punkte zusammen. Und das kann den Notendurchschnitt verhageln. Ich selbst stehe zwischen Eins-Drei und Eins-Fünf. Da können 20 Punkte schon entscheiden, wohin das Pendel schlägt. Viele meiner Mitschüler und Mitschülerinnen haben einen Numerus Clausus für ihre Wunsch-Studienfächer. Da kann eine schlechterer Schnitt ein Jahr Wartezeit bedeuten. Ich will mich für ein Stipendium bewerben, da ist mein Notendurchschnitt auch nicht egal. Kurz: Ein schlechterer Schnitt bedeutet Wartezeit oder finanzielle Nachteile.

Der Thüringer Bildungsminister Helmut Holter hat erklärt, das Mathe-Abitur solle geprüft werden…

Dann ist es Sommer und da sind die Entscheidungen fürs Studium oder Stipendien gefallen.

... gleichzeitig verwies Holter darauf, das Abitur ist ein Leistungsnachweis und das solle auch so bleiben. Wie erlebt ihr diese Reaktionen?

Dass das Abitur ein Elitenachweis ist, davon habe ich in der Bildungspolitik so viel nicht mitbekommen. Ich kann nicht einen leichten Oberstufenabschluss ermöglichen und dann eine Prüfung hinsetzen, die dem widersprechen soll. Das ist keine verständliche Bildungspolitik, weil man Leuten damit vor den Karren fährt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 14:20 Uhr

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65 Kommentare

09.05.2019 13:09 martin 65

@64 jackblack: Faktenresistenz ist kein Alleinstellungsmerkmal der Jugend ....

08.05.2019 20:57 jackblack 64

Wenn man nix kann, dann kann man immer noch klagen. Es wird Zeit, dass erkannt wird, dass man Leistung bringen muss, um gelobt zu werden (bzw. eine gute Prüfung abzulegen). Die Jugend kann eigentlich gar nichts dafür, wenn sie über Jahre/fast Jahrzehnte geschönte Feedbacks von allen Seiten erhält und dann erfahren muss, dass eben nicht alles, wofür sie immer gelobt worden ist eben ein Lob verdient hat. Umso härter ist leider der Aufprall, wenn u.a. der Abiturient nach fast 20 Jahren erkennt, dass das Luftschloss, welches um ihn herum gebaut wurde plötzlich in sich zusammenfällt und dieser realisieren muss, dass er im weltweiten Vergleich nicht mehr fähig sein wird, unsere Wirtschaft am Leben zu halten. Ponyhof >>>reale Welt ist hier leider eine sehr gute Metapher.

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