Amtsgericht Freispruch nach Angriff auf linkes Jugendzentrum in Erfurt

Nach einem Angriff auf das autonome Jugendzentrum in Erfurt mussten sich zwei Männer wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die zwei Angeklagten gehen straffrei aus, entschied nun das Amtsgericht.

Autonomes Jugendzentrum in Erfurt
Tatort am Himmelfahrtstag 2016: Das autonome Jugendzentrum in Erfurt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem Überfall auf ein linkes Jugendzentrum vor vier Jahren in Erfurt bleiben die Angeklagten straffrei. Mit einem Freispruch und der Einstellung des Verfahrens endete am Dienstag der Prozess um einen rechten Angriff auf das linke Jugendzentrum. Das Amtsgericht sah keine nachweisbare Tatbeteiligung und sprach daher den 37 Jahre alten Angeklagten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung in mehreren Fällen sowie vom Hausfriedensbruch frei. Das Verfahren gegen einen 27-Jährigen wurde eingestellt. Der Entscheidung ging ein Rechtsgespräch der Verfahrensbeteiligten voraus.

Die Besucher des Jugendzentrums waren am Himmelfahrtstag 2016 attackiert worden. Dabei soll unter anderem auf die Gäste eingeschlagen und eingetreten und auch rechtsradikale Parolen gegrölt worden sein. Die beiden Angeklagten hatten sich zu Beginn des Prozesses am 10. November nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Kritik von Linker Bundestagsabgeordneten

Die Thüringer Linke-Bundestagsabgeordnete Martina Renner kritisierte den Ausgang des Verfahrens. Ein Verfahrensbeginn zweieinhalb Jahre nach Anklageerhebung habe die Tataufklärung verhindert, die Täter ermutigt und die Opfer verhöhnt, sagte Renner. Solch verschleppte Verfahren und die Straflosigkeit von Neonazis trügen die Mitschuld für die seit Jahren konstant hohe Anzahl rechter Gewalttaten in Erfurt und die weitere Festigung gewalttätiger Neonazi-Strukturen. In der Statistik der Opferberatung Ezra ist Erfurt seit Jahren die Region mit den landesweit meisten rechten und rassistischen Angriffen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. November 2020 | 20:00 Uhr

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