Mutmaßlicher Mafia-Angriff Prozess nach Überfall auf Restaurant in Erfurter Altstadt

Vor dem Landgericht Erfurt hat am Dienstag der Prozess um einen mutmaßlichen Mafia-Überfall auf ein Erfurter Restaurant in der Michaelisstraße begonnen. Sieben Männer müssen sich unter anderem wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe und schwerer Körperverletzung verantworten.

Polizeieinsatz in der Michaelisstraße Erfurt
Die Polizei hatte die Michaelisstraße in der Erfurter Altstadt nach dem Überfall abgesperrt. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Das Landgericht Erfurt gleicht einem Hochsicherheitstrakt - Polizeibeamte mit Maschinenpistolen haben sich vor dem Eingang postiert. Im Gebäude sind bewaffnete Beamte auf den Fluren und im Gerichtssaal verteilt. Grund ist die Brisanz des Verfahrens. Denn laut Staatsanwaltschaft haben die sieben Angeklagten im Oktober vergangenen Jahres ein Restaurant in der Erfurter Michaelisstraße überfallen. Dabei sollen die 33 bis 44 Jahre alten Männer den armenischstämmigen Besitzer und mehrere seiner Angestellten zum Teil schwer verletzt haben.

Allerdings, so die Staatsanwaltschaft, sollen an dem Überfall ingesamt mehr als 20 Männer beteiligt gewesen sein. Die Polizei konnte die sieben Angeklagten als mutmaßliche Haupttäter identifizieren. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie Pfefferspray und Elektroschock-Waffen eingesetzt haben. In den Wohnungen der Angeklagten fanden Ermittler später bei Razzien verschiedene Waffen, darunter Pistolen und Elektroschocker, sowie in einem Fall auch Drogen. Einem Angeklagten wird außerdem vorgeworfen, bei dem Angriff "Sieg Heil" gerufen zu haben.

Zu den Hintergründen schweigen sowohl die Angeklagten als auch die mutmaßlichen Opfer. Die für Organisierte Kriminalität zuständige Staatsanwaltschaft Gera will ein Überwachungsvideo als Beweismittel in das Verfahren einführen. Es soll den Überfall zeigen. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen haben die Ermittler unter anderem auch eine Spur zu armenischen Mafia-Clans in Erfurt gefunden, zu denen die überwiegend deutschen Angeklagten in Kontakt stehen sollen. Es wird vermutet, dass es sich bei dem Überfall um einen Racheakt in einem seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen armenischen Mafia-Gruppen in Erfurt handeln könnte. Dafür spricht, das zwei mutmaßliche Mitglieder eines armenischen Mafia-Clans aus Erfurt im Gerichtssaal sitzen.

Bei dem Überfall am frühen Abend des 11. Oktobers 2017 hatte sich eine Gruppe von etwa 20 Männern vor dem Restaurant "Wirtshaus Christoffel" an der beliebten Erfurter Kneipenmeile versammelt. Unter einem Vorwand soll der armenische Inhaber vor das Lokal gelockt worden sein. Dort sollen mehrere Angreifer auf den Mann und seine beiden Söhne losgegangen sein. Die zum Teil vermummten Männer sollen Stühle, Reizgas und Elektroschocker eingesetzt haben. Auch Zeugen, die zu Hilfe kamen, sollen dabei angegriffen worden sein. Danach flüchteten die Angreifer. Der Restaurantbetreiber und seine beiden 19 und 20 Jahre alten Söhne wurden verletzt. Der ältere kam wegen einer Beinverletzung ins Krankenhaus. Die Massenschlägerei in der Michaelisstraße hatte wochenlang Aufsehen erregt und auch Debatten im Erfurter Stadtrat sowie im Innenausschuss des Landtags zur Folge.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Juli 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2018, 11:07 Uhr

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