Männer in Anzügen von hinten. Sie fallen in einer großen Halle übereinander her.
Nach dem Boxkampf zwischen Arthur Abraham und Robert Krasniqi im April 2017 kam es zu einer Prügelei: Gäste in der Erfurter Messehalle gingen aufeinander los, Fäuste und Stühle flogen. Ordner versuchten, dazwischen zu gehen. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Armenische Mafia Prozess um Schlägerei nach Boxkampf in Erfurt gestartet

Vor dem Amtsgericht in Erfurt hat am Mittwoch der Prozess um eine Schlägerei am Rande eines großen Boxkampfes im April 2017 begonnen. Fünf Männer sind angeklagt. Sie sollen auf den Berliner Boxer Karo Murat losgegangen sein. Bisher sind die Motive für die Attacke unklar. Ob sie im Prozess geklärt werden können, bleibt offen.

von Axel Hemmerling und Ludwig Kendzia

Männer in Anzügen von hinten. Sie fallen in einer großen Halle übereinander her.
Nach dem Boxkampf zwischen Arthur Abraham und Robert Krasniqi im April 2017 kam es zu einer Prügelei: Gäste in der Erfurter Messehalle gingen aufeinander los, Fäuste und Stühle flogen. Ordner versuchten, dazwischen zu gehen. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

In der Erfurter Messehalle herrschte am 22. April 2017 gute Stimmung. Der MDR-Sportmoderator René Kindermann führte noch ein Experten-Gespräch am Rande des Ringes. Zuvor war der WM-Kampf zwischen den beiden Boxern Arthur Abraham und Robert Krasniqi zu Ende gegangen. Der armenischstämmige Abraham konnte den Fight für sich entscheiden.

Die Zuschauer waren gerade im Gehen, da brach plötzlich in der Nähe des Rings eine wilde Schlägerei aus. Mehrere Männer gingen aufeinander los. Es flogen Fäuste und Stühle. Ordner des Sicherheitsdienstes versuchten dazwischen zu gehen. Fotografen und Kameraleute schwenkten ihre Objektive auf die sich prügelnden Männer. Am Ende blieb das Foto eines blutenden Mannes: Karo Murat, Boxer aus Berlin, hatte sich bei der Auseinandersetzung im Gesicht verletzt. Schnell wurde klar, dass mehrere Gäste des Boxkampfes auf ihn losgegangen waren. Sie hatten Murat minutenlang attackiert, der wehrte sich. So schnell alles begann, so schnell waren die mutmaßlichen Angreifer wieder verschwunden.

Motiv für Schlägerei offen

Diese Auseinandersetzung wird nach mehr als zwei Jahren am Amtsgericht Erfurt juristisch aufgearbeitet. Angeklagt sind fünf Männer, die durch Fotos und Filmmaterial durch die Polizei als Beschuldigte identifiziert worden sind.

Nun stellt sich die Frage für die Staatsanwaltschaft und die Ermittler: Warum sind die Angeklagten auf den Boxer Karo Murat losgegangen? Murat war an diesem 22. April vor zwei Jahren Gast bei dem WM-Kampf zwischen Abraham und Krasniqi. Die fünf Männer waren ebenfalls als Zuschauer dabei, das belegen Bilder, die MDR THÜRINGEN vorliegen. Murat selber hatte auf Anfrage immer wieder erklärt, er kenne die mutmaßlichen Angreifer nicht. Das wird er wohl auch im nun beginnenden Verfahren gefragt werden, denn laut Amtsgericht ist er bereits zum ersten Prozesstag als Zeuge geladen. Ob und wie er sich dazu äußern wird, ist offen.

Verbindung zu Mafia-Schießerei vor Spielothek in Erfurt?

Doch zwischen den fünf Angeklagten und Murat könnte es eine mögliche Verbindung geben. Diese Spur führt zurück zur inzwischen bekannten Mafia-Schießerei im Juli 2014 vor einer Spielothek in Erfurt. Auf einer Überwachungskamera wird damals ein Bild festgehalten, auf dem ein Mann mit Basecap zu sehen ist. Er betritt in dieser Nacht die Spielhalle - und nur wenige Sekunden später bricht eine wilde Schießerei aus. 20 Projektile werden später von der Polizei gefunden, zwei Männer werden schwer verletzt.

Angeklagte und ihre Anwälte sitzen in einem Gerichtsaal
In Erfurt hat am Mittwoch der Prozess gegen die Männer begonnen, die an der Prügelei beteiligt gewesen sein sollen. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Die Ermittler des Thüringer Landeskriminalamtes waren überzeugt, dass es sich bei dem Mann mit dem Bascecap um den Boxer Karo Murat handelt. Er bestreitet das mehrfach, auch auf Nachfrage von MDR THÜRINGEN. Er sei in der Juli-Nacht 2014 weder in Erfurt gewesen, noch in der Spielothek. Doch die Ermittler lassen nicht locker: Als Karo Murat mit den Bildern der Überwachungskamera konfrontiert wird, sagt sein Bruder Koko, er sei in Erfurt gewesen. Da weder das LKA noch die Staatsanwaltschaft beweisen konnten, das Karo Murat da war und sein Bruder Koko überzeugend in Vernehmungen darstellte, dass er mit der Schießerei nichts zu tun hatte, wurden alle Ermittlungen damals eingestellt.

Ermittler entdecken Mafia-Spur

Dann reist Karo Murat am 22. April 2017 zum Boxkampf nach Erfurt und wird von mehreren Männern attackiert. Als die LKA-Ermittler sich die Bilder dieses öffentlich ausgetragenen Angriffs anschauen, entdecken sie "alte Bekannte". Denn einige der mutmaßlichen Angreifer waren bei der Mafia-Schießerei 2014 dabei. Bei genau dem Vorfall, bei dem Karo Murat nach eigenem Bekunden nicht war, sondern sein Bruder Koko. Der aber mit der Schießerei wiederum nichts zu tun gehabt haben will. Bei den nun Angeklagten besteht der Verdacht, dass sie mutmaßliche Mitglieder eines armenischen Mafia-Clans in Erfurt sind.

Die Ermittler der Staatsanwaltschaft und des Landeskriminalamtes stehen vor einem schwer zu entwirrenden Rätsel. Denn weder die Motive der Schießerei 2014, noch die Attacke auf den Boxer Karo Murat 2017 sind bis heute eindeutig geklärt. Alle Beteiligten schweigen oder ihre Aussagen bringen keine Erhellung in beiden Fälle. Dass es zwischen den beiden Ereignissen einen Zusammenhang geben könnte, wird in Ermittlerkreisen vermutet. Doch bisher fehlen die Beweise.

Profi-Boxer Abraham besuchte Restaurant

Einen Tag nach der Schlägerei beim Boxkampf kam es in der Erfurter Innenstadt dann noch zu einer interessanten Begegnung. Arthur Abraham, der Gewinner des Kampfes vom Vorabend, besuchte ein griechisches Restaurant. Geführt wird es unter anderem von zwei armenischen Brüdern. Beide waren bei der Schießerei 2014 dabei und standen dafür vor Gericht. Beide waren bei der Attacke am Abend des Kampfes auf Karo Muart dabei und stehen nun aktuell vor Gericht. Und beide nutzten jahrelang Handys, die auf die Boxsportfirma von Arthur Abraham bei Berlin angemeldet waren.

Auch diese Verbindung ist bis heute ungeklärt. Mehrfache Anfragen von MDR THÜRINGEN dazu hatte Abraham nicht beantwortet. Was das aktuelle Verfahren vor dem Amtsgericht Erfurt angeht, könnte es eine Weile dauern. Laut einem Gerichtssprecher sind Prozesstermine bis Mitte November angesetzt. Viele Zeit, um zu versuchen, die genauen Hintergründe der Attacke vom 22. April 2017 in der Erfurter Messehalle zu klären.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 18:15 Uhr

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17 Kommentare

22.08.2019 16:07 B 17

ihr s. von allen Bereichen MDR , die besten das muß ich schon schreiben , die schlechtesten sind Sachsen MDR, Sachsen-Anhalt MDR ,
Nachrichten, kann man fast alle voll und ganz vergessen , aber die neue Reglung ist nicht in Ordnung ihr werdet es bestimmt an die Komment. selber merken, und übrigens lieben wir s. vielen Jahren Thüringen ein sehr schönes Land, ohne mich einzuschmeicheln nein das brauche ich nicht beim MDR !

22.08.2019 15:23 B 16

MDR jetzt eine wirklich klasse Reglung im gesamten MDR Bereich,
da werden es noch weniger die etwas schreiben zu unterschiedl. Artikel wollen wir hoffen ihr werdet jetzt nicht noch dazu Arbeitslos ,
was soll der Scheiß MDR ?? wir sind doch nunmehr bereits s. 1990 gläserne Menschen, naj wenn ihr denkt es ist so in Ordnung dann macht so weiter , S I N N L O S !!!!

MDR THÜRINGEN:
Hallo B,
dass wir unsere Arbeit behalten dürfen, hoffen wir natürlich auch.;-) Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie Ihre Kritik an uns, konstruktiv an konkreten Beispielen äußern würden. So pauschal ist es schwierig Änderungsvorschläge aufzunehmen.

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