Angeklagte und ihre Anwälte im Prozess um falsche Polizisten in einem Gerichtssaal in Erfurt
Im Erfurter Prozess um falsche Polizisten, die verunsicherte Senioren betrogen, haben alle drei Angeklagten gestanden. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Erfurt Betrugsmasche falscher Polizisten: So gingen die Täter vor

"Hier ist die Polizei. In Ihrer Gegend sind Einbrecher unterwegs. Wenn Sie Wertgegenstände im Haus haben, dann legen Sie sie vor die Tür. Wir bringen alles in Sicherheit." Mit solchen Anrufen brachten Betrüger Anfang des Jahres Senioren in Thüringen um ihre Ersparnisse. Drei Männer stehen jetzt in Erfurt vor Gericht.

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

von Conny Hartmann

Angeklagte und ihre Anwälte im Prozess um falsche Polizisten in einem Gerichtssaal in Erfurt
Im Erfurter Prozess um falsche Polizisten, die verunsicherte Senioren betrogen, haben alle drei Angeklagten gestanden. Bildrechte: MDR/Cornelia Hartmann

Im Februar waren die Männer aus Bremen festgenommen worden. Siebenfacher Betrug mit einem Schaden von 200.000 Euro wird ihnen vorgeworfen. Belastet werden die Angeklagten durch DNA-Spuren und Handydaten. Bisher schwiegen sie zu den Vorwürfen. Doch am Mittwoch - dem dritten Prozesstag - gestanden sie, an den Taten beteiligt gewesen zu sein.

Ihren Aussagen zufolge waren sie nur die Laufburschen, die die Beute - die verunsicherte Senioren vor die Tür stellten oder aus dem Fenster warfen - abholten. Geld, Schmuck, Gold wurden in Beuteln unter Balkonen deponiert, in Papiermülltonnen hinterlegt oder tatsächlich direkt auf die Straße gestellt. In keinem Fall sahen die Opfer, wer ihr Vermögen an sich brachte.

Junger Mann will Schulden loswerden - und holt Beute in Erfurt ab

Einer der Angeklagten - 23 Jahre alt - erklärte, er habe Drogenschulden gehabt und sei Anfang des Jahres angesprochen worden, ob er seine Schulden nicht loswerden wolle. Was genau er dafür tun sollte, habe er zunächst nicht gewusst, so der Mann. Und weil er keinen Führerschein hatte, bat er zwei Bekannte um Mithilfe.

Zu dritt fuhr man nach Erfurt, nahm sich eine Ferienwohnung und wartete auf weitere Anweisungen. Telefonisch habe man ihm mitgeteilt, wann, wo, was abzuholen sei. Er habe nachgeschaut, was in den Beuteln war, gab der 23-Jährige zu. Dass es sich um etwas Illegales handele, sei ihm damals klar gewesen.

Hintermänner bleiben im Dunkeln

Die Beute habe er dann einmal in Erfurt in der Ferienwohnung an eine Frau übergeben, einmal in einem Bremer Einkaufszentrum an einen unbekannten Mann. Dafür wurden ihm 5.000 Euro Schulden erlassen. Weitere 5.000 Euro bekam er bar, wovon er seinen Bekannten etwas abgab. Von seinem Auftraggeber kenne er nur den Vornamen, er vermute, dass dieser Türke sei.

Die Erfurter Richter ließen erkennen, dass sie die Aussagen für glaubhaft halten. Über die Hintermänner werde man in diesem Verfahren nicht viel erfahren, hieß es. Bereits zu Prozessbeginn hatte das Gericht durchblicken lassen, dass hinter den Taten vermutlich die türkische Call-Center-Mafia steckt.

Zwei Angeklagte in Bremen auf freiem Fuß

Im Laufe des Verfahrens sollen auch die Opfer gehört werden. Auch wenn die Angeklagten nicht die Anrufer waren, die die Senioren um ihr Erspartes brachten - zur Aufklärung des Falls seien die Aussagen der Opfer nötig, so der Vorsitzende Richter. Zudem sei es für die Strafzumessung wichtig zu wissen, welche Folgen die Taten für die Betroffenen haben. Außerdem gebe es Opfer, denen es wichtig sei auszusagen.

Außenaufnahme vom Erfurter Landgericht
Der Prozess um falsche Polizisten soll Anfang Dezember in Erfurt fortgesetzt werden. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Zwei der Angeklagten - zur Tatzeit Heranwachsende - kamen nach dem Geständnis auf freien Fuß. Nach neun Monaten Untersuchungshaft wurde der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Für die Beiden kommt das mildere Jugendrecht in Betracht; da sei es nicht verhältnismäßig, sie länger in Haft zu behalten, hieß es. Die Männer durften mit Familienangehörigen zurück nach Bremen fahren. Sie dürfen die Stadt nur verlassen, um zum Prozess in Erfurt zu fahren. Der geht nächste Woche mit Zeugenbefragungen weiter - ein Urteil soll im Januar fallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 27. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. November 2019, 20:40 Uhr

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