Landgericht Erfurt Prozess gegen mutmaßlichen Mehrfach-Vergewaltiger vertagt

Vor dem Landgericht Erfurt steht ab Dienstag ein Mann, der in der Thüringer Landeshauptstadt innerhalb weniger Wochen mehrere Frauen vergewaltigt haben soll. Vielleicht hätten seine Taten verhindert werden können. Denn die Polizei hatte für den heute 35-Jährigen eigentlich elektronische Fussfesseln beantragt.

Der Mann aus Erfurt ist wegen schwerer Vergewaltigung angeklagt. Er soll im letzten Jahr in Erfurt drei Frauen überwältigt und missbraucht haben. Die Taten ereigneten sich zwischen August und Oktober. Nach einer Vergewaltigung am Rande der Erfurter Innenstadt, in der Nähe der Trommsdorffstraßen-Brücke, nahm die Polizei den Mann fest.

Nur wenige Wochen vor den Vergewaltigungen war der Mann aus der Haftanstalt in Burg bei Magdeburg entlassen worden und nach Erfurt gezogen. In Burg hatte er neun Jahre und sechs Monate wegen eines Sexualdelikts eingesessen. Das Landgericht Magdeburg hatte ihn 2009 wegen besonders schwerer Vergewaltigung in Tateinheit mit Raub und gefährlicher Körperverletzung zu der langjährigen Haft verurteilt. Der Verurteilte hatte im Dezember 2008 eine Radfahrerin nachts mit einem Stein niedergeschlagen, vergewaltigt und beraubt. Er hatte die Tat gestanden.

Nach Angaben des Thüringer Innenministeriums hatte die Thüringer Polizei für den Mann wegen eines hohen Rückfallrisikos eine elektronische Fußfessel beantragt, um ihn weiter kontrollieren zu können. Die dafür zuständige Vollstreckungskammer am Landgericht Stendal in Sachsen-Anhalt habe dies jedoch abgelehnt.

Der Angeklagte war laut Innenministerium im Thüringer "Haftentlassenen Auskunftsdatei Sexualstraftäter" (HEADS) gelistet, die vom Landeskriminalamt geführt wird. Im Oktober 2018 waren dort 160 Personen verzeichnet. Der Angeklagte war in der Rubrik der gefährlichsten Täter eingruppiert. Für solche Täter kommt wegen eines hohen Rückfallrisikos eine besondere Überwachung wie eine Observation oder eine elektronische Fußfessel in Frage.

Warum das Gericht in Stendal den Thüringer Antrag ablehnte, blieb bisher unbeantwortet. Die Verhandlung vor dem Erfurter Landgericht wurde kurz nach Verlesung der Anklageschrift vertagt, weil ein wichtiger Gutachter fehlte.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 16. April 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 06:00 Uhr

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