Prozess in Erfurt Polizist erinnert sich nicht an Messerattacke auf Ex-Freundin

Ein Polizist des LKA soll seiner Ex-Freundin aufgelauert, sie niedergeschlagen und ihr anschließend das Gesicht zerschnitten haben. Vor Gericht sprach er von einer toxischen Beziehung - und dass er sich an die Tat nicht erinnern könne.

Vor dem Landgericht Erfurt muss sich seit Dienstag ein ehemaliger Polizist des Landeskriminalamtes verantworten. Die Staatsanwaltschaft Erfurt wirft dem 43-Jährigen mehrere Gewalttaten vor. Unter anderem soll er seiner ehemaligen Lebensgefährtin im August letzten Jahres aufgelauert, sie niedergeschlagen und ihr anschließend das Gesicht zerschnitten haben. Laut Anklage wollte er damit erreichen, dass die Frau dauerhaft entstellt ist. Die 45-Jährige kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Der Mann war einige Stunden nach der Tat von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei in Braunschweig festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Vor Gericht gab er an, sich nicht an eine konkrete Messerattacke auf seine Ex-Partnerin erinnern zu können, da er erst einige Tage zuvor aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden sei. Er sprach fast sechs Stunden lang von einer toxischen Beziehung, aus der er nicht herausgekommen sei.

Anwalt kritisiert die Thüringer Polizei

Der 43-Jährige war seit 2016 krankgeschrieben. Weil der Mann offenbar schon seit Langem psychische Probleme hat, kritisierte sein Anwalt am ersten Prozesstag die Thüringer Polizei. Der Mann habe seit Jahren versucht, in den Ruhestand versetzt zu werden, weil er derart große psychische Probleme habe, dass es ihm unmöglich gewesen sei, seinen Job als Polizist weiter auszuüben, sagte der Anwalt.

Darüber habe sein Mandant in der Vergangenheit auch bereits mit Polizeiärzten gesprochen. Erst auf Betreiben des Verteidigers und einer gerichtlichen Entscheidung wurde er Ende Januar 2021 in den Ruhestand versetzt. Derzeit prüfe die Polizei, ob sie die Versorgungsbezüge des Mannes reduziere.

Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil soll Ende März fallen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. Februar 2021 | 19:00 Uhr

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