Angeklagter im Landgericht Erfurt
Für den mutmaßlichen Vergewaltiger hat die Staatsanwaltschaft die mögliche Höchststrafe gefordert: 15 Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung. Bildrechte: MDR/Sascha Mönch

Erfurt Mehrfach-Vergewaltiger zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt

Ein Mann hat kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis zwei Frauen in Erfurt vergewaltigt. Die Thüringer Polizei hatte zwar eine elektronische Fußfessel für den Mehrfachtäter beantragt - jedoch ohne Erfolg. Das Erfurter Landgericht hat den Mann am Montag zu zwölfeinhalb Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Gerichtsreporterin Cornelia (Conny) Hartmann vom MDR THÜRINGEN JOURNAL
Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

von Cornelia Hartmann

Angeklagter im Landgericht Erfurt
Für den mutmaßlichen Vergewaltiger hat die Staatsanwaltschaft die mögliche Höchststrafe gefordert: 15 Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung. Bildrechte: MDR/Sascha Mönch

Er hat seine Opfer überfallen, vergewaltigt, misshandelt und bestohlen. Einer Studentin brach er mit Faustschlägen den Kiefer, warf sie anschließend in den Flutgraben der Gera. Das zweite Opfer erlitt Verletzungen durch Pfefferspray - nicht nur im Gesicht.

Beide Frauen waren bei Dunkelheit auf dem Heimweg, beide erlitten Todesangst. Eine konnte nach der Tat nicht mehr in ihre Wohnung zurückkehren. Die seelischen Schäden vergehen nicht, sagte die Vorsitzende Richterin. Die Frauen müssten lernen, damit zu leben. Ob und wie sie das schaffen, sei nicht absehbar.

Der Angeklagte schüttelte während der Urteilsbegründung immer wieder den Kopf. Er hatte während des Prozesses geschwiegen. Doch die Richter waren überzeugt, dass er es war, der die Frauen vergewaltigte.

Cliff S. war erst im Juni aus dem Gefängnis in Burg in Sachsen-Anhalt entlassen worden. Dort hatte er neun Jahre und sechs Monate wegen Vergewaltigung abgesessen. Nach seiner Entlassung zog er nach Erfurt, in ein Wohnheim. Wegen des hohen Rückfallrisikos beantragten die Thüringer Behörden beim zuständigen Landgericht in Stendal, dass der 35-Jährige eine elektronische Fußfessel tragen muss. Doch das Gericht in Sachsen-Anhalt lehnte das ab.

Mann war oft nachts unterwegs

Im Rahmen der sogenannten Führungsaufsicht besuchte die Polizei Cliff S. regelmäßig und hielt sogenannte Gefährderansprachen. Das Wohnheim, in dem er nach Gerichtsangaben Kondome "hortete", sollte er nach 22 Uhr nicht mehr verlassen. Doch daran hielt sich Cliff S. nicht. Er sei oft nachts unterwegs gewesen, hieß es im Urteil. Als eine Freundin Abstand von ihm brauchte, habe er seine Wut über diese Zurückweisung an fremden Frauen ausgelassen.

Ein Polizist untersucht einen Tatort.
Ein Polizeibeamter ermittelt am Tatort nach einer Vergewaltigung in Erfurt (Archivfoto). Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Zeugenaussagen und Indizien, unter anderem DNA-Spuren, überführten den Mann, dessen Lebensgeschichte sich wie das 'Who is Who' der Kinderheime Sachsen-Anhalts lese, heißt es im Urteil: Mit eineinhalb Jahren kam Cliff S. das erste Mal in die Kinder- und Jugendpsychiatrie, später wurde er immer wieder straffällig. Er sei nicht gewillt, sich an Regeln zu halten, so die Vorsitzende Richterin. Und deshalb sei er gefährlich, die Rückfallgefahr extrem hoch. Das begründe die Sicherungsverwahrung.

Gericht spricht Studentin 50.000 Euro Schmerzensgeld zu

Es sei nicht viel, was für den Angeklagten spreche, hieß es am Ende der Urteilsbegründung. Dass er bei den Taten ein Kondom getragen habe, müsse positiv berücksichtigt werden. Dass er keine Fußfessel tragen musste, das allerdings sei kein Grund, die Strafe zu mildern.

Der schwer verletzten Studentin sprachen die Erfurter Richter ein Schmerzensgeld in Höhe von 50.000 Euro zu. Ob sie davon je etwas sieht, ist offen. Einer der Opferanwälte erwägt, das Land Sachsen-Anhalt auf Schadenersatz und Schmerzensgeld zu verklagen. Gegen das Erfurter Urteil ist Revision zum Bundesgerichtshof möglich. Darüber will der Angeklagte noch nachdenken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2019, 20:59 Uhr

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