Unfallstelle nach Tod eines Radfahrers
Der Radfahrer starb noch an der Unfallstelle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landgericht Erfurt Radfahrer tödlich verunglückt - Prozess gegen Autofahrer

Im Juni 2017 soll ein Autofahrer im Kreis Sömmerda einen Mountainbike-Fahrer am Straßenrand erfasst haben. Der Radfahrer erlag seinen Verletzungen. Der Autofahrer muss sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Unfallstelle nach Tod eines Radfahrers
Der Radfahrer starb noch an der Unfallstelle. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem Tod eines Radfahrers im Jahr 2017 muss sich seit Donnerstag ein Autofahrer vor dem Erfurter Landgericht verantworten. Dem 24 Jahre alten Angeklagten wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Er soll im Juni 2017 bei Buttstädt im Kreis Sömmerda mit seinem Auto einen 44 Jahre alten Mountainbike-Fahrer am Straßenrand erfasst haben. Der Angeklagte besaß zum damaligen Zeitpunkt keinen Führerschein.

Laut Gericht stürzte der Radfahrer in den Straßengraben und erlag seinen Verletzungen. Obwohl der Autofahrer den Unfall bemerkt haben soll, kümmerte er sich der Anklage zu Folge nicht um den Verletzten, sondern flüchtete. Der Unfall passierte gegen 22:40 Uhr, der Radfahrer war mit dunkler Kleidung und ohne Licht unterwegs. Unmittelbar nach dem Unfall ging die Polizei noch davon aus, dass der Unfall am darauffolgenden Morgen passierte.

Angeklagter schweigt zum Prozessauftakt

Der Mann hatte sich am Folgetag in Begleitung zweier Anwälte bei der Polizei in Jena gestellt, um eine Unfallflucht anzuzeigen. Die Beamten mussten erst in Sömmerda nachfragen, ob etwas passiert war. Als klar war, dass in der Nacht ein Mensch ums Leben gekommen war, wurde aus der von den Anwälten angestrebten Zeugenaussage eine Beschuldigtenvernehmung. Der 24-Jährige schwieg damals.

Auch zu Verhandlungsbeginn verzichtete der Angeklagte auf eine Aussage. Mit vier Gutachtern - drei technischen Sachverständigen und einer Gerichtsmedizinerin - wurden ungewöhnlich viele Experten zu Rate gezogen. Noch am Donnerstag sollten Zeugen angehört werden.

Warum ist der Beschuldigte wegen versuchten Mordes angeklagt? Die Anklageschrift listet gleich mehrere Straftaten auf: Fahren ohne Fahrerlaubnis, unterlassene Hilfeleistung, fahrlässige Tötung und versuchter Mord.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte den Unfall bemerkt hat und bewusst keine Hilfe holte, weil er keinen Führerschein hatte. Vertuschen einer Straftat ist ein Mordmerkmal.

Einem Gutachten zufolge waren die Verletzungen des Radfahrers so schwer, dass er auch bei schneller Hilfe nicht überlebt hätte. Deshalb ist der Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Das aber habe der Fahrer nicht gewusst. Er hätte Hilfe holen müssen, so die Staatsanwaltschaft. Wer das in einer solchen Situation nicht tut, macht sich laut Gesetz wegen Mordes durch Unterlassen schuldig.

In diesem Fall war das Opfer zwar sofort tot. Weil der 24-Jährige das aber nicht wissen konnte, als er den Radfahrer im Straßengraben liegen ließ und davonfuhr, muss er sich wegen versuchten Mordes verantworten.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 09. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2019, 20:20 Uhr

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