Erfurt Polizei durchsucht Räume mutmaßlicher Mafiamitglieder

Das Thüringer Landeskriminalamt hat in Erfurt Wohnungen und Geschäfte durchsucht. Nach Informationen von MDR THÜRINGEN richten sich die Ermittlungen unter anderem gegen mutmaßliche Mitglieder eines armenischen Mafiaclans. Ein Sprecher der für organisierte Kriminalität zuständigen Staatsanwaltschaft Gera sagte, dass es ein Ermittlungsverfahren gegen vier Armenier gebe. Ihnen werde die Erschleichung von Aufenthaltstiteln vorgeworfen. Es bestehe der Verdacht, dass die Vier bei ihrer Einreise nach Deutschland 2005 falsche Angaben zu ihren Identitäten gemacht haben. "Das ist ein Straftatbestand", so der Sprecher. Sollte sich das bestätigen, könne durch die Ausländerbehörde auch eine Abschiebung der Tatverdächtigen geprüft werden.

Polizist steht vor einem Gebäude
Auch ein Restaurant in Nähe des Erfurter Domplatzes wurde durchsucht. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann

Nach Recherchen von MDR THÜRINGEN verfolgen die Ermittlungsbehörden aber auch einen weiteren Plan. Sollte sich bestätigen, dass die Tatverdächtigen unter falschen Namen und Daten in Deutschland leben, könnten sie nicht mehr am sogenannten "Rechtsverkehr“ teilnehmen. Das bedeutet: Sie könnten keine Geschäfte mehr betreiben, Konten führen oder Autos fahren. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass so versucht werden soll, sie in ihrer geschäftlichen Aktivitäten zu stören und einzuschränken.   

Armenische Familie im Visier

Nach MDR THÜRINGEN-Informationen richten sich die Ermittlungen gegen zwei Brüder, ihren Vater und ihre Mutter. Die beiden Brüder werden von Ermittlern zu den führenden Köpfen eines armenischen Mafiaclans in Erfurt gezählt. Beide waren im Sommer 2014 an der Mafia-Schießerei in und vor einer Erfurter Spielothek beteiligt. Damals hatten mutmaßliche Mitglieder armenischer Clans aus Berlin, Leipzig und Erfurt aufeinander geschossen. Dabei wurden zwei Männer schwer verletzt. Einer von Ihnen war der Vater der beiden Brüder, bei dem das LKA am Mittwoch auch durchsucht hat.

Ein Verdächtiger mit Kontakten zur italienischen Mafia

Einer der beiden Brüder soll unter anderem auch mit Falschgeld gehandelt haben. Er war im Februar 2014 in Neapel mit 125.000 Euro-Blüten von italienischen Fahndern festgenommen wurden. In seinem Auto saßen zwei Italiener aus Hannover, die mutmaßlich gute Kontakte zur italienischen Mafia-Organisation `Ndrangheta haben sollen. Der Armenier und die beiden Italiener wurden nach einigen Tagen Gewahrsam in Italien entlassen und in Abwesenheit verurteilt. Allerdings ermittelte das Thüringer LKA und die Staatsanwaltschaft Gera seitdem gegen den Armenier wegen des Handels mit Falschgeld. Eine Anklage liegt inzwischen vor.

Verbindungen zu Schlägerei während eines Abraham-Boxkampfes

Die beiden Brüder sollen auch an der Schlägerei am Rande des Boxkampfes zwischen Arthur Abraham und Robert Krasniqi im April 2017 beteiligt gewesen sein. Damals war eine Gruppe von Armeniern auf den Berliner Boxer Karo Murad losgegangen, der als Gast bei dem Kampf in Erfurt war. Auch in diesem Verfahren gibt es inzwischen Anklagen. Ein möglicher Prozesstermin steht laut Amtsgericht Erfurt noch nicht fest. Die beiden Brüder betreiben in Erfurt verschiedene Geschäfte. Bei der Razzia am Mittwoch wurde bisher niemand festgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden die Tatvorwürfe weiter geprüft.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN Nachrichten | 20. Februar 2019 | 10:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 21:16 Uhr

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