Schulden und Insolvenz Rot-Weiß Erfurt: Insolvenzverwalter macht Rombach mitverantwortlich

Mit neuem Präsidium beginnt für den Fußballclub Rot-Weiß Erfurt eine neue Zeitrechnung. Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist aber längst nicht abgeschlossen: Neue Vorwürfe gegen Ex-Präsident Rolf Rombach werden laut.

Präsident Rolf Rombach (RW Erfurt) auf der Tribüne der Multifunktionsarena
Bis 2017 war Rolf Rombach zwölf Jahre Präsident des FC Rot-Weiß Erfurt. Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Der Insolvenzverwalter des FC Rot-Weiß Erfurt, Volker Reinhardt, macht den ehemaligen Präsidenten Rolf Rombach für Unregelmäßigkeiten im Verein mitverantwortlich. Wie Reinhardt MDR THÜRINGEN sagte, prüft das Finanzamt jetzt mehrere Vorgänge bis zurück ins Jahr 2015. Unter der Führung von Rolf Rombach habe der Verein über Jahre hinweg Schulden im siebenstelligen Bereich erwirtschaftet.

Schon damals hatte das Finanzamt die Gemeinnützigkeit in Frage gestellt. Allerdings sei die Behörde damals zu der Zeit zu keinem Ergebnis gekommen, sagte der Insolvenzverwalter. Weitere Vorgänge nannte er nicht. Nach MDR-Informationen soll außerdem eine Vereinsfeier im Jahr 2016 aus zweckgebundenen Mitteln bezahlt worden sein.

Rombach weist Vorwürfe zurück

Volker Reinhardt
Insolvenzverwalter Volker Reinhardt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Jahr 2015 war Rolf Rombach Präsident des Vereins. Wie Rombach MDR THÜRINGEN sagte, sind ihm keine Untersuchungen zu den Vorgängen bekannt. Das Finanzamt habe in seiner zwölfjährigen Amtszeit die Gemeinnützigkeit weder in Frage gestellt noch Stellungnahmen zu angehäuften Schulden gefordert. Steuerschulden seien stets bezahlt worden, so Rombach. Er wies auch den Vorwurf zurück, wonach zweckgebundene Mittel für eine Veranstaltung des Vereins ausgegeben worden sein.

Vorwürfe gegen den bis Freitag kommissarischen Präsidenten, Frank Nowag, wies Insolvenzverwalter Reinhardt zurück. Nowag hatte im Jahr 2017 als Präsident kurzfristig zweckgebundene Gelder aus dem Nachwuchsbereich für die Profimannschaft verwendet. Seinen Angaben nach war dieses Vorgehen mit dem damaligen Aufsichtsrat abgestimmt.

Kein Einfluss auf den Neustart

Sollte das Finanzamt dem Verein die Gemeinnützigkeit entziehen, hätte das laut Reinhardt keine Folgen für einen möglichen Neustart des Vereins. Rot-Weiß könnte diese neu beantragen. Allerdings stelle Reinhardt aktuell keine Spendenquittungen aus, bis eine Entscheidung des Finanzamtes gefallen ist. Das Finanzamt darf sich zu den laufenden Untersuchungen nicht äußern.

Seit Freitag hat der Verein ein neues Präsidium. Der dreiköpfige Aufsichtsrat benannte Hans-Dieter Steiger zum Präsidenten und Peter Kästner zum Stellvertreter. Steiger war bisher Vorsitzender des Ehrenrates. Als neues Präsidium könnten Steiger und Kästner in die Verhandlungen um das Oberliga-Spielrecht einsteigen.

TV-Tipp: Die Probleme im ostdeutschen Fußball sind am Montag, 06.07.2020, Thema im MDR-Polittalk Fakt ist! aus Erfurt: 20:15 Uhr im Livestream und 22:05 Uhr im MDR FERNSEHEN.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Juli 2020 | 14:00 Uhr

6 Kommentare

Hubert vor 5 Wochen

Was bei Rot-Weiß Erfurt so geschehen ist, dazu kann und möchte ich mich nicht äußern. Es wäre nur gut und schön, dass dort wieder mal Fußball gespielt werden könnte.
Den Fußballfreunden in und um Erfurt ist das in jedem Fall zu gönnen.
Liebe Grüße nach Thüringen

meckersack vor 5 Wochen

Der IV kann sicher nichts, für das was vor seiner Einsetzung passierte. Aber bitte mal nicht ablenken! Die gegenwärtige Situation scheint mehr so geprägt, von den neuen Defiziten, in mittlerer sechsstelliger Höhe, die in anderthalb Regionalliga- Spielzeiten, in der Insolvenz, angehäuft worden und die sich letztendlich kein potentieller Investor drauf brummen lassen wollte. Das ist einzig und alleine die Verantwortung des IV und eigentlich ein Fall für dessen Haftpflicht. Der Absturz in Liga 5 war nicht unbedingt nötig.

Chemieschwein vor 5 Wochen

Was für eine Schlammschlacht, statt sich auf das wesentliche zu konzentrieren, schiebt einer dem anderen die Schuld zu. Ich denke der IV wird diesen Rot Weißen Insolvenzhaufen abwickeln, egal ob es da einen neuen Vorstand gibt oder nicht..

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