Verdacht auf Blutdoping Erfurter Sportarzt in Untersuchungshaft

Das Amtsgericht Erfurt hat den Haftbefehl gegen einen wegen Dopingverdachts festgenommenen Erfurter Sportarztes bestätigt. Gründe seien Flucht- und Verdunkelungsgefahr.

Wagen der Polizei stehen vor dem Amtsgericht Erfurt.
Am Donnerstag wurde der Verdächtige dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Bildrechte: MDR/ Susan Minard

Dem Arzt wird Verstoß gegen das Antidopinggesetz vorgeworfen, dessen Strafrahmen von einem bis zu zehn Jahren reicht. Mark S. soll zu einer aus Erfurt agierenden kriminellen Gruppierung gehören, die dringend verdächtig ist, seit Jahren Blutdoping an Spitzensportlern zu praktizieren. Am Mittwoch wurden im Rahmen internationaler Ermittlungen gegen ein Dopingnetzwerk in Erfurt neun Häuser durchsucht, darunter auch die Praxis des 40-Jährigen. Der Verteidiger kündigte an, das der 40-Jährige vollumfänglich kooperieren wolle. Der Arzt werde in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht, sagte sein Verteidiger. Unmittelbar nach Verkündung der Entscheidung verließ ein schwarzer Wagen mit Münchner Kennzeichen das Gericht. Ebenfalls Haftbefehl erging demnach gegen einen zweiten in Erfurt festgenommenen Verdächtigen, der in das Gefängnis nach Suhl gebracht worden sei.

Auch die beiden in Seefeld festgenommenen mutmaßlichen Komplizen des Sportmediziners bleiben nach Anagben der Staatsanwaltschaft Innsbruck vorerst in Haft. Bei ihnen seien die Vernehmungen noch nicht abgeschlossen. Bis Freitagvormittag muss über eine mögliche Verhängung der U-Haft entschieden werden. Wieder entlassen worden seien zwei österreichische und ein kasachischer Langläufer, die Eigenblutdoping gestanden hätten.

Blutdoping Bei Blutdoping wird Vollblut verabreicht oder spezielle Zubereitungen mit roten Blutkörperchen. Damit wird die Anzahl der roten Blutkörperchen erhöht, was die Sauerstoffkapazität steigert. Für die Eigenbluttransfusionen lässt sich der Sportler etwa einen Liter Blut abnehmen, dieser wird dann konserviert und tiefgekühlt gelagert. Weitere Möglichkeiten zur Manipulation von Blut und Blutbestandteilen sind laut Doping-Agentur NADA die Plasmaspende und Dialyse.

Insgesamt wurden in Erfurt und bei der nordischen Ski-WM in Seefeld (Österreich) neun Personen festgenommen, darunter auch der Vater des Mediziners. Das österreichische Bundeskriminalamt erklärte am Donnerstag, dass es von ihm vor Freitag keine weiteren Angaben zu dem Fall gebe. Es könne aber auch länger dauern, da es eine riesige Bandbreite an Sicherstellungen gebe, sagte ein Sprecher. Es müsse zunächst das umfangreiche Beweismaterial vorgesichtet werden. Außerdem müssten die Ermittler die ersten Vernehmungen der Beschuldigten auswerten. Es sei aber klar, "dass sicher noch andere Sportarten betroffen" sind, erklärte Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt.

Landessportbund Thüringen entzieht Arzt-Praxis Lizenz

Der Landessportbund Thüringen (LSB) entzog dem Sportmediziner am Donnerstag mit sofortiger Wirkung die Lizenz als "Sportmedizinische Untersuchungsstelle". Die Untersuchungsstellen führen in Thüringen die Feststellung der allgemeinen Sporttauglichkeit im Bereich der Landeskader D (Nachwuchstalente auf Landesebene) durch, sind aber nicht in die kontinuierliche sportmedizinische Betreuung von Spitzen- und Nachwuchssportlern eingebunden.

Reaktionen zwischen Sorge und Zufriedenheit

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) befürchtet nach der Verhaftung eine Rufschädigung für das Wintersportland Thüringen. Er bezeichnete den Dopingfall als "grandiosen Imageschaden für Thüringen und auch für den Thüringer Sport". An negative Folgen für den Tourismus glaubt die Landesregierung jedoch nicht. Wirtschaftsstaatssekretärin Valentina Kerst (SPD) sagte, sie sehe da "keine Auswirkungen". Der Zweckverband Thüringer Wintersportzentrum forderte, den Fall nicht überzubewerten. Ein Sprecher sagte, man sei auf saubere Sportler angewiesen. Doch man solle den Fall auch nicht erhöhen. Es wäre das falsche Signal, wegen einzelner, die gegen die Regeln spielten, Rückschlüsse auf den gesamten Thüringer Wintersport zu ziehen. Der Verband ist für die Rahmenbedingungen der Thüringer Spitzen- und Nachwuchssportler in sieben Olympischen Wintersportdisziplinen verantwortlich.

Der Deutsche Olympische Sportbund schloss nach seinem aktuellen Wissensstand aus, dass deutsche Kaderathleten in der Erfurter Praxis behandelt worden seien. Auch die deutschen Verbände für Skisport und Leichtathletik erklärten, dass es keine Zusammenarbeit gegeben habe. Der für Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) begrüßte die Festnahmen und Ermittlungen und sprach in Berlin von einem "schönen Erfolg beim Kampf gegen Doping".

Hinweis: Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Die Nachrichten | 28. Februar 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2019, 20:33 Uhr

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10 Kommentare

01.03.2019 16:23 Melissa 10

Ein Imageschaden....ernsthaft wegen EINEM Arzt, der sein Labor internationalen Sportärzten zwecks Doping zur Verfügung gestellt hat ? Ohne Ärzte, Sportmedizinier und Trainer privat oder des Verbandes bringt Doping keinem Sportler was.

01.03.2019 13:39 Wo ist das Lobbyregister? 9

@01.03.2019 08:02 Leistungssport

(Doping: Hier wurde wieder einmal ein Bauernopfer fällig . Ohne die österreichischen Ermittler wäre die Angelegenheit wieder erneut unter dem Tisch gefallen. Obwohl seit der Einheit nur von Dopingsündern im DDR Leistungssport gesprochen wird.)

Nein, wird es nicht - im Gegenteil. Und: Ein "Staat", der bereits Kinder organisiert und ohne deren Wissen pharmazeutisch präparieren lässt wie Vieh, weil er sich "internationales Prestige" davon verspricht, ist immer noch etwas GANZ ANDERES als die üblichen korrupten Geschäftemacher und Funktionäre im "Profi-Sport". Kein Biathlet ist gezwungen Biathlet zu sein und/oder zu bleiben, wenn er mit diesen Machenschaften konfrontiert wird. Wir sind hier nicht im Kindergarten: Wer das mitmacht, macht das MIT - und hängt auch mit.

Im übrigen: Sehen sie sich die typischen Vorstände eines Profi-Fussballvereins an und sie genau, worum es geht. Und worum ganz sicher nicht: Um Sport.

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