Erfurt Thüringer Automobilzulieferer setzen auf Brennstoffzellen

Etwa eine Million Elektroautos müssten in Deutschland schon fahren - so war es zumindest von der Bundesregierung geplant. Stattdessen sind es nur etwas über 300.000. Denn Elektroautos sind teuer und es gibt zu wenige Ladestationen und das "Tanken" kann Stunden dauern. Autos mit Brennstoffzellen sind zwar auch teuer, das Tanken aber dauert nur ein paar Minuten. Allerdings: Finden Sie mal eine Wasserstofftankstelle! Die Thüringer Automobilzulieferer sind trotzdem an der Technologie interessiert.

Thüringens Automobilzulieferer sind bereit für die Zukunft - und die heißt Wasserstoff in Brennstoffzellen. So der Tenor auf dem Branchentreffen am Mittwoch in Erfurt. 20 "Automotive"-Vertreter waren gekommen - 20 von immerhin 500 Unternehmen mit gut 5.000 Beschäftigten im Freistaat.

Die hiesigen Zulieferer sind an der Technologiewende hin zum batterieelektrischen Antrieb längst beteiligt. Doch der hat aus der Sicht vieler Unternehmer eben auch seine Schwächen: geringe Reichweite und eine lange Ladezeit. Schwächen, die auch die Durchschlagskraft bei den Verbrauchern verhindern. Aber auch technologisch ist der rein batterieelektrische Antrieb für viele maximal eine Übergangslösung, wenn nicht gar eine Einbahnstraße.

Wasserstoff schlägt Strom

Zum Beispiel für Hubert Singer. Er arbeitet als Chefentwickler für FEUER Powertrain in Nordhausen, einem Experten für Kurbelwellen.

E-Auto
Das E-Auto ist für die Thüringer allenfalls eine Zwischenlösung. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Damit stehen eigentlich konventionelle Verbrennungsmotoren im Fokus des Unternehmens, aber in der jüngsten Vergangenheit hat man sich hier auch mit E-Achsen beschäftigt. Darin sind Elektromotor, Getriebe, Leistungselektronik und Achse kompakt untergebracht. Das Projekt wurde aber wieder fallengelassen, weil es sich mangels Marktnachfrage nicht gerechnet hätte. Singer will nun einen Schritt weiter gehen. Die Brennstoffzelle in Verbindung mit Wasserstoff löst aus seiner Sicht so manches technologisches Zukunftsproblem. "Die reine E-Mobilität ist für mich keine hundertprozentige Lösung für die Umweltprobleme, die wir vor uns haben. Ich denke, dass Wasserstoff eine Alternative ist. Der hat ja den Riesenvorteil, dass man ihn speichern kann. Denn das kann ich momentan ja bei grünem Strom nicht." 

Brennstoffzellen ermöglichen nachhaltige Planung

Die Branche will nachhaltig planen. Mit Brennstoffzellen wäre das zu machen. Denn der Wasserstoff, der in den Brennstoffzellen verbrannt wird, lässt sich mit Strom aus erneuerbaren Energien herstellen. Damit ließen sich Probleme wie Speicherung von Überkapazitäten und Stromtransport über große Entfernungen lösen. Von der flächendeckenden Versorgung mit Wasserstoff ist Deutschland aber weit entfernt.

In Thüringen gibt es dafür nur eine Tankstelle. Die steht in Sonneberg, ist aber derzeit nur Firmenfahrzeugen vorbehalten. Der Aufbau eines bundesweites Leitungssystems würde Jahrzehnte dauern. Das gibt auch Wasserstoff-Experte Michael Singer von der Thüringer Energie AG zu. Auch sein Unternehmen sieht ein riesiges Potenzial im Wasserstoff, zumal die weltweiten Emissions-Richtlinien quasi keine Alternative zulassen. Ungeklärt ist aber noch, woher der benötigte Wasserstoff kommen soll. Bislang wird er noch aus Erdgas gewonnen. Will man aber eine möglichst grüne Produktionskette, dann kann das Gas nur durch Elektrolyse von Wasser mit Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Damit ließe sich Ökostrom auch gut speichern und transportieren. Doch noch fehlt die Infrastruktur im globalen Maßstab sowohl für die Herstellung als auch die Verteilung. Von den hohen Kosten mal abgesehen und einem geringen Wirkungsgrad von 70 Prozent, wenn mit Ökostrom Wasserstoff hergestellt wird.

Jetzt für die Zukunft planen

Auch die Brennstoffzellen selbst sind immer noch sehr teuer. Rico Chmelik vom Thüringer Branchenverband der Automobilzulieferer ficht das nicht an. Wie viele seiner Mitstreiter denkt er in längeren Zeiträumen. "Sicher, die Wasserstofftechnologie ist noch kostenintensiv. Aber wenn wir wissen, dass es in 10 oder 15 Jahren zu einer echten marktfähigen Alternative wird, dann sagen wir eben, wir kümmern uns jetzt darum und nicht erst in zehn Jahren. Denn dann sind die Züge abgefahren und die Messen gesungen."

Wie es grundsätzlich mit dem Thema weiter geht, hängt auch von der seit Monaten angekündigten Nationalen Wasserstoffstrategie des Bundes ab. Mit viel Glück ist die endlich da, wenn die Auto-Unternehmer im Herbst an der zweiten Wasserstoffkonferenz in Eisenach teilnehmen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 11. März 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Copper vor 36 Wochen

In meinen Augen die einzig logische Entwicklung. Die praktischen Nachteile, welche ein Elektroauto nun mal bringt und auch vorerst nicht weg-zu-wissenschaftlichen sind, überwiegen einfach gegenüber der Brennstoffzelle. Auch gibt es immer noch den wenig besprochenen Umweltaspekt bei der Altbatterieentsorgung bzw. dem wirtschaftlichen Totalschaden bei einer defekten Batterie. Bei der Brennstoffzelle muss nur noch der Weg sein, eine Gewinnung abseits vom Erdgas. Jedoch zeigt hier auch die engstirnige Politik, dass man lieber eingleisig fahren will und weiter nur auf Elektro setzt. Völlig absurd.

kleinerfrontkaempfer vor 36 Wochen

H2-Die bessere Alternative. Heute schon verhandeln andere Staaten mit Ländern Afrikas über die Installation von H2 Gewinnungsanlagen mit zugehörigen Solar/Windparks und nachfolgende Erzeugung und Lieferung. In Norwegen wird ein Netz zur H2 Versorgung aufgebaut. Hyundai kommt mit H2 LKW daher und hat schon den Fuß in der Tür. Im glückseeligen Doitschland hat die Autolobby den Kurs vorgegeben.
Dabei sind Tankstellen, Rohrleitungen Speicher schon vorhanden. Fehlt nur die Anpassung an H2. Und mit entsprechender Forschung und Massenproduktion wird es sicher auch preislich interessanter. Aber schick ist jetzt E Mobilität.

Thueringer Original vor 36 Wochen

Ich wünsche mir, dass die Wasserstofftankstellen deuschlandweit ausgebaut werden. Soweit ich weiß, war die in Thüringen erste Wasserstofftankstelle für das IV, Quartal 2019 geplant. Wir warten jedoch immernoch.

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