Bilanz nach einem Monat E-Scooter Schon 10.000 Fahrten mit Elektrorollern in Erfurt

Der schwedische Anbieter freut sich – die Polizei meckert. Genau ein Monat nach dem Start sind die E-Scooter in Erfurt sehr beliebt, aber es häufen sich die Fälle mit betrunkenen Fahrern. Thüringens Innenminister appelliert an die Nutzer.

von Leon Ginzel

Ein E-Scooter parkt auf dem Bürgersteig in Erfurt.
Strom alle oder der Nutzer wollte nicht mehr: Ein auf dem Gehweg abgestellter Elektroroller in Erfurt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass "die Neuen" im Erfurter Stadtbild in der Trendfarbe "Corall" gehalten sind, dürfte kein Zufall sein. Denn: die Elektro-Mietroller der schwedischen Firma "VOI" sollen genau das versprühen. Den visionären Hauch der Zukunft auf dem Weg von A nach B. Trendy, jung und schick. Das scheint zu funktionieren. Seit dem Start vor einem Monat wurden die Scooter in Erfurt nach MDR THÜRINGEN-Informationen schon 10.000 Mal gebucht. "Wir sind sehr zufrieden", freut sich Deutschland-VOI-Chef Claus Unterkirchner.

Wildwuchs beim Abstellen

150 Roller haben die Schweden in Erfurt verteilt. Das Mieten geht denkbar einfach: App installieren, Kreditkarten-Daten hinterlegen, E-Scooter über die App auswählen und dann losfahren. Die Grundgebühr liegt bei einem Euro, jede Minute kostet 15 Cent. Abstellen kann man die Roller, wo man möchte.

Und genau da fangen die Probleme an. "Im Dunkeln sieht man die Roller schlecht, wenn sie mitten auf dem Gehweg stehen. Außerdem blockieren sie teilweise enge Stellen für Fußgänger", sagt Judith Schnuphase von der Landespolizeiinspektion Erfurt. Der Wildwuchs beim Abstellen ist das eine. Das will die Stadt Erfurt zusammen mit dem Anbieter in Angriff nehmen. Die Rede ist von einem "Stellplatzkonzept". Aus Sicht der Polizei aber noch viel gefährlicher: der Faktor Alkohol.

Böses Ende mit Alkohol und ohne Helm

"Gerade nachts leihen sich viele die Roller mal eben schnell per App aus. Einige mit zu viel Alkohol im Blut. Bei 20 km/h und ohne Helm kann das böse ausgehen", sagt Schnuphase. Rund 30 Zwischenfälle mit Rollern haben die Beamten in Erfurt schon registriert. Die meisten wegen Alkohol am Steuer, zwanzig im straffälligen Bereich. Erst in der Nacht auf Sonntag gab es Tumulte bei der Alkohol-Kontrolle einer 22-Jährigen, weil ihre acht Begleiter verhindern wollten, dass die Polizei sie für einen Blutalkoholtest mitnimmt. Die Beamten mussten sich mit Pfefferspray wehren.

Zwei E-Scooter parkt neben Fahrrädern in Erfurt.
Zwei E-Scooter stehen am Erfurter Hauptbahnhof. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Was viele nicht wissen: es gelten die gleichen Promillegrenzen wie beim Fahren mit dem Auto oder Motorrad. Weil die Roller einen Motor haben", erinnert Schnuphase. Heißt: Ab 1,1 Promille ist das eine Straftat. Auch das Fahren zu zweit sei verboten und gefährlich. Aber: Unfälle gab es in Erfurt bisher noch nicht. Zumindest keine, bei denen die Polizei gerufen wurde. Die schweren Verletzungen eines 80-Jährigen E-Roller-Fahrers, der vergangenen Donnerstag in Stadtilm auf einer stark abschüssigen Straße in einer Kurve gestürzt ist, zeigen aber, wie schnell es gehen kann.

Seichter Appell von seiten der Politik

Was sagt die Politik dazu? Das Innenministerium verweist aufs geltende Regelwerk und sendet einen seichten Appell. "Die Rahmenbedingungen für die Nutzung des neuen Fortbewegungsmittels sind geschaffen. Das Ministerium kann nur dringend an die Nutzer appellieren, diese einzuhalten, damit ein rücksichtsvolles Nebeneinander der Verkehrsteilnehmer funktioniert", heißt es auf MDR THÜRINGEN Anfrage.

Auch "VOI" bleibt beim Thema Alkohol eher zurückhaltend. Beim Start der App zeige man den Nutzern die wichtigsten Warnhinweise. Außerdem versuche man die Nutzer so gut wie möglich zu sensibilisieren. Immerhin: die Schweden kündigen ein virtuelles Klassenzimmer an, in dem die Fahrer lernen können, wie man sich richtig und sicher in den Straßenverkehr neben Autos, Fußgängern und Radfahrern bewegt. Fraglich, wie viele Menschen das Angebot dann auch wirklich nutzen.

Selbstbewusst gibt sich "VOI" was der Blick in die Zukunft angeht. Das Feedback der Nutzer sei "durch die Bank positiv" und die Nachfrage werde im Laufe der Zeit erfahrungsgemäß noch zunehmen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 04. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. August 2019, 14:56 Uhr

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17 Kommentare

06.08.2019 11:04 B 17

@ 9 leise, schnell und bequem , na dann Vielen Dank dazu,
wenn man alt ist mit dem Rollador, Rollstuhl, Kinderwagen einige fahren mit dem Fahrrad auch auf dem Fußweg u s w . klasse hoffentl. würst du nicht alt , alte ja sehr schön, bis diese sich den Kopf eingerammt haben , klasse !! weiter so die ersten Toden waren ja bereits schon vorhanden !

06.08.2019 10:58 B 16

wunderbare Unfälle waren ja bis jetzt auch bereits zu verzeichnen und die Ärzte haben nicht umsonst davor gewahrnt, es kommen noch mehr davon , man hofft nur einem betrifft es nicht , mit diese Scheißdinger unverschuldet !!

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