Messen des Nährsalz-Gehalts in Topfpflanzen in einem Gewächshaus
Florian Peschl misst den Gehalt von Nährsalz in Topfpflanzen-Erde, die von Fachleuten Substrat genannt wird. Er möchte herausfinden, wie Petunien am besten anwachsen und gedeihen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Zierpflanzen als Wissenschaft Wie Forscher in Erfurt für gesunde Blumen sorgen

Wie werden Blumen widerstandfähig gemacht? Wie lassen sich Schädlinge vertreiben? Wie helfen Pilze gegen den Klimawandel? Pflanzenzüchter suchen nach Antworten auf diese Fragen. Seit Januar gibt es daher die Forschungsstelle für Gartenbauliche Kulturpflanzen in Erfurt. Dort wird nicht selbst gezüchtet, dafür aber umso mehr geforscht. Und zwar an den beliebten Petunien und Hortensien.

Messen des Nährsalz-Gehalts in Topfpflanzen in einem Gewächshaus
Florian Peschl misst den Gehalt von Nährsalz in Topfpflanzen-Erde, die von Fachleuten Substrat genannt wird. Er möchte herausfinden, wie Petunien am besten anwachsen und gedeihen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Wer ein Blütenmeer in den Gewächshäusern der Fachhochschule Erfurt in Kühnhausen erwartet, wird enttäuscht: Die Petunien sollen nicht blühen, sondern ihre Kraft für Wurzeln und Stecklinge einsetzen. Das Ziel der Forscher sind starke Mutterpflanzen, die ohne künstliche Pflanzenschutzmittel auskommen. Die Wissenschaftler erforschen unter anderem das Erbgut der Pflanzen: Warum kann sich die eine Petunie gegen Schädlinge wehren, die andere aber nicht? Die Antwort darauf liegt in den Genen - aber nicht nur.

Forschung für gesunde Blumen

Sie forschen, damit es auch in Zukunft schöne und gesunde Pflanzen auf Balkons und in Gärten gibt: Wissenschaftler der Fachhochschule Erfurt kümmern sich um hunderte Hortensien und Petunien. Wir waren bei Ihnen zu Gast.

Messen des Nährsalz-Gehalts in Topfpflanzen in einem Gewächshaus
Was brauchen kleine Petunien, damit sie sicher anwachsen und sich zu robusten Pflanzen entwickeln? Dieser und anderen Fragen geht die neue Forschungsstelle für Gartenbauliche Kulturpflanzen in Erfurt nach. Mitarbeiter Florian Peschl prüft mit einem Messgerät den Salzgehalt in der Topferde. Seine Kollegin Marina Beuke entfernt Ableger von den Petunien. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Messgerät misst Nährsalz-Gehalt in Erde von Topfpflanzen
Petunien und Hortensien sind Modellpflanzen für die Forschung, weil sich die Erkenntnisse daraus gut auf andere Gewächse übertragen lassen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Topfpflanzen in einem Gewächshaus
Die Fachhochschule hat mit der Forschungsstelle für Zierpflanzen ihre Gartenbaustudiengänge verstärkt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Arbeit im Labor mit Bakterienkulturen in Petrischalen
Auch in Labors wird dort geforscht. Perspektivisch soll der Standort in Erfurt-Kühnhausen jedoch an die Leipziger Straße umziehen. Dort liegt der eigentliche Außenstandort der Fachhochschule Erfurt mit der "grünen" Fakultät. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Messen des Nährsalz-Gehalts in Topfpflanzen in einem Gewächshaus
Was brauchen kleine Petunien, damit sie sicher anwachsen und sich zu robusten Pflanzen entwickeln? Dieser und anderen Fragen geht die neue Forschungsstelle für Gartenbauliche Kulturpflanzen in Erfurt nach. Mitarbeiter Florian Peschl prüft mit einem Messgerät den Salzgehalt in der Topferde. Seine Kollegin Marina Beuke entfernt Ableger von den Petunien. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Petunien mit Raubmilben in einem Gewächshaus
Auf diesen Petunien sind hungrige Nützlinge am Werk: Raubmilben gehen hier auf die Jagd. Sie haben es auf spezielle Schädlinge abgesehen, die Thripse. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Hortensien mit in Folie gehüllten Blüten in einem Gewächshaus
Die Tüten über den Blüten dieser Hortensien sollen eine Fremdbestäubung verhindern. Nur so wird die Sortenreinheit garantiert. Die Forscher können dann gezielt nach den Genen suchen, die für ballartige oder tellerförmige Blüten verantwortlich sind. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Zierpflanzen-Forschung am Außenstandort Kühnhausen der Fachhochschule Erfurt
Ende 2018 hatte das Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau seinen Standort in Erfurt geschlossen - ein herber Schlag für die Blumenstadt mit ihrer Gartenbautradition. In diese Lücke aber sprang die Fachhochschule Erfurt und baut seitdem die Forschungsstelle für Gartenbauliche Kulturpflanzen auf. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Foschung an Hortensien und Petunien

Petunien mit Raubmilben in einem Gewächshaus
Auf diesen Petunien tummeln sich Raubmilben. Sie sollen Schädlinge vertilgen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Petunien und Hortensien sind Modellpflanzen für die Forschung, weil sich die Erkenntnisse daraus gut auf andere Pflanzen übertragen lassen. Um möglichst unverfälschte Daten zu gewinnen, werden die ursprünglichen Wildformen der Petunie genutzt. In verschiedenen Versuchen wird ermittelt, wie die Pflanzen gegen Schädlinge unterstützt werden können. So helfen Raubmilben gegen kleine, geflügelte Schädlinge, die Thripse. Die Erfurter Forscher wollen den Pflanzenzüchtern möglichst viele Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Dazu zählen auch hungrige Nützlinge.

Die Pflanzen, die wir in Zukunft brauchen, müssen auf den Klimawandel vorbereitet sein.

Philipp Franken, wissenschaftlicher Leiter der Forschungsstelle für gartenbauliche Kulturpflanzen in Erfurt

Pilze gegen den Klimawandel

Das Thema Klimawandel ist in der Forschung allgegenwärtig. "Er ist nun mal da, also müssen wir reagieren", sagt der wissenschaftliche Leiter der Einrichtung, Philipp Franken.

Zierpflanzen-Forschung am Außenstandort Kühnhausen der Fachhochschule Erfurt
In der Forschungsstelle in Erfurt-Kühnhausen gibt es nicht nur Gewächshäuser, sondern auch Labore. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Das Ziel ist, Zier- und Nutzpflanzen widerstandsfähiger zu machen gegen Hitze und Trockenheit. Die Hoffnung ruht unter anderem auf winzigen Pilzen, die im Boden eine Verbindung mit Pflanzenwurzeln eingehen. "Mykorrhiza" nennt sich diese Form der Symbiose, die das Feinwurzelsystem einer Pflanze beeinflusst. Jetzt wird untersucht, welche Pilze genau helfen können, dass Zier- und Nutzpflanzen besser mit Trockenheit klar kommen. Sind sie ausfindig gemacht, stellen die Forscher ihre Erkenntnisse den Züchtern zur Verfügung.

Ökologischer Anbau auch bei Zierpflanzen

Im Geschäft mit Zierpflanzen wachsen die "Eltern" üblicherweise in Afrika oder Südamerika. Dort werden Stecklinge geerntet, nach Europa gebracht und dann erst aufgezogen und verkauft. Allerdings wachsen viel zu wenige dieser importierten Stecklinge an. Deshalb untersuchen die Erfurter Wissenschaftler die Zusammensetzung der Topferde. Sie wollen herausfinden, wie die Aufzucht der Mutterpflanzen und auch die Vermehrung erfolgreicher wird. Und zwar mit ökologischen Mitteln.

Hortensien mit in Folie gehüllten Blüten in einem Gewächshaus
Blick in ein Gewächshaus der Forschungseinrichtung mit Hortensien: Die Blüten der Zierpflanzen wurden in Tüten verpackt, um eine Fremdbestäubung zu verhindern. So sollen die Sorten unverfälscht bleiben und Kreuzungen vermieden werden. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Austausch mit anderen Forschern

Natürlich braucht Forschung auch Austausch. Im September wird es deshalb hier eine internationale Tagung geben, die sich mit dem Zierpflanzenbau befasst. Mehr als 100 Teilnehmer aus der ganzen Welt werden in Erfurt sein und auf der EUCARPIA ihre Erkenntnisse austauschen.

Die Forschungsstelle für Gartenbauliche Kulturpflanzen in Erfurt Seit Januar 2019 gibt es in Erfurt eine neue Einrichtung der Gartenbauwissenschaften: die Forschungsstelle für Gartenbauliche Kulturpflanzen (FGK). Sie gehört zur Fachhochschule Erfurt und arbeitet mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena zusammen. "Der Gartenbau gehört einfach zu Erfurt", sagt der Rektor der Fachhochschule, Volker Zerbe. Mit der Zierpflanzenforschung hat die Hochschule ihre Gartenbaustudiengänge verstärkt. Und Fördergelder gibt es auch, jährlich sind es mehr als drei Millionen Euro.

Neben dem "Grünen Campus" der Fachhochschule Erfurt an der Leipziger Straße gibt es auch noch ein Gelände an der Kühnhäuser Straße. Dort sitzen vier Forschergruppen. Sie sind aus dem inzwischen geschlossenen Erfurter Standort des Leibnitz-Instituts für Gemüse - und Zierpflanzenbau hervorgegangen.

Ziel ist es, diesen Außenstandort in Kühnhausen in den kommenden fünf Jahren als eigenes Institut an die Leipziger Straße zu verlegen - direkt an die Fachhochschule.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. August 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2019, 11:39 Uhr

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