Erfurt-Marbach Naturschützer: Moscheegegner missbrauchen Artenschutz

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) wirft den Gegnern der geplanten Moschee in Erfurt vor, den Schutz seltener Tierarten für ihre Zwecke zu missbrauchen. Naturschutz-Argumente zur Durchsetzung offensichtlich fremdenfeindlicher Interessen zu nutzen, lehne der BUND ab, sagte dessen Landesgeschäftsführer Burkhard Vogel. Der Verband sehe den geplanten Bau im Ortsteil Marbach nicht durch bedrohte Feldhamster gefährdet.

BUND: Standort schon vor Moscheeplänen Bauland

BUND-Landesgeschäftsführer Vogel sagte, der Standort sei schon als Bauland vorgesehen gewesen, bevor das umstrittene Projekt zur Diskussion gestanden habe. Umwelt- und Naturschutzbelange seien daher bereits durch die Behörden geprüft worden. "Gegen dieses Verfahren und dessen Ergebnis ist nichts einzuwenden", sagte Vogel. Es lägen keine Hinweise vor, dass dieses Verfahren nicht ordnungsgemäß umgesetzt wurde.

Moscheegegner gründen Hamsterschutzverein

Ein Feldhamster
Feldhamster sind auch in Thüringen selten geworden. Bildrechte: imago stock&people

Moschee-Gegner, darunter die AfD und die sogenannte "Initiative für ein friedliches Marbach", fordern, das Bauvorhaben zu stoppen, weil es auf dem Gelände in Erfurt-Marbach ein bundesweit bedeutendes Feldhamster-Vorkommen gebe. Der Nager sei vom Aussterben bedroht und müsse darum streng geschützt werden. Dazu haben die Moschee-Gegner sogar einen eigenen Naturschutzverein gegründet, der sich ausdrücklich dem Schutz des Feldhamsters verschrieben hat.

BUND: Areal zu klein für sinnvollen Hamsterschutz

Vogel dagegen erklärte, es sei zwar richtig, dass der Feldhamster vom Aussterben bedroht und deshalb streng geschützt sei. Auch ist das Thüringer Becken nach Angaben des Umweltministeriums eines der wenigen Gebiete, in denen diese Nager überhaupt noch leben. Der Raum Marbach ist demnach einer von etwa 30 Feldhamster-Schwerpunkten in Thüringen. Doch sei anzunehmen, dass der Einfluss des Moscheebaus auf die Hamsterpopulation in dem Gebiet "vergleichsweise gering", wenn überhaupt vorhanden sei, sagte Vogel. Das Areal ist nach seinen Worten kleiner als 0,5 Hektar. Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, aus naturschutzfachlicher Sicht mache es wenig Sinn, den Schutz des Feldhamsters auf eine Gemarkung isoliert zu betrachten.

Dutzende Widersprüche abgewiesen oder zurückgenommen

Moschee-Gegner versuchen seit Monaten, den Bau des islamischen Gotteshauses mit Einsprüchen zu verhindern. Wie das Landesverwaltungsamt MDR THÜRINGEN mitteilte, wurden mittlerweile zehn Widersprüche gegen den Neubau zurückgewiesen. Ein Großteil der insgesamt 33 Widersprüche sei von den Beschwerdeführern selbst zurückgenommen worden.

Drei Klagen gegen Moscheebau noch offen

Beim Verwaltungsgericht in Weimar sind zudem noch drei Klagen anhängig. Neben jener zu den Feldhamstern gibt es eine, die auf mögliche negative finanzielle Auswirkungen auf das dortige Gewerbegebiet verweist. Die dritte Klage wurde laut Gericht noch nicht begründet. Eine Sprecherin sagte MDR THÜRINGEN, Verhandlungstermine gebe es noch nicht. Es sei eher unwahrscheinlich, dass die Klagen noch in diesem Jahr verhandelt würden.

Ahmadiyya-Gemeinde will im kommenden Jahr bauen

Die Thüringer Ahmadiyya-Gemeinde will im Mai 2018 mit dem Bau ihrer Moschee beginnen. Auf dem Gelände in Marbach soll ein eingeschossiges Gebäude mit zwei Gebetsräumen, Büros und Sanitärräumen sowie einer Wohnung für den Iman entstehen. Die Moschee soll eine drei Meter hohe Kuppel und ein acht Meter hohes Zierminarett sowie ein begrüntes Dach bekommen. Die Gemeinde hat rund 70 Mitglieder.

Über dieses Thema berichtet MDR THÜRINGEN auch im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 14.06.2017 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2017, 14:54 Uhr

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50 Kommentare

16.06.2017 12:43 der_Silvio 50

@48 Mediator; worin sich die Gefahr birgt, habe ich bereits geschrieben.
Beantworte mir bitte die Frage, warum du konsequent ausblendest, daß in England, Frankreich und Deutschland die Zahl der islamisch motivierten Terroranschläge und -gefahr ausblendest und verharmlost.
Es steht für mich nicht in Frage, daß nicht alle Muslime dafür verantwortlich sind. Aber warum lassen diese es dann an einer klaren Positionierung gegen den Islamistischen Terror fehlen?
Hast du Belege für deine Prozentangaben (90% pro und 10% kontra) oder ist das Wunschdenken?
Worthülsen fallen auf beiden Seiten, und auf beiden Seiten geibt es Menschen, die diesen glauben.
Nun bin ich gespannt auf deine Antworten zu meinen Fragen...

16.06.2017 12:08 O-Perler (6. V.) 49

Wie kann "Artenschutz" "mißbraucht" werden? Der gewaltige Denkfehler ist schon in der Formulierung enthalten. Das entblößt aber die Primitivo-Rabulistik der einschlägigen Ideologen eindrucksvoll, noch dazu, weil mutmaßlich die eine Klientel von der anderen Klientel der Gutmenschen einfach voneinander absolut nichts wissen will - in beide Richtungen.

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