Investor springt ab Zukunft des Erfurter Stadtgartens ungewiss

Schon 1786 haben an dem Platz, wo heute der Erfurter Stadtgarten leer steht, Konzerte stattgefunden. Es ist ein traditionsreicher Ort für Kultur in der Thüringer Landeshauptstadt, mit dem viele Erfurter Erinnerungen verbinden. Nachdem nun auch der zweite potenzielle Betreiber abgesprungen ist, steht der Stadtgarten vor einer ungewissen Zukunft.

Der Stadtgarten im Dalbergsweg.
Der Erfurter Stadtgarten im Dalbergsweg Bildrechte: MDR / Stadtverwaltung Erfurt

Der Erfurter Stadtgarten wird bis auf Weiteres leer stehen. Wie die Stadt am Mittwoch mitteilte, sei mit der "Mawi Concert Konzertagentur GmbH" auch der letzte mögliche Investor abgesprungen. Grund für die Absage sei die lange Betriebsunterbrechung, die es wirtschaftlich unmöglich mache, das Objekt wie geplant zu entwickeln. Im Februar 2019 hatte sich bereits eine Erfurter Interessengruppe zurückgezogen.

Leerstand im Stadtgarten Erfurt seit Silvester 2018

Die letzte Konzert-Veranstaltung im Stadtgarten liegt schon mehr als 13 Monate zurück. Am 31. Dezember 2018 feierten die ehemaligen Betreiber zu Silvester den Abschluss einer kleinen Ära. Seit 2005 hatten Catharina Seeber und Jörg Pfistner den Stadtgarten mit einem alternativen Kulturprogramm bespielt. Metalkonzerte fanden hier genauso statt wie Hip-Hop-Partys, Tischtennisabende und Kinderballett. Zwischen ein und vier Veranstaltungen pro Woche belebten die Spielstätte im Dalbergsweg.

Ich denke, wir waren der Stadtverwaltung zu alternativ. Unser Verhältnis war zumindest sehr eisig.

Catharina Seeber

Kündigung wegen Fristüberschreitung

Nach zehn Jahren ließ die Stadt den Betreibervertrag mit Seeber und Pfistner auslaufen. Sehr zum Unmut der damaligen Betreiber, die eigentlich von einem Optionsrecht Gebrauch machen wollten, mit dem sie den Vertrag zweimal um je fünf Jahre verlängern konnten. 2015 war das. Doch die Frist verstrich um wenige Tage und das zuständige Amt zeigte sich hartherzig. Das Objekt Stadtgarten musste neu ausgeschrieben werden. Bis 2018 durften Seeber und Pfistner den Stadtgarten nur noch übergangsweise weiterbetreiben.

Ausschreibung für den Stadtgarten zu neuen Konditionen

Mit der Neuausschreibung sollte eine langfristige Lösung für den traditionsreichen Veranstaltungsort gefunden werden. Der neue Pachtvertrag war für 50 Jahre ausgeschrieben und der neue Investor musste sich - neben der jährlichen Pacht von etwa 70.000 Euro - zu umfangreichen Sanierungsarbeiten verpflichten. Vor einer Neueröffnung müsste eine große Summe in die technischen Anlagen und den Brandschutz investiert werden, erklärte die Stadt.

Die Erfurter Interessengruppe, zu der sich Una Concerts GmbH aus Erfurt, der jetzige Central-Betreiber Andreas Bretschneider und die Landstreicher Kulturproduktion GmbH aus Dresden zusammengeschlossen hatten, erhielt zunächst den Zuschlag. Sie plante einen Umbau für rund 1,2 Millionen Euro, stellte aber schnell fest, dass das nicht reichen würde. Die Mawi-Agentur ging sogar von mehr als zwei Millionen aus. Dass die Leipziger Konzertagentur nun gänzlich ihr Interesse verloren hat, hängt maßgeblich mit dem langen Leerstand zusammen.

Die ehemaligen Betreiber hatten sich gar nicht erst auf die Neuausschreibung beworben, weil die Stadt die Pacht fast verdoppelte. Es sei völlig absurd ein Kulturobjekt so zu bewerten, sagte Seeber MDR THÜRINGEN. Eine Sprecherin der Kulturdirektion begründete den gestiegenen Mietzins mit gesetzlichen Vorgaben.

Erfurter Kulturausschuss soll neue Ausschreibung beraten

Die Stadt steht nun wieder am Anfang. In den nächsten Wochen bereitet das Baudezernat eine Drucksache für den Kulturausschuss vor, der dann beraten muss, wie der Stadtgarten neu ausgeschrieben werden könnte. Wann und ob der Stadtgarten wiedereröffnet werden kann, ist derzeit vollkommen ungewiss.

Ich befürchte, dass der Stadtgarten jetzt einige Jahre leer stehen wird und die Stadt ohne Betreiber den Kulturbetrieb einstellt. Dann werden hier Mietwohnungen entstehen.

Catharina Seeber

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 12. Februar 2020 | 15:30 Uhr

4 Kommentare

meckersack vor 25 Wochen

Insolvenz in der Insolvenz nach 2 Jahren, ein Faschingsprinz der sich zum Ministerpräsidenten aufschwingt und jetzt die nächste Provinzposse aus Erfurt: Ohne geerbte Betriebsgenehmigung und einen gewissen Bestandsschutz auf das Gebäude ist der Stadtgarten völlig wertlos. Wer auch immer jetzt dort investieren soll, braucht sehr viel Geld welches er ins Gebäude stecken muss und vor allem aber braucht er eine Baugenehmigung für einen genehmigten Betrieb, als Konzertsaal mit Biergarten etc. Aber die wird er nicht bekommen, dass werden die Anwohner leicht zu verhindern wissen. Das ganze konnte im Rathaus natürlich vorher niemand wissen! Im Prinzip können sie nur noch das Grundstück an einen Immobilienhai verkaufen der dort teure Eigentumswohnungen drauf stellt. Die neuen Bewohner klagen dann gegen die alte Oper und den Biergarten vom Texas, man will ja schließlich seine Ruhe in der teuren neuen Stadtwohnung!

jochen1 vor 25 Wochen

Ein Investor springt ab ??
Ist denn die Gestaltung des Erfurter Stadtgartens nicht Angelegenheit der Stadtverwaltung ?
Was ist nur los in unserem Land, auf das "Investoren" einen Stadtgarten finanzieren sollen, während gewisse Stadtverwaltungen das Steuergeld der Bürger zweckentfremden und für Dinge aus dem Fenster werfen, die uns überhaupt nichts angehen ?

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 25 Wochen

Abriss !

Wer braucht die olle Hütte noch an dieser Stelle, wo doch gegenüber der „Presseclub“ residiert und wenige Schritte weiter ein „Kulturquartier“
neu etabliert werden soll...

....na gut, Stein für Stein abtragen und am Moskauer Platz
- anstelle des alten KuFZ - wieder neu aufbauen ! Schöner
unsere Städte und Gemeinden: mach‘ mit, Genosse ! ;-)

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