Eine Mauer aus Beton, Künstler und andere Menschen davor und dahinter.
Die Schlagzeuger Simon Lauer und Timo Schmeichel aus der Staatskapelle Weimar eröffneten am Samstag das Programm an der Mauer. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

30 Jahre Mauerfall Auch die Weimarer Mauer ist Geschichte

Eine Mauer teilte in den letzten 13 Tagen den Weimarer Theaterplatz. Und sie spaltete die Meinungen der Besucher. Unter dem Titel "Horizonte" stand das Kunstprojekt des Deutschen Nationaltheaters, das an den 30. Jahrestag des Mauerfalls erinnern sollte. Am Samstag wurde das Projekt beendet.

Autorenbild Grit Hasselmann
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

von Grit Hasselmann

Eine Mauer aus Beton, Künstler und andere Menschen davor und dahinter.
Die Schlagzeuger Simon Lauer und Timo Schmeichel aus der Staatskapelle Weimar eröffneten am Samstag das Programm an der Mauer. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Diesseits und jenseits der Weimarer Mauer standen die Schlagzeuger Simon Lauer und Timo Schmeichel aus der Staatskapelle Weimar am Samstag und spielten sich musikalisch quasi die Bälle zu. Es ging um den Abschluss der Installation "HORIZONTE. Ein Kunstprojekt zum Mauerfall 1989“ auf dem Theaterplatz.

13 Tage lang hatte eine Mauer aus 17 Beton-Winkelelementen vor dem Goethe-Schiller-Denkmal gestanden. Während der ganzen Zeit wurde sie von der Leipziger Künstlerin Christina Wildgrube bemalt. "Es war eine ganz schöne Herausforderung, 13 Tage lang vor einer solchen Mauer zu arbeiten", so die Malerin.

Christina Wildgrube bemalt eine Mauer in Weimar
Christina Wildgrube bemalte am Samstag noch immer die Mauer in Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Ganz fertig geworden ist das Bild noch nicht, das Wetter war einfach zu schlecht. Und die Fläche zu groß. Fast 20 Meter lang, über drei Meter hoch, sollte das Bauwerk an den Jahrestag des Mauerfalls erinnern. Und sie sollte die Menschen dazu bringen, über die Geschichte nicht nur nachzudenken, sondern auch zu reden. Und das taten sie auch. Nicht nur im Gästebuch, das neben der Mauer lag, auch im Gespräch mit der Künstlerin kamen extrem kontroverse Haltungen zur Sprache. Oberbürgermeister Peter Kleine fand das großartig, denn "wir müssen miteinander reden, damit so etwas nie wieder passiert".

Projekt hat sehr polarisiert

DNT-Intendant Hasko Weber hat vor allem ein großes Austauschbedürfnis der Besucher des Theaterplatzes wahrgenommen. Jeden Nachmittag gab es Veranstaltungen rund um die Mauer und jeden Tag kam das Ensemble des DNT mit den Menschen ins Gespräch. Vieles habe er da gehört, so Weber, das er mitnehmen will in seine Arbeit. Auch das Gästebuch wird in den nächsten Tagen aufbereitet.

Horizonte Die Mauer auf dem Theaterplatz in Weimar

Die Mauer besteht aus 17 einzelnen Betonelementen. Jeden Tag wird das Bild ein wenig wachsen und am Ende wird das gesamte Kunstwerk nur einen Tag zu sehen sein.

Auf dem Theaterplatz in Weimar stellt ein Kran Beton-Winkelelemente auf
Vorsichtig stellt der Kran die Elemente der Mauer nebeneinander. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Auf dem Theaterplatz in Weimar stellt ein Kran Beton-Winkelelemente auf
Vorsichtig stellt der Kran die Elemente der Mauer nebeneinander. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Auf dem Theaterplatz in Weimar stellt ein Kran Beton-Winkelelemente auf
Am Montag um elf Uhr standen schon die ersten drei Segmente. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Auf dem Theaterplatz in Weimar stellt ein Kran Beton-Winkelelemente auf
Bis zum 9. November ist Goethe und Schiller jetzt der Ausblick versperrt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Auf dem Theaterplatz in Weimar stellt ein Kran Beton-Winkelelemente auf
DNT-Intendant Hasko Weber (links) bedankt sich bei seinen Projektpartnern. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
In Weimar steht auf dem Theaterplatz eine Mauer. Kunstprojekt zum Tag des Mauerfalls.
Das Kunstwerk wächst von Tag zu Tag. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
In Weimar steht auf dem Theaterplatz eine Mauer. Kunstprojekt zum Tag des Mauerfalls.
Jeden Tag um 15 Uhr gibt es ein kleines Programm an der "Weimarer Mauer". Bildrechte: MDR/DNT Weimar
In Weimar steht auf dem Theaterplatz eine Mauer. Kunstprojekt zum Tag des Mauerfalls.
Die Rückseite wird nicht gestaltet. Auch die Graffiti-Sprayer der Stadt halten sich zurück. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
In Weimar steht auf dem Theaterplatz eine Mauer. Kunstprojekt zum Tag des Mauerfalls.
Abends wird das Projekt noch durch Leuchtschriften am Theater ergänzt. Bildrechte: MDR/DNT Weimar
Eine Mauer aus Beton, Künstler und andere Menschen davor und dahinter.
Das Gästebuch zeigt, wie unterschiedlich die Menschen dieses Projekt aufgenommen haben. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Eine Mauer aus Beton, Künstler und andere Menschen davor und dahinter.
Zum Abschluss des Projekts stimmten der Opernchor des DNT und Bariton Uwe Schenker-Primus "I've been looking for freedom". Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Eine Mauer aus Beton, Künstler und andere Menschen davor und dahinter.
Vor und hinter der Mauer trommelten die Schlagzeuger Simon Lauer und Timo Schmeichel aus der Staatskapelle Weimar gemeinsam. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
LKW stehen auf einem Platz
Am Montag wurde die Mauer schließlich wieder abgebaut. Alle 17 Teile haben neue Besitzer gefunden. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 28. Oktober 2019 | 16:11 Uhr

Alle Mauerteile sind "verkauft"

Natürlich kamen auch die Unterstützer des Projekts zu Wort. Der Weimarer Bauunternehmer Klaus Deininger hatte die Mauer errichtet und wird sie am Montag auch wieder abbauen. Dann werden die Einzelteile den Besitzer wechseln. Denn sie wurden gegen eine Spende von mindestens 500 Euro versteigert.

Eine Mauer aus Beton, Künstler und andere Menschen davor und dahinter.
Das Gästebuch zeigt, wie unterschiedlich die Menschen dieses Projekt aufgenommen haben. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Das Geld kommt der Bürgerstiftung Weimar zugute. Es soll vor allem in Demokratie- und Kunstprojekte für benachteiligte Kinder und Jugendliche fließen. Die Bürgerstiftung hat vor 15 Jahren schon den Kinder- und Jugendfonds gegründet, aus dem schnell und unbürokratisch für verschiedene Projekte und auch Notfälle Geld zur Verfügung gestellt werden kann.

Inzwischen sind schon alle Mauerteile verkauft. An Firmen aber auch Einzelpersonen. Die Brüder Deobald, Gastronomen aus Weimar, haben ein Teil erworben, weil sie die Bürgerstiftung bei ihren Jugendprojekten unterstützen wollen. Und, so Mark Deobald: "Die Mauer in den Köpfen ist noch allgegenwärtig. Die muss weg und dieses Projekt hilft dabei."

Rudolf Keßner will sich "seinen" Mauerteil auf keinen Fall in den Garten stellen. "Ich habe mein Leben lang für den Abbau von Mauern gekämpft. Diese Spende war nochmal ein Symbol dafür. Dieses Ding muss weg."

Lebendige Geschichte

Insgesamt sind 9.555 Euro zusammengekommen. Bis zum Frühjahr werden die Mauerteile an verschiedenen Orten in der Stadt noch öffentlich zugänglich sein. Beispielsweise werden welche vor dem Weimarer Schloss aufgestellt. Und als der Opernchor des DNT und Bariton Uwe Schenker-Primus "I've been looking for freedom" anstimmten, war ein Stück Geschichte auf dem Weimarer Theaterplatz lebendig geworden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. November 2019, 18:24 Uhr

2 Kommentare

martin vor 3 Wochen

Sie haben völlig Recht, wenn Sie schreiben: "Es gibt noch genügend Mauern in den Köpfen der Leute." - aber genau deshalb finde ich derartige Aktionen gut. Ich denke es ist gut, wenn man sie sich bewusst macht / wenn sie einem bewusst gemacht werden.

Und wenn die Menschen mit ganz unterschiedlichen Meinung darüber friedlich ins Gespräch kommen, dann finde ich das nicht nur gelungen sondern klasse.

In meinen Augen war die Aktion ein toller Erfolg.

Matthias Frebel vor 3 Wochen

Die Mauer vor dem Nationaltheater in Weimar ist einfach geschmacklos. Muss man das Goethe und Schiller antun? Diesen Anblick haben sie wirklich nicht verdient! Die Touristen scheint es zu amüsieren. Es gibt noch genügend Mauern in den Köpfen der Leute, also nicht noch künstlich fördern. Deshalb finde ich diese Aktion voll daneben.

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