Ahmadiyya-Gemeinde Details zu Moschee-Projekt in Erfurt bekannt gegeben

Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde hat Einzelheiten zu ihrem geplanten Moschee-Neubau in Erfurt-Marbach bekannt gegeben. Gemeindevertreter erklärten am Freitag in Erfurt, die Moschee solle auf einem 1.800 Quadratmeter großen Grundstück in einem Gewerbegebiet an der Bundesstraße 4 entstehen. "Nachbarn" wären die Erfurter Feuerwehr, das Technische Hilfswerk und die Dekra. Das Grundstück will die Gemeinde von der Landesentwicklungsgesellschaft kaufen. Der Gebetsraum soll Platz für 70 Gläubige bieten, die Moschee soll so groß werden wie ein Zweifamilienhaus. Auch ist ein Minarett geplant, das elf Meter hoch werden soll. Die Baukosten schätzt die Gemeinde auf 450.000 Euro.

 Entwurf für die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Erfurt-Marbach
Entwurf für die Moschee der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Erfurt-Marbach Bildrechte: Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland

Die Gemeinde hat für den Neubau eine Bauvoranfrage bei der Stadtverwaltung gestellt. Sollte das Projekt umgesetzt werden, wäre es der erste Moschee-Neubau in Thüringen. Die Ahmadiyya-Gemeinschaft, die von anderen islamischen Strömungen wegen unterschiedlicher religiöser Auffassungen abgelehnt wird, hat in Thüringen schätzungsweise 70 bis 100 Mitglieder. Bislang verfügt sie über keine eigenen Gebetsräume. In Chemnitz hatte die Stadt kürzlich einen Bauvorantrag für eine Ahmadiyya-Moschee abgelehnt. Dort will die Stadt das Grundstück für den Wohnungsbau nutzen.

Stadt will keine eigenen Info-Veranstaltungen anbieten

Unterdessen hat es Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein abgelehnt, dass die Stadt Informationsveranstaltungen zum geplanten Moscheebau in Marbach anbietet. Diesen Wunsch hatte die parteilose Ortsteilbürgermeisterin Katrin Böhlke nach Bekanntwerden des Bauvorhabens geäußert. SPD-Oberbürgermeister Bausewein sagte, es sei nicht Aufgabe der Stadt, sondern der Gemeinde, die Menschen vor Ort zu informieren. Bausewein sprach sich für öffentliche Veranstaltungen aus, bei denen die Einwohner Fragen zum geplanten Moschee-Neubau stellen könnten. Der Oberbürgermeister verwies zudem darauf, dass die Errichtung von religiösen Gebäuden rechtlich privilegiert sei - egal, ob es sich dabei um Kirchen, Synagogen oder Moscheen handele.

Ortsteilbürgermeisterin Katrin Böhlke forderte am Freitag einen offenen und sachlichen Dialog über das Projekt. Böhlke geht davon aus, dass derzeit eine Mehrheit der Marbacher gegen den Moscheeneubau ist.

Anwohner fürchten Wertverlust und Proteste

Vor dem Raum der Pressekonferenz machten einige Anwohner ihrem Unmut Luft. Sie fürchten um den Wert ihrer Immobilien, obwohl sich in unmittelbarer Nähe keine Wohnbauten befinden. Dies habe "nichts mit Ängsten zu tun, sondern mit Misstrauen", sagte eine ältere Frau.

Muezzin soll nicht nach außen rufen

Der Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde, Abdullah Uwe Wagishauser, zeigte Verständnis für die Vorbehalte. "Es ist so, als würden sie ein Kernkraftwerk oder ein Gefängnis bauen wollen", sagte Wagishauser. Er sicherte zu, das Projekt auf einer Bürgerversammlung vorzustellen. Wagishaser versicherte zudem, der Muezzin solle den Gebetsruf nur innerhalb des Gebäudes verkünden und nicht auf dem Minarett. Zudem solle er den Ruf nicht über eine Lautsprecheranlage verkünden. Der Ruf würde deswegen nur innerhalb des Gebäudes zu hören sein.

Es ist so, als würden sie ein Kernkraftwerk oder ein Gefängnis bauen wollen

Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorsitzende der Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland

Landtags-AfD lehnt Moschee-Neubau ab

Die AfD-Fraktion im Thüringer Landtag hat sich am Freitag vehement gegen den Neubau der Moschee in Erfurt-Marbach ausgesprochen. Fraktionschef Björn Höcke erklärte, die AfD wolle Bürgerinitiativen unterstützen, die den Bau auf rechtsstaatliche Weise verhindern wollen. Höcke zufolge haben die AfD-Abgeordneten Corinna Herold und Stefan Möller am Donnerstag mit Wagishauser und dem Erfurter Ahmadiyya-Vertreter Mohammad Suleman Malik gesprochen.

Herold erklärte dazu, trotz der höflichen und sachlichen Atmosphäre gehe sie sehr skeptisch aus diesem Gespräch. Die Landtagsabgeordnete verwies darauf, dass in der Moschee zwei getrennte Gebetsräume entstehen sollen. Dies könne nicht im Sinne der Gleichberechtigung der Geschlechter sein. Möller, sagte, er sei sich ganz sicher, dass die Mehrheit der Marbacher gegen den Moscheebau ist, auch wenn er das nicht empirisch belegen könne. Seine Partei störten vor allem die "fremdländische Architektur" mit Kuppel und Minarett sowie der vorgesehene Bauort, in dessen Nähe kaum Muslime lebten.

Zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2016, 20:26 Uhr

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28 Kommentare

14.05.2016 17:51 Werner Leiss 28

Und morgen protestieren Vegetarier, weil ein Fleischer eröffnen will... Deutschland ist ein freies Land: Hier kann jeder bauen und machen was er will, so lange er sich an Gesetze hält. Wer da pauschal und vorab diskriminiert und spaltet, der ist kriminell und intolerant.

14.05.2016 12:24 Denken hilft 27

zu 'Moschee vs. Thürnigenpark? Ach so...' (17): Mi mi mi mi mi - um meine Antwort so strukturiert wie möglich zu formulieren.

Der Bau einer Kirche sollte genauso pauschal abgelehnt werden - um die Christianisierung des Modernismus abzuwenden. Es gibt keine demokratisch legitime Mehrheit gegen den Bau und wird es auch nicht geben - da können die wenigen Eigenheimbesitzer, Immobilienmakler und Ausländerfeinde noch so laut und ketzerisch die offene Gesellschaft verhöhnen.

Es ist eine Scheindebatte, in der es doch um die Chance auf echte kulturelle Integration geht. Wir haben alle einen anderen kulturellen Hintergrund und würden uns entwurzelt fühlen, wenn wir diesen nicht in unserem Leben repräsentiert fänden. Muslimische Mitbürger bauen aus einenen Mitteln eine Moschee - daran muß ganz Thüringen unmittelbar zugrunde gehen.