Anhörung im Petitionsausschuss Moscheebau-Gegner schlagen Kompromiss vor

So viel Publikum wie am Dienstagnachmittag gibt es selten bei einer Anhörung des Petitionsausschusses im Thüringer Landtag: Vor voller Besuchertribüne haben die Gegner des Moscheeneubaus in Erfurt-Marbach ihr Anliegen vorgebracht.

Petenten mit Kompromissvorschlag

Im Plenarsaal des Thüringer Landtags sitzen mehrere Menschen an Tischen und im Zuschauerraum
Der Petitionsausschuss im Thüringer Landtag bei der Anhörung zum Moscheeneubau im Plenarsaal Bildrechte: MDR / Wolfgang Hentschel

Der Einreicher der Petition, der nach eigenen Angaben aus dem Erfurter Ortsteil Marbach stammt, begründete seine Position vor dem Ausschuss unter anderem damit, dass die Ahmadiyya-Gemeinde, die die Moschee bauen will, erzkonservativ sei.

Doch die Gegner des Moscheebaus haben während der Anhörung auch einen Kompromissvorschlag gemacht. Wenn die Ahmadiyya-Gemeinde im Erfurter Ortsteil Marbach schon ein islamisches Gotteshaus bauen wolle, dann solle das wenigstens ohne Minarett und Kuppel auskommen, sagte der Einreicher einer Petition. Das sei ein "Vorschlag zur Güte". "Warum soll den Ortseingang von Marbach eine Moschee mit Minarett und Kuppel zieren?" Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde lebten immerhin gar nicht selbst in Erfurt-Marbach, so der Petent.

AfD-Anwalt äußert Sicherheitsbedenken

Eine Zeichnung der neuen Außenansicht der geplanten Moschee in Erfurt-Marbach mit einem niedrigeren Zierminarett.
Kompromissvorschlag der Moscheebau-Gegner: Keine Kuppel und kein Minarett Bildrechte: Ahmadiyya Muslim Jamaat Erfurt

Der Verfasser der Petition, Rechtsanwalt Gregor Heiland, der aus dem AfD-Umfeld stammt, äußerte im Anschluss sicherheitspolitische Bedenken hinsichtlich des Moscheebaus. Außerdem passe die Moschee nicht ins Umfeld.

Nach den Petenten mussten auch Vertreter der Landesregierung vor dem Petitionsausschuss Stellung zum Moscheeneubau-Projekt nehmen. Ein Ergebnis gibt es am Dienstag noch nicht, zuerst wird der Sachverhalt in den beteiligten Ausschüssen diskutiert.

Im Herbst vergangenen Jahres hatten Gegner des Moscheebaus eine Petition auf den Weg gebracht. Dafür sammelten Sie 1.549 Unterschriften in der Bevölkerung - 49 mehr als nötig gewesen wären. Ziel der Petition ist, dass der Landtag ein Gesetz erlässt, das den Bau von religiösen Gebäuden wie Moscheen regelt. Das soll sicherstellen, dass durch sakrale Bauten nicht die öffentliche Sicherheit gefährdet wird und die Rechte von Anliegern nicht beeinträchtigt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - das Radio | Fazit | 24.01.2017 | ab 18:00 Uhr
MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24.01.2017 | ab 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2017, 20:45 Uhr

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22 Kommentare

26.01.2017 13:34 martin 22

@21 eulenspiegel: Es ist leider so, dass es einige Menschen gibt, die verlangen, dass sich die Realität an ihre Vorstellungen anzupassen hat. Und die sich einreden, dass sie die Mehrheit der Bevölkerung darstellen und somit die Legitimation hätten, das Recht an ihre rechten Vorstellungen anzupassen.

25.01.2017 18:32 Eulenspiegel 21

Hier geht es um eine nicht christliche Religionsgemeinschaft die seit 100 Jahren in Europa beheimatet ist. Da gibt es doch tatsächlich Leute die wollen das Grundgesetz und das Baugesetz ändern nur damit diese Religionsgemeinschaft ihr Gotteshaus nicht nach ihren eigenen Vorstellungen bauen darf. Am liebsten würden sie diese Religionsgemeinschaft ganz aus ihrem Land verjagen. Ich glaube da brauchen einige Leute dringend Nachhilfeunterricht in Sachen Grundgesetz.