Ahmadiyya-Gemeinde Muslime planen Moschee-Neubau in Erfurt

In Erfurt planen gemäßigte Muslime den ersten Moschee-Neubau in Thüringen. Gemeindesprecher Mohammad Suleman Malik sagte MDR THÜRINGEN, es sei ein Neubau mit Minarett und Kuppel am Ortsrand von Erfurt-Marbach geplant. Ein Bauvorantrag sei eingereicht und es habe bereits Gespräche mit dem Gemeinderat gegeben. Details zu dem Bauvorhaben will die Gemeinde am Freitag vorstellen.

Malik sagte, für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit, einen eigenen Raum zum Beten zu haben. Die Erfurter Moschee solle aber auch ein Raum der Begegnung und des Dialogs werden. Die Gemeinde wolle damit Gesicht zeigen. Auch die "Thüringer Allgemeine" hat über den Moschee-Neubau berichtet. Die Thüringer Landesregierung steht den Plänen demnach offen gegenüber. Malik sagte der Zeitung, bisher gebe es in Thüringen noch keine Moschee, die auch so aussieht. Das solle sich ändern.

Der geplante Moschee-Neubau beschäftigt bereits den Erfurter Ortsteil. Ortsteilbürgermeisterin Katrin Böhlke (parteilos) forderte, die Marbacher frühzeitig in das Bauvorhaben einzubeziehen. Sie sagte MDR THÜRINGEN, sie wünsche sich, dass die Stadt Erfurt eine Bürgerversammlung veranstaltet, um einen sachlichen, offenen Dialog zu beginnen. Böhlke wurde eigenen Angaben zufolge Ende April von der Ahmadiyya-Gemeinde über das Bauvorhaben informiert. Sie habe daraufhin den Ortsteilrat und die Vereine einbezogen.

Ein Mann kniet in einer Moschee beim Gebet
Ein Mann beim Gebet. Bildrechte: dpa

Die muslimische Gemeinde hat nach eigenen Angaben etwa 70 Mitglieder im Raum Erfurt und muss bisher Räume anmieten. Die Ahmadiyya-Gemeinde ist in Indien entstanden und versteht sich selbst als Reformgemeinde. Sie ist die erste muslimische Gemeinschaft, die den christlichen Kirchen rechtlich gleichgestellt worden ist.

Bei Vertretern christlicher und jüdischer Religionsgemeinschaften sowie bei der Landesregierung stieß der geplante Moschee-Bau auf ein positives Echo:

Charlotte Weber, Referatsleiterin Ökumene im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland:

Die evangelische Kirche in Mitteldeutschland setzt sich für Religionsfreiheit aller Menschen ein. Dazu gehört auch die Möglichkeit, sich in angemessenen Räumen zu Gottesdienst und Gebet zu versammeln.

Hubertus Staudacher, Islambeauftragter des Bistums Erfurt:

Es ist das Recht jeder Religionsgemeinschaft, Räume einzurichten, um ihrem Gott zu huldigen. Das ist auch wichtig für Religionsgemeinschaften, weil sie damit Flagge zeigen und ein Zeichen setzen, dass sie vor Ort angekommen sind.

Günter Kolodziej, Sprecher der Landesregierung:

Wir (die Landesregierung) begrüßen das Vorhaben der Ahmadiyyah-Gemeinde. Moscheen sind wie Kirchen Orte gelebter Religion. Moscheen bereichern die religiöse Landschaft und sind sichtbarer Ausdruck von Glaubensvielfalt.

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Thüringen:

Ich sehe das (den geplanten Neubau) positiv. Dies kann die recht gute Zusammenarbeit zwischen den Religionsgemeinschaften in Thüringen noch weiter vertiefen.

Zuletzt aktualisiert: 11. Mai 2016, 22:05 Uhr

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266 Kommentare

15.05.2016 16:48 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 266

"Da ich hier einen meiner Kommentare vermisse, (wohl vom MDR nicht veröffentlicht, warum auch immer) muss ich =gemäßigter= anführen" ... die Redaktion als 'Mäßiger von Radikalen'!! Sehr gut! Weiter so!! =)

15.05.2016 16:46 Kritischer Bürger 265

@Krause - "ich bin ...-261: Nicht der Moscheebau selbst, sondern die Errichtung eines Gebäudes was sich der Umgebung anzupassen hat = also im Sinne eines Teiles des Artikels => +... Details zu Moschee-Projekt in Erfurt bekannt gegeben...+<= ein Zweifamilienhaus nicht nur der Größe nach sondern auch der Äußerlichkeit entsprechend, somit es auch wie ein Zwei-Familien-Haus auszusehen hat. ** +...Die Gemeinde wolle damit Gesicht zeigen. ...+ mit dieser Moschee oder soll es mehr werden? Nicht nur Gesicht zeigen sondern Anspruchsdenken nachsetzen/ggf. erheben, ob nun gegen das Christentum oder jeder anderen hier schon tätigen Religion! Religionsfreiheit ist auch in einem Zweifamilienhaus gewährt, da bedarf es keiner Moschee.