Corona-Pandemie Nothilfegruppe in Straußfurt ist gut gerüstet

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Als Dirk Barthel zum ersten Treffen der Straußfurter Corona-Nothilfegruppe lud, kamen nicht nur der Bürgermeister und der Pfarrer, sondern auch das Jugendparlament und der Seniorenbeirat. Sozialministerin Heike Werner machte auf ihrer "Dankeschön-Tour" bei der Nothilfegruppe Station und das Jugendparlament der Stadt hat schon wieder neue Ideen.

Ministerin Heike Werner fragt Dirk Barthel vom Gemeinderat über die Aktionen in Straußfurt aus
Thüringens Sozialministerin Heike Werner (2.v.l.) war kürzlich in Straußfurt und hat sich mit Dirk Barthel (2.v.r.) und seinen Mitstreitern getroffen. Bildrechte: MDR/Volker Hielscher/TMASGFF

Im Frühjahr während der ersten Corona-Welle haben sie sich überall in Thüringen und ganz Deutschland gegründet: Nachbarschaftshilfe-Gruppen. Eine davon hatte sich damals auch in Straußfurt sehr schnell zusammengefunden. Das Besondere war hier die ungewöhnliche Zusammensetzung. Denn als der stellvertretende Bürgermeister Dirk Barthel zum ersten Treffen lud, kamen nicht nur der Bürgermeister und der Pfarrer, sondern auch das Jugendparlament und der Seniorenbeirat. Und das ganze Projekt wurde damals so penibel geplant und umgesetzt, dass es jetzt nicht schwer ist, auf die neuen Einschränkungen im Landkreis Sömmerda zu reagieren.

Ideen sind nur so gesprudelt

Als erster Schritt wurde eine telefonische Hotline eingerichtet, Masken und Handschuhe wurden angeschafft und die ersten Verbindungen geknüpft, beispielsweise zu Supermärkten. Innerhalb kürzester Zeit kamen ganz viele Hilfsangebote aus dem Ort zusammen - vom Einkaufen über die Gartenarbeit, von Fahrten zum Arzt bis zu Gesprächsangeboten. Die Straußfurter Nothilfegruppe hatte dieses Engagement als logische Reaktion auf die Krise betrachtet. Umso erstaunter war man dann, als sich Sozialministerin Heike Werner Anfang des Monats ankündigte.

Straußfurt war Station der "Dankeschön-Tour"

"Viele Menschen haben mit Kreativität, Tatendrang und Improvisationstalent dazu beigetragen, besonders die schwierige Zeit am Anfang der Krise zu bewältigen", hieß es aus dem Ministerium. Um all diese Einrichtungen, Institutionen, Unternehmen und privaten Initiativen zu würdigen, tourte Gesundheitsministerin Heike Werner in den letzten Wochen durch die Landkreise und kreisfreien Städte Thüringens um "Danke" zu sagen. Heike Werner: "Die Institutionen und Einrichtungen der Tour stehen stellvertretend für alle großen und kleinen Helferinnen und Helfer in dieser ungewöhnlichen Zeit. Sie sind das Rückgrat einer solidarischen Gesellschaft."

Demokratie lebt vom Mitmachen

Und dazu gehören auch Jugendliche, die sich für den Ort einsetzen, in dem sie leben, Jugendliche, die nicht einfach die Dinge so hinnehmen wollen, wie sie sind. In Straußfurt finden die sich im Jugendparlament. 13 Mitglieder hat es derzeit. "Das ist gar nicht so schlecht für einen Ort mit etwas über 2.000 Einwohnern", schmunzelt Helene Prochaska. Die Gymnasiastin findet es selbstverständlich, sich einzubringen. "Beispielsweise haben wir unseren Fußgängertunnel gesäubert, wir wollen ja auch, dass es hier schön ist." Und Dirk Barthel ergänzt: "Wenn Jugendliche etwas selber machen, machen sie es ja auch nicht kaputt, deshalb ist es wichtig, sie einzubeziehen". Er ist stellvertretender Bürgermeister und im Hauptberuf Polizist.

Die Zusammenarbeit sorgt auch dafür, dass die Generationen mehr Verständnis füreinander aufbringen. Und je besser man sich kennenlernt, umso weniger muss man auf Vorurteile zurückgreifen. "Ich finde es nämlich schlimm, dass die Menschen oft so in Schubladen denken und alle über einen Kamm scheren", sagt Friedrich Starroske. "Es gibt mindestens genauso viele Jugendliche, die etwas voranbringen wollen wie solche, die auf nichts Lust haben."

Friedrich Starroske und Helene Prochaska vom Jugendparlament Straußfurt.
Friedrich Starroske und Helene Prochaska sind zwei von 13 Mitgliedern des Jugendparlaments in Straußfurt. Bildrechte: MDR

Momentan grübeln sie in Straußfurt an einem neuen Projekt, das jungen und älteren Menschen wichtig ist: der Ortsteil Henschleben ist quasi von der Umwelt abgeschnitten, einmal am Tag fährt ein Bus. Und - es gibt nicht einmal Radweg. Dabei würde es das Leben hier für die Jugendlichen deutlich attraktiver machen, wenn sich das ändern könnte. Und weil sie den Gemeinderat schon aus der Nothilfegruppe kennen, wird es nicht lange dauern, bis auch hier in Straußfurt eine Lösung gefunden wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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