Landkreis Gotha Auf Schloss Reinhardsbrunn lasten Millionenschulden

Die Rettung von Schloss Reinhardsbrunn im Landkreis Gotha könnte deutlich teurer werden als bisher bekannt. Nach Zeitungsberichten ist die historische Immobilie mit rund zehn Millionen Euro Schulden belastet. Demnach sind auf das Schloss bei Friedrichroda mehrere Zwangshypotheken in Millionenhöhe eingetragen. Der Landkreis Gotha teilte MDR THÜRINGEN mit, dass man diese Zahl weder bestätige noch dementiere. Klar sei nur, dass es Schulden auf das Gebäude gebe.

Schloss Reinhardsbrunn hinter verschlossenen Toren
Um Schloss Reinhardsbrunn zu retten, müssten auch Schulden beglichen werden. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Der Besitzer des vom Verfall bedrohten Schlosses ist ein Unternehmen mit Firmensitz im mittelamerikanischen Belize. Die Forderung der Denkmalpflegebehörden nach einer Notsicherung hatte die Firma vergangene Woche verstreichen lassen. Nun will der Landkreis notwendige Arbeiten, wie zum Beispiel die Reparatur undichter Stellen am Dach, selbst in Auftrag gegeben. Die Kosten in Höhe von etwa 20.000 Euro will man dem Eigentümer nachträglich in Rechnung stellen. Thüringen hatte angeboten, die Summe zunächst vorzustrecken. Sollte es tatsächlich zu einer Enteignung kommen, weil der Besitzer Reinhardsbrunn verfallen lässt, müssten Landkreis und Land die Schulden und Hypotheken am Schloss übernehmen.

Das im Jahr 1827 gebaute Schloss steht seit Jahren leer und verfällt. Nach der Wende war es von der Treuhandanstalt an ein Unternehmen aus Weimar verkauft worden. Im Jahr 2008 wurde dieses Unternehmen veräußert. Damit wechselte auch die Schlossanlage den Besitzer. Im Zusammenhang mit dem Verkauf des Schlosses an den jetzigen Eigentümer wird wegen Verdachts der Geldwäsche ermittelt. MDR THÜRINGEN hatte vor anderthalb Jahren die Bemühungen der Staatsanwaltschaft Erfurt gegen drei Beschuldigte öffentlich gemacht. Sie stehen im Verdacht, bei dem Geschäft Geld in Millionenhöhe gewaschen zu haben.

Stichwort: Schloss Reinhardsbrunn Das Schloss in seiner heutigen Gestalt wurde erst 1827 errichtet, allerdings an einem historisch bedeutsamen Ort. Bereits 1085 wurde in Reinhardsbrunn ein Kloster gegründet, das als Grablege der Landgrafen von Thüringen diente. In den Mauern wurde Ludwig IV., der Ehemann der Heiligen Elisabeth, bestattet. Außerdem traf sich dort der europäische Hochadel. Ab dem 13. Jahrhundert verlor das Kloster allmählich an Bedeutung. 1525 wurde es schließlich während des Bauernkrieges geplündert und zerstört. 1601 wurde auf den Ruinen ein herzogliches Amtshaus errichtet, das in den Folgejahren mehrfach erweitert wurde.

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2013, 19:29 Uhr

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2 Kommentare

23.01.2013 07:21 Thomas Völker 2

Aus welchem Grund sollte es verpflichtend sein, die auferlegten Schulden zu übernehmen? Hier wäre doch ein Schuldenmoratorium angemessen, die Überprüfung und ggf. Löschung der Ansprüche, bzw. die Belassung der Schulden beim jetzigen Eigentümer, der für die Situation zuständig ist!

22.01.2013 22:52 Stichling 1

Ich hatte das Glück, zweimal im Schloss Reinhardsbrunn Urlaub machen zu dürfen und zehre noch immer von den Erinnerungen. Das traurigste an der Misere ist, dass deutsches Kulturgut in das Ausland verscherbelt
wird. Deutschland pumpt Milliarden in den EURO-Rettungschirm,ist
jedoch nicht in der Lage, das eigene Tafelsilber zu erhalten.
Armes reiches Deutschland