Mit Brettern an Fenstern und Türen will man Schloss Reinhardsbrunn vor dem Verfall und Vandalismus schützen
Bildrechte: MDR/Björn Pollok

Gutachten Schloss Reinhardsbrunn kann enteignet werden

Die Schlossanlage Reinhardsbrunn droht seit Jahren zu zerfallen. Das Land ordnete mehrere Notsicherungen an. Jetzt sagt ein Rechtsgutachten: Eine Enteignung aus Denkmalschutzgründen ist möglich.

Mit Brettern an Fenstern und Türen will man Schloss Reinhardsbrunn vor dem Verfall und Vandalismus schützen
Bildrechte: MDR/Björn Pollok

Eine Enteignung von Schloss Reinhardsbrunn im Kreis Gotha aus Denkmalschutzgründen ist offenbar möglich. Zu diesem Schluss kommt nach Informationen von MDR THÜRINGEN ein Gutachten der Universität Jena. Durch die Enteignung könne der weitere Verfall des bedeutenden Thüringer Kulturdenkmals verhindert werden, heißt es.

Die Staatskanzlei hatte den Jenaer Rechtsprofessor Michael Brenner mit der Prüfung der Frage beauftragt, ob eine Enteignung möglich sei. Einzelheiten will Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht am Montagabend bekannt geben.

Das Thüringer Denkmalschutzgesetz schließt eine Enteignung nicht grundsätzlich aus. In Paragraf 27 des Denkmalschutzgesetzes heißt es: "(1) Die Enteignung ist zugunsten des Landes, eines Landkreises, einer Gemeinde oder einer rechtsfähigen Stiftung zulässig, soweit sie erforderlich ist, damit ein Kulturdenkmal in seinem Bestand oder Erscheinungsbild erhalten bleibt."

SPD froh über Ergebnis des Gutachtens

SPD-Fraktionschef Werner Pidde sprach sich für eine Enteignung von Schloss Reinhardsbrunn aus. Er sagte MDR THÜRINGEN, die Landesregierung solle jetzt zügig handeln. "Uns läuft die Zeit davon", sagte Pidde. Das Schloss verfalle von Tag zu Tag mehr. Er sei froh, dass die juristische Prüfung ergeben habe, dass Reinhardsbrunn auf der Grundlage des Denkmalschutzgesetzes enteignet werden könnte.

Schloss seit Jahren dem Verfall preisgegeben

Dem historisch bedeutsamen Schloss Reinhardsbrunn droht der Verfall. Seit dem Jahr 2000 kamen die wechselnden Eigentümer ihrer Verpflichtung nach Erhalt des Kulturdenkmals nicht nach. CDU-Politikerin Lieberknecht hatte die Rettung des Schlosses vor einigen Monaten zur Chefsache erklärt. Die Schlossanlage war 1827 erbaut worden.

Lange Geschichte um Schlossanlage Schloss Reinhardsbrunn wurde in den 1820er-Jahren auf den rund 1.000 Jahre alten Ruinen eines Klosters errichtet. Dort wurde einst Ludwig IV., der Ehemann der Heiligen Elisabeth, bestattet. Außerdem war das Anwesen ein Treffpunkt des europäischen Hochadels. Zu DDR-Zeiten war das Schloss ein Nobelhotel. Nach 1989 besaß es die Treuhand und schließlich eine Gesellschaft eines Bauingenieurs aus Thüringen. Die verkaufte das Schloss an russische Investoren. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Erfurt wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang dieses Handels waren nach Jahren ergebnislos eingestellt worden.

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2014, 17:47 Uhr

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9 Kommentare

08.05.2014 20:27 so long 9

Wer soviel Ärger im Haus hat (Staatskanzleichef vom Stamme Nimm', Umweltstaatssekretär, kreuzgefährliche Parteifreunde), dem sei so ein Ablenkungsmanöver wie die Chefsache Reinhardsbrunn von Herzen gegönnt! Hat Althaus mit dem Abwasser-Coup 2004 auch so gemacht. Kostet ja nur unser Geld ....

08.05.2014 16:50 Denkmaldoktor 8

Jetzt sollte Reinhardsbrunn aber zügig enteignet werden und der Stiftung Thüringer Schlösser übertragen werden! Dies wäre auch ein Präzedenzfall für andere Spekulanten, die ihr Schloss verwahrlosen lassen, wie Crossen an der Elster oder Schloss Rathsfeld, das Land sollte angesichts der sprudelnden Steuereinnahmen unbedingt mehr Geld für die Denkmalpflege bereitstellen, dies würde das lokale Handwerk beleben!