Augenzeugenberichte aus Ballstädt Rechtsextreme sollen Vereinsfeier überfallen haben

Rechtsradikale haben nach bisher unbestätigten Berichten eine Kirmesgesellschaft in Ballstädt im Landkreis Gotha überfallen. Wie Augenzeugen MDR THÜRINGEN berichteten, drang am frühen Sonntagmorgen eine Gruppe von 15 Neonazis in den Gemeindesaal ein und begann, auf die überwiegend jungen Festgäste einzuprügeln. Neun Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, zwei von ihnen schwer. Beide werden noch im Krankenhaus behandelt. Die Einrichtung des Dorfgemeinschaftshauses soll stark beschädigt worden sein.

Bürgermeisterin entsetzt über Vorfall

Ein dunkles Einsatzfahrzeug der Polizei steht im Hinterhof eines weiß gestrichenen Gebäudes.
Ort des Geschehens: Die Polizei hat umfangreiche Ermittlungen aufgenommen. Bildrechte: MDR/Carmen Ullmann

Die Ballstädter Bürgermeisterin Erika Reisser brachte ihr Entsetzen zum Ausdruck, nachdem sie den Tatort gesehen hatte. Es sei "alles blutverschmiert" gewesen, sagte sie MDR THÜRINGEN. Zudem habe sie selbst erst kurz vor dem Übergriff das Fest verlassen.

Das Ballstädter Bürgerbündnis gegen Rechts bestätigte die Berichte der Augenzeugen. Die vermummten Angreifer drangen demnach gegen zwei Uhr in den Gemeindesaal ein. Unter ihnen sei auch eine Frau gewesen, erklärte das Bündnis. Waffen hätten sie nicht bei sich gehabt. Das Bündnis hatte sich gegründet, nachdem Anhänger der rechten Szene im vergangenen Herbst ein Wohn- und Geschäftshaus in der Gemeinde gekauft hatten.

Sonderkommission ermittelt

Die Polizei wollte zu den Hintergründen der Schlägerei aus ermittlungstaktischen Gründen noch keine genauen Angaben machen. Der Ablauf des Geschehens werde derzeit noch ermittelt, hieß es lediglich. Bei dem Einsatz hatten rund 20 Beamte vom diensthabenden Polizeizug der Landespolizei ihre Kollegen aus Gotha unterstützt. Mittlerweile ermittelt eine Sonderkommission. Aufgrund der Vielzahl der Beteiligten und Zeugen seien momentan viele Beamte zusätzlich im Dienst, sagte eine Polizeisprecherin MDR THÜRINGEN. Ermittelt wird laut Staatsanwaltschaft Erfurt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs.

In den vergangenen Monaten hatte es in Ballstädt bereits mehrfach öffentlich Auseinandersetzungen mit Rechtsradikalen gegeben. Zuletzt hatte eine Bürgerinitiative mit einem Benefizkonzert gegen Neonazis protestiert.

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17 Kommentare

10.02.2014 12:55 mattotaupa 17

@#16: "...Wen Sie einen Dorffrieden wollen, sollten sie an der Intergration von Jugendlichen arbeiten, die sich missverstanden fühlen ..." 9 - im ergänzenden artikel sogar 10 - verletzte und 2 davon schwer und sie wollen die täter integrieren wieder mal wegen schwere kindheit, alkohol oder wahlweise vor gericht gedächtnisschwäche bemitleiden? meiner meinung nach sind die täter zu ermitteln und per gesetz zu bestrafen - legen diese doch bei anderen ebenfalls recht strenge maßstäbe an! selbst meine 2-jährige tochter erkennt, wenn sie zu grob vorgeht und leider gebietet mir mein bild eines menschlichen wesens, daß ich selbst beim dümmsten nazi (gibt es andere überhaupt?) eine höhere denkleistung als bei nem 2-jährigen kind vermute.

10.02.2014 11:54 Scharlatan 16

@7. an ihren Taten: Ich wünschte, wir würden in einem Land leben, in dem nicht jeder versucht, die Schuld bei Staat oder irgendwo anders abzuladen.
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Als Aussenstehender sehe ich hier nur eines: da flüchten sich Jugendliche in die rechte Szene. Mit den Gründen befasst sich keiner, stattdessen wird ein "Benefizkonzert" gegen diese Leute veranstaltet. Das ist eine Form der Diskriminierung und damit Salz in die Wunde. Wen Sie einen Dorffrieden wollen, sollten sie an der Intergration von Jugendlichen arbeiten, die sich missverstanden fühlen, statt den kalten Schulterschluss "gegen Rechts" zu praktizieren. Befassen Sie sich mit den Gründen, warum Jugendliche in bestimmte Subkulturen "abrutschen"! Fremdenfeindlichkeit ist meistens nicht der Grund. Und Diskriminierung ist kein Schritt zum Frieden.