Ein großer Lautsprecher an einem Pfosten.
Heute kann man die Lautsprecher nicht mehr an die Strommasten schrauben. Die Masten gehören nicht der Gemeinde. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Tradition "Weißer Holunder" - Der Dorffunk von Kannawurf

"Weißer Holunder" - so heißt der Dorfsender von Kannawurf. Seit einem Jahr machen die Einwohner hier ihr eigenes Radio. Und bald kommt der nächste Schritt: Der Dorffunk kommt zurück auf die Dorfstraße.

von Grit Hasselmann

 Ein großer Lautsprecher an einem Pfosten.
Heute kann man die Lautsprecher nicht mehr an die Strommasten schrauben. Die Masten gehören nicht der Gemeinde. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Bis Mitte der 80er-Jahre gab es den Dorffunk, der über Lautsprecher an den Strommasten die wichtigsten Infos zum Dorf-Alltag übermitteln konnte. Und so wie das Schloss Kannawurf immer mehr aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, sollte auch der Dorffunk wiederbelebt werden. Das Künstlerhaus Thüringen e.V. hatte die Idee und die Frauen vom Heimatverein waren sofort Feuer und Flamme.

Mittlerweile sendet der "Weiße Holunder" regelmäßig. Einmal in der Woche informiert die Redaktion über alles - von der Bürgermeister-Sprechstunde bis zur Müll-Entsorgung. Dazu Veranstaltungstipps, ein Bericht über die letzte Blutspende-Aktion im Dorf und natürlich Geburtstagswünsche. Der Kannawurfer Chor hat dafür extra Geburtstagsständchen eingesungen, manchmal spielt auch Dorffunker Hartmut Schwarm eins auf seiner Mundharmonika.

50 bis 60 regelmäßige Hörer hat der "Weiße Holunder" schon, obwohl er vorerst nur im Internet über Facebook zu empfangen ist. Doch das soll sich ändern. Redakteur Hartmut Hochheim erzählt, dass bald ein Wagen mit Lautsprechern durchs Dorf ziehen wird. "Wir wollen ja alle Einwohner erreichen. Und wenn jemand zur richtigen Zeit die Tür aufmacht, soll er alle Infos bekommen. Und wenn es jemand verpasst, hilft der Nachbar weiter."

Fünf bis sechs Leute gestalten den Dorffunk. Die Redaktion trifft sich jeden Montag im Schloss auf dem Dachboden. Da werden Themen besprochen und mit einem kleinen Aufnahmegerät gleich die Texte produziert.
Beim Schnitt hilft derzeit noch Peter Moltmann vom Verein Künstlerhaus Thüringen e.V. Allerdings wollen die Dorffunker das jetzt auch lernen und dann alles selber machen.

Das Besondere: ein Großteil des Programms läuft in Kannawurfer Mundart. Das war für Heike Schnell am Anfang das Schwierigste: Die Nachrichten in Hochdeutsch zu schreiben und dann in "Kannawurfsch" zu übersetzen. Aber inzwischen hat sie die Lösung:

Ich schreibe jetzt gleich alles richtig. Also Kannawurfsch.

Liane Kulik

Den Schlager "Weißer Holunder", der dem Sender seinen Namen gab, kennt heute kaum noch jemand. Den Dorffunk von Kannawurf dagegen kennt jeder hier. Und die Redaktion hofft, dass sie bald auch junge Kannawurfer für den Sender begeistern kann.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Unser Dorf hat Wochenende | 19. Mai 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2019, 13:29 Uhr

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