Grab aus der Bronzezeit Erster Zeitreisegang an der Raststätte Leubinger Fürstenhügel

Die Tank-und Rastanlage "Leubinger Fürstenhügel" will Besucher künftig an ein 4.000 Jahre altes Hügelgrab aus der Bronzezeit führen. Seit 2018 wird dort an der A71 schon gebaut und am Dienstag gab es die erste Baustellenbesichtigung. Das Projekt ist eines von 28 Vorhaben der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA).

Dass hier bald eine Raststätte stehen soll, kann man bisher nur ahnen. Die äußere Hülle des Restaurants steht, auch die Ausschnitte im Beton, die später die Zapfsäulen aufnehmen werden, sind schon da. Und der Parkplatz ist fast fertig. Es fällt aber auf, dass die gepflanzten Bäume schon etwas größer sind als üblich, dass die Tische und Bänke eine ungewohnte Form haben und dass sie auch aus hochwertigerem Material bestehen. Es ist eben eine ganz besondere Raststätte.

Das Projekt ist eins von 28 Vorhaben der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA). Der Name "Leubinger Fürstenhügel" ist hier für alle Beteiligten Programm. Sämtliche Sichtachsen sind auf das 4.000 Jahre alte Hügelgrab aus der Bronzezeit ausgerichtet. Die Pflanzflächen auf dem Gelände nehmen desses runde Form auf. Und es führt ein geschwungener Betonweg, ein so genannter "Zeitreiseweg" von der Raststätte zum ältesten Bodendenkmal Thüringens. Später sollen entlang dieses Weges Funde aus den Ausgrabungen präsentiert werden.

Ein Rundgang zum Hügelgrab

Neu entdecktes Grab an der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Dieses Grab am Rand des Fürstenhügels wurde erst bei den Bauarbeiten entdeckt. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
Neu entdecktes Grab an der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Dieses Grab am Rand des Fürstenhügels wurde erst bei den Bauarbeiten entdeckt. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
Schrift 'Grabkammer des Bronzezeitfürsten' auf Grab an der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Die Betonplatte hat die gleiche Größe wie die ursprüngliche Grabplatte in mehr als sechs Metern Tiefe. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Der "Leubinger Fürstenhügel" ist mehr als 4.000 Jahre alt und das bedeutendste Bodendenkmal Thüringens. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
Weg und Baustelle auf der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Auf diesem Weg kann man später von der Rastanlage zum Grabhügel laufen. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
Delegation besichtigt Baustelle auf der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Die erste Baustellenbesichtigung stieß auf großes Interesse bei den Gästen aus dem Umland des Hügels. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
Baustelle auf der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Im August ist die Bauabnahme geplant. Dann muss hier alles fertig sein. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
Delegation in Schutzkleidung an neuem Gebäude auf der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Die äußere Hülle des Restaurants steht schon. Derzeit wird im Inneren gebaut. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
Mitglied des Heimatvereins wird an der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel befragt
Heinz Häger vom Heimatverein will dem Projekt zumindest eine Chance geben. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
 Delegation in Schutzkleidung an neuem Gebäude auf der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Aus dem Restaurant können die Gäste den "Leubinger Fürstenhügel" sehen. Alle Sichtachsen sind darauf ausgerichtet. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann
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Der Weg führt bis zur Spitze des Hügelgrabes, die Aussichtsplattform auf dem Fürstenhügel ist bereits fertig. Allerdings wurde dafür kein Milimeter in die Originalsubstanz des Denkmals eingedrungen, versichert Mario Küßner vom Landesamt für Archäologie: "Wir haben nur den Trichter benutzt, der von den alten Ausgrabungen schon vorhanden war."

Heimatverein hatte Sorge um Hügel

Mitglied des Heimatvereins wird an der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel befragt
Heinz Häger vom Heimatverein Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann

Davon hat sich am Dienstag bei der Besichtigung sogar der Heimatverein Leubingen überzeugt. Denn zwischen der IBA und dem Heimatverein gab es seit Projektstart ziemlichen Stress. Seit Jahren kümmert der Verein sich um den Hügel und man hatte Sorge, dass er beschädigt oder zerstört wird. Aber inzwischen sind die größten Bedenken offenbar ausgeräumt. Heinz Häger vom Heimatverein sagt: "Wir waren am Anfang sehr skeptisch. Aber jetzt gucken wir erstmal, wie das hier alles wird. Es gibt keinen Streit mehr."

Zur Besichtigung heute waren vor allem Politiker eingeladen. Aus den umliegenden Gemeinden und aus dem ganzen Landkreis. Trotz der Beschränkungen wegen Corona sammelten sich etwa 40 Leute auf der Baustelle. Mit Abstand ging es dann auf die Baustelle. Ausgestattet mit Helmen und Schutzwesten konnten sie das gesamte Areal besichtigen. Auch eine etwas abgelegene Picknick-Ecke, in deren Rücken ein kleiner Wald angepflanzt wurde. Bedauerlicherweise waren die Eichen noch nicht groß genug, um den Wind zu bremsen.

Fichten wurden gestohlen

Eigentlich waren auch schon 60 Fichten gepflanzt worden. Aber Jens R. Matheisen von der Deges erzählt: "Die haben sie uns in einer Nacht geklaut. Auch Bauzäune und -tore sind schon verschwunden. Das ist echt schade, gerade, wenn man es besonders schön machen will."

Baustelle auf der Rastanlage Leubinger Fürstenhügel
Blick vom Hügel zum neuen Raststättengebäude. Bildrechte: MDR/Nele Hasselmann

Besonders spannend wird es zu sehen, ob die Reisenden das Konzept am Ende annehmen. Ist doch die Autobahn eher dafür da, schnell von A nach B zu kommen. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich die Art des Reisens, wenn man am Wegesrand so einfach in die Geschichte eintauchen kann. Archäologe Mario Küßner: "Wir hoffen, damit auch Leute für die spannende Geschichte der Gegend und für die Archäologie begeistern zu können, die sonst nicht unbedingt ins Museum gehen."

2018 hatten die Bauarbeiten begonnen. Öffnen soll die gesamte Tank- und Rastanlage Mitte des Jahres. Die Stadt Sömmerda hat angekündigt, dass das ganz sicher nicht heimlich, still und leise passiert. Sie hat dafür ein großes Volksfest angekündigt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 30. Juni 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Tapir vor 6 Wochen

Ich sehe das Ganze nicht so pessimistisch. Die leichte Architektur will eben das Umfeld nicht so sehr beeinträchtigen. Ob das Wellblechdach eine gute Idee war, sei mal dahingestellt. Ich kann mir gut vorstellen, dort zu sitzen und auch den Hügel zu erklimmen. So selten ist das gar nicht, dass an Rastplätzen auch Zeugnisse der Vergangenheit oder schöne Aussichten genossen werden können. In Skandinavien wird schon lange so gedacht und es sind viele solche Rastplätze anzutreffen. Deutschland hinkt da hinterher. Durch diese Angebote bewegt man sich und pausiert richtig - nichts ist schlimmer als von A nach B durchzurauschen - inkl. Stau und Stress und die Raststätten nur zum Abfüllen von Auto und Magen zu nutzen. Manche Menschen mögen es eben auch auf der Autobahn etwas menschlicher. Hässliche Raststätten, auf denen man schon vom Ambiente her nicht willkommen ist und bloß schnell abhauen soll, gibt es genug. Diese hier zähle ich nicht dazu.

lobo56 vor 6 Wochen

Was für eine absurde Massnahme.
Da wird Landschaft betoniert, in der Hoffnung auf Tourostenströme...
Wenn ich von A nach B fahre, dann mache ich in der Regel keine Exkursion unterwegs an einer Raststätte.
So wird's nix mit dem Umweltschutz!
Aber, das ist den meisten Amtsträgern sowieso egal.

Nawienn vor 6 Wochen

Der Bau da auf dem Foto sieht her aus
wie ein modernes Toilettenhäuschen
und ob einer den Gang zu dem Hügel
macht, wage ich auch zu bezweifeln.
Teure Idee eben.
Schönen Tag noch ...

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