Ein Schwertransporter steht nachts in einer Kurve in einer Ortschaft
Der Schwerlastransport wird Dienstagabend milimetergenau aus der Kurve manövriert. Bildrechte: Vesselin Georgiev

Festgefahren in Andisleben Weiterfahrt verhindert: Polizei stoppt Schwerlasttransport

Immerhin blockiert er nicht mehr die Ortsdurchfahrt von Andisleben - der Schwertransport, der am Dienstag in einer engen Kurve des Ortes steckengeblieben ist. Etwa 200 Meter fuhr das Gefährt rückwärts aus der Kurve heraus, wurde dann aber von der Polizei gestoppt. Indes gibt es Streit über die Frage, wer die Route durch Andisleben genehmigt hat.

Ein Schwertransporter steht nachts in einer Kurve in einer Ortschaft
Der Schwerlastransport wird Dienstagabend milimetergenau aus der Kurve manövriert. Bildrechte: Vesselin Georgiev

Der steckengebliebene Schwerlasttransporter in Andisleben im Landkreis Sömmerda ist am Mittwoch von der Polizei auf der Weiterfahrt erneut gestoppt worden. Die Speditionsfirma habe falsche Angaben zum Fahrzeug gemacht, sagte ein Polizeisprecher. Deshalb musste der Lastzug rund 200 Meter von seinem ersten Zwangsstopp entfernt erneut stehen bleiben.

Der 44 Meter lange Lastzug hat einen 179 Tonnen schweren Kessel geladen, der eigentlich schon am Dienstagabend am Elbhafen Aken bei Magdeburg ankommen sollte. Stattdessen stand er am Dienstag stundenlang in einer engen Kurve in dem Dorf bei Erfurt. Der Fahrer hatte dann am Dienstagabend rückwärts aus der Engstelle rausgesetzt und sollte laut Polizei knapp fünf Kilometer zurück auf die B4 Richtung Sondershausen rollen. Danach sollte es bis nach Westerengel zum Zwischenstopp weitergehen.

Der Anhänger eines Schwerlasttransporters steht an einem Haus
Für den 44 Meter langen Transporter war die Doppekurve wohl zu eng. Allerdings hatten Fahrer und Begleitteam erschwerte Bedingungen: Sie waren im Dunkeln unterwegs. Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm/Wichmann TV

Der erneute Stopp wurde von der Polizei deshalb erzwungen, weil das Fahrzeug auf der Ausweichstrecke nicht unter einer Brücke durchpasst hätte. Dafür ist es neun Zentimeter zu hoch. Auch auf der weiteren Route bis nach Aken hätte es wegen der Breite des Schwerlasttransporters Probleme gegeben. Die Speditionsfirma müsse jetzt eine neue Route angeben, sagte ein Polizeisprecher.

Spedition: Alle Genehmigungen lagen vor

Der Spediteur weist indessen die Vorwürfe der Polizei zurück. Fahrzeug samt Ladung seien vor Fahrtantritt vom TÜV vermessen und abgenommen worden, hieß es. Es habe keine Probleme oder Unstimmigkeiten gegeben, andernfalls hätte der Transport die Firma in Arnstadt nicht verlassen dürfen. Die ausgewählte Strecke sei zudem eine ausgewiesene Schwerlaststrecke. Es hätten alle Genehmigungen vorgelegen, sagte ein Sprecher der Spedition am Mittwoch MDR THÜRINGEN. Auch andere Firmen würden ihre Transporte dort entlang schicken.

Genehmigt wurde der Transport vom Landkreis Mettmann in Nordrhein-Westfalen. Dort hat die Spedition ihren Firmensitz. Der Kreis Mettmann hatte zuvor beim Thüringer Landesverwaltungsamt angefragt, welches nachgeordnete Behörden mit der Prüfung beauftragt hatte. Offenbar hatte es an keiner Stelle Bedenken gegen die Transportstrecke gegeben.

Ein Schwerlasttransporter steckt auf einer Landstraße fest
Der steckengebliebene Transport Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm/Wichmann TV

Das Landratsamt Sömmerda nannte den Transport durch Andisleben am Mittwoch "unverantwortlich". Die Behörde habe zwar die Fahrt durch den Kreis genehmigt, teilte die Kreisverwaltung MDR THÜRINGEN mit. Jedoch sei im Antrag keine Fahrt über Kreisstraßen geplant gewesen. Im Kreis wisse man von Engstellen und Kurven.

Eigenen Angaben zufolge sammelt das Landesverwaltungsamt die einzelnen Genehmigungen aller Beteiligten ein. Das sind die Städte und Kreise, durch die der Transport führen soll. Im konkreten Fall waren das u.a. die Stadt Erfurt, das Landesamt für Bau und Verkehr, der Ilm-Kreis und auch die Stadt Arnstadt. Gebündelt schickt das Landesverwaltungsamt dann alle Genehmigungen nach Mettmann. In einer früheren Version hatten wir berichtet, das Landesverwaltungsamt würde die Fahrten genehmigen.

Bildergalerie Schwerlasttransporter: Wenn Millimeter fehlen

Die Fahrer und Begleiter von Schwerlasttransporten leisten Großes: Wenn alles klappt, fällt das keinem auf. Nur bei Pannen lässt sich erahnen, was Millimeter bei dieser Arbeit ausmachen. Ein Rückblick:

Zwischen den Leitplanken einer Autobahnabfahrt und Linkskurvige-Zufahrt auf eine Bundesstraße steht ein Schwerlasttransporter mit zwei Rotorblättern für eine Windkraftanlage. Ein gelber Wegweiser zeigt als Richtungs-Ziele Suhl, Oberhof, Ohrdruf und Bad Langensalza, Gotha
Im Jahr 2013 ging auf der Abfahrt von der Autobahn bei Gotha für Stunden nichts mehr. In der schwungvollen Kurve auf die Bundesstraße blieb ein Transporter mit Rotorblättern stecken. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann
Zwischen den Leitplanken einer Autobahnabfahrt und Linkskurvige-Zufahrt auf eine Bundesstraße steht ein Schwerlasttransporter mit zwei Rotorblättern für eine Windkraftanlage. Ein gelber Wegweiser zeigt als Richtungs-Ziele Suhl, Oberhof, Ohrdruf und Bad Langensalza, Gotha
Im Jahr 2013 ging auf der Abfahrt von der Autobahn bei Gotha für Stunden nichts mehr. In der schwungvollen Kurve auf die Bundesstraße blieb ein Transporter mit Rotorblättern stecken. Bildrechte: MDR/Martin Wichmann
Drei Männer mit Schutzhelmen und Warnkleidung stehen an einem sonnigen Tag auf einer kleinen Straße in Angelroda vor einem Schwerlasttransporter, der ein großes Stahlgerüst auf der Ladefläche hat
Viel Geduld brauchten 2013 auch die Arbeiter in Angelroda im Ilmkreis. Hier wurde ein abmontierter Stahlträger der Bahnstrecke Plaue-Ilmenau durch den Ort buxiert. Bildrechte: MDR/Sven Knobloch
Ein Schwertransporter mit grünem Führerhaus steht in einer leichten Kurve vor einem rötlichen Fachwerkhaus. Auf dem Anhänger liegt ein großes weißes Rotorblatt eines Windrades
Windräder sind eine Herausforderung. 2013 war mit diesem Transporter in der Ortseinfahrt Merxleben im Unstrut-Hainich-Kreis erst einmal Schluss. Bildrechte: MDR/Carolin Lemuth
Zwei Männer in gelbgrüner Arbeitskleidung laufen auf einer engen Dorfstraße vor einem Schwerlasttransporter. Der Transporter mit grünem Führerhaus hat ein Rotorblatt eines Windrades auf seiner Ladefläche. Hinter dem Laster sind ein weißes und ein gelbes Begleitfahrzeug
Buchstäblich im Schritttempo ging es nach behutsamen Rangieren dann endlich durch die Ortschaft. Bildrechte: MDR/Carolin Lemuth
In einer schmalen Linkskurve steht der Anhänger eines Schwerlasttransporters. Ein großes Rotorblatt einer Windkraftanlage ragt auf die Straße. Zwei Männer in oranger Arbeitskleidung stehen mit dem Rücken zur Straße auf einem Grünstreifen
Ob bei der Genehmigung im Vorfeld in den Maßen ein Zahlendreher war? Für die erfolgreiche Durchfahrt mussten auch Straßenschilder abmontiert werden. Bildrechte: MDR/Carolin Lemuth
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2018, 10:20 Uhr

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13 Kommentare

09.02.2018 20:04 leni 13

Habe schon oft am Andislebener Kreuz Schwerlasttransporte beobachtet. Da ging Alles glatt. Da hat bestimmt auch die Vorhut von Vermessern und Planern Ihre Arbeit ernst genommen und richtig gemacht. In diesem Fall scheint dies ja nicht so gewesen zu sein. Der Fahrer tut mir echt leid, denn der kann nichts dazu. Er richtet sich nach dem was ihm vorgegeben wird, eben auch nur Gehaltsempfänger. Ich wünsch ihm auf jeden Fall alles Gute. Für die echten Schuldigen würde ich eine neue Arbeit empfehlen, die nichts mit Kontrolle, Vermessung, Planung oder überhaupt mit Verantwortung zu tun hat. Grüße an den Fahrer und Daumen hoch!!!!!!!!!!!!!!!!!!

08.02.2018 19:10 Hans-Peter Burhoff 12

Die Transport Firma ist verpflichtet die Strecke vor Transportbeginn zu prüfen. Siehe VwV zu 29 Abs. 3 StVO.

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