Elektronik-Standort geschwächt 140 Arbeitsplätze auf der Kippe: Reparatur-Unternehmen RTS schließt in Sömmerda

Das Reparatur-Unternehmen RTS schließt den Standort in Sömmerda. Derzeit wird über einen Sozialplan verhandelt, das Ergebnis ist unklar. Womöglich werden einem Teil der Mitarbeiter Ersatz-Jobs in Erfurt angeboten. Techniker könnten sich anderen Unternehmen in Sömmerda anschließen, die vergleichbare Dienste anbietet. Die IG Metall sorgt sich um den Elektronik-Standort.

Ein Firmengelände
Das Firmengelände der Media-Saturn-Tochter RTS in Sömmerda. Etwa 140 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Bildrechte: MDR Thüringen

Das Elektronik-Reparatur-Unternehmen RTS schließt seinen Standort in Sömmerda mit etwa 140 Mitarbeitern. Das geht aus Informationen des Betriebsrats hervor, der sich derzeit in Verhandlungen um einen Sozialplan mit dem Arbeitgeber befindet. Zunächst war eine Umstrukturierung geplant gewesen. Im Sommer dann die überraschende Nachricht, dass der Standort geschlossen wird. Bisher werden hier defekte Computer, Fernseher oder Drucker repariert, Ersatzteile bestellt und verbaut - und die Geräte anschließend zum Kunden zurückgeschickt.

Die RTS-Betriebsräte Steffi Thielemann, Kerstin Schacke und Michael Goldammer (von links)
Die RTS-Betriebsräte Steffi Thielemann, Kerstin Schacke und Michael Goldammer (von links) Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Inzwischen wirkt sich die geplante Schließung auf den Alltag im Betrieb aus: "Die Arbeit wird weniger, da alle Kunden gekündigt sind", sagt Michael Goldammer, Vorsitzender Gesamtbetriebsrat RTS Elektronik Systeme. "Die frei werdenden Kollegen helfen dann in anderen Projekten aus, die noch arbeiten - oder beginnen mit Aufräumungsarbeiten." Die Perspektiven sind unklar. Ein Teil der Mitarbeiter könnte beim Logistikunternehmen Redcoon unterkommen. Offenbar besteht die Möglichkeit, dass etwa 50 Beschäftigte von der einen Media-Saturn-Tochter RTS zur anderen Media-Saturn-Tochter Redcoon wechselt. Ein Standort mit mehreren Hundert Mitarbeitern befindet sich im Erfurter Güterverkehrszentrum.

Reparatur-Aufträge wechseln die Etage

Anders sieht es für die Techniker aus. "Es sind bereits einige Stellen ausgeschrieben", sagt Goldammer. Die Mitarbeiter könnten bei einem benachbarten Unternehmen auf dem Gelände in Sömmerda anfangen, teils praktisch nur in einer anderen Etage. Dort seien bereits einige der Reparaturprojekte angekommen, die RTS im Zuge der Standortschließung gekündigt hat. "Aber die Geräte müssen ja trotzdem repariert werden", sagt Goldammer.

Deshalb orientieren sich die Gerätehersteller eben um. Doch trotz anderer Angebote gebe es noch keine Flucht der Mitarbeiter. Manche mit langen Betriebszugehörigkeiten dürften auch auf Abfindungen spekulieren - für Mitarbeiter mit wenigen Jahren im Betrieb spiele das keine Rolle. Doch die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber darüber sind zäh, inzwischen hat das Unternehmen die Einigungsstelle angerufen. Ein Richter soll eine Entscheidung herbeiführen. Die Gewerkschaft IG Metall vermutet, die Forderungen des Betriebsrats sind dem Arbeitgeber zu teuer gewesen. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage von MDR THÜRINGEN zu dem Verfahren nicht äußern.

"Aber es wird fürs Unternehmen auf alle Fälle teuer", sagt Kirsten Joachim Breuer, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, der die Beschäftigten begleitet. Das Verfahren ist nämlich mit Kosten verbunden. "Die hätten wir lieber den Beschäftigten zukommen lassen", sagt Breuer. Aber so könne der Arbeitgeber nicht mehr auf Zeit spielen. Wichtig sei, dass am Ende möglichst viel für die Mitarbeiter herausgeholt wird.

Hallen sollen nicht zu Lagerflächen werden

Drucker-Scanner
RTS hatte sich auf die Reparatur von Druckern spezialisiert. (Symbolfoto) Bildrechte: Colourbox.de

Ob die Entwicklung für den Elektronik-Standort Sömmerda grundsätzlich in die falsche Richtung zeigt? So schwarz sieht man die Lage bei der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) nicht. Schließlich gebe es für einen Teil der Fläche, die bei RTS offenbar ab März frei werden, bereits Interesse. Offiziell will man sich zur Lage allerdings nicht positionieren. Die LEG hat das Gelände vermietet, RTS ist aber nur Untermieter. Auf dem gesamten Gelände gibt es etwa 700 Arbeitsplätze - noch. Die IG Metall moniert, bei den Reparaturunternehmen werde kaum ausgebildet. Anfragen, einzelne Hallen etwa als Lager für Reifen zu verwenden, gibt es offenbar schon. Das aber sieht in Sömmerda niemand als erstrebenswert an.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 18. November 2020 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

Hallo Herr Jäkel,
eine Übernahme der Mitarbeiter wurde seitens einer an den Verhandlungen beteiligten Partei ins Spiel gebracht. Da hierzu zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine Details bekannt waren, sprechen wir explizit von einer Möglichkeit, nicht von einer Tatsache.
Viele Grüße
MDR-THUERINGEN-Online-Redaktion

Dumah vor 1 Wochen

Das hat nichts mit dem Lockdown oder was auch immer zu tun. Mediamarkt muss sparen und das nicht erst durch die Krise. Nagut, bei einem Serviceunternehmen zu sparen, wenn Service die Schwachstelle der Konzerns ist, ist vielleicht nicht die beste Entscheidung...

Morris1984 vor 1 Wochen

Ich muss mal sagen, bevor sowas ausgestrahlt wird, sollte mal der Betriebsrat der redcoon Logistics GmbH befragt werden. Das wurde nicht getan! Hier gibt es keinerlei Zustimmung des Betriebsrats der redcoon Logistics GmbH. Hier wird durch diese Ausstrahlung sehr viel Unmut geschürt in unserer Belegschaft. Das finde ich als BRV der redcoon Logistics GmbH für unangebracht.
Ich bin schon immer für Pressefreiheit gewesen doch das, geht zu weit.

Mit freundlichen Grüßen
Morris Jäkel
Betriebsratsvorsitzender der redcoon Logistics GmbH

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