Corona-Lockerungen Tafeln in Buttstädt und Sömmerda wieder offen

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Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Die Tafeln in Sömmerda und Buttstädt konnten am Donnerstag erstmals wieder öffnen. Abstandsregeln, Hygienevorschriften und ein Mund-Nasen-Schutz sind auch hier Pflicht. Und auch sonst ist vieles anders. Kein Raum für Gespräche, die Kunden werden in Schichten bedient. Dafür sind die Öffnungszeiten erweitert.

Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Das Team der Tafel Buttstädt hat sich gut auf die Kunden vorbereitet. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Chef Uwe Bergmann würde seiner ersten Kundin heute so gerne tragen helfen, wie sonst auch immer, aber die Abstandsregeln lassen das nicht zu. "Kein Problem, ich bin Mutter, ich schaff das schon" lachend klemmt sich die Frau eine Kiste unter den Arm und nimmt in jede Hand eine Tasche.

Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Derzeit darf pro Haushalt nur eine Person aufs Gelände. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Für sieben Leute kauft sie heute bei der Tafel in Buttstädt ein, ist froh, dass endlich wieder offen ist. Auch wenn sie ohne Unterstützung kommen muss, denn derzeit ist nur eine Person pro Haushalt zugelassen auf dem Gelände, Kinder dürfen vorerst gar nicht rein. "Ich habe fünf Kinder, eins ist behindert" erzählt die Frau weiter. Sie kommt schon seit drei Jahren hierher, die Mitarbeiter kennen sie und normalerweise ist immer Zeit für ein Gespräch. "Gerade jetzt würde ich mich gerne austauschen, denn es ist wirklich schwer. Unterricht zu Hause, dazu die Therapien, die werden ja sonst auch im Kindergarten gemacht." Wenigstens sind die Vorratsschränke jetzt wieder voll, da hat die Mutter eine Sorge weniger.

Mehr als 100 Menschen werden unterstützt

Uwe Bergmann leitet die Ausgabestelle hier seit der Eröffnung 2018, hat vorher auch das Konzept entwickelt und Partner gesucht. Mit der Stadt Buttstädt hat er von Anfang an gut zusammengearbeitet. Die Tafel liegt in Sichtweite von Kirche und Rathaus, es gibt einen Hof und wirklich viel Platz. Das ist gerade jetzt ein großer Vorteil. Die Kunden warten im Hof, es kommt immer nur einer rein. "Wir haben vorher alle kontaktiert und je nach Anfangsbuchstaben Termine vergeben" sagt Uwe Bermann. 57 Haushalte betreut er hier in Buttstädt, das heißt, dass mehr als 100 Menschen unterstützt werden.

Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Uwe Bergmann ist von Beruf Bäcker und arbeitet seit 2005 bei der Tafel. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Als die Tafeln wegen Corona geschlossen wurden, hat er sich natürlich Sorgen gemacht um seine Kunden. "Aber auch die Vorstellung, dass Hunderttausende Tonnen Lebensmittel weggeschmissen werden, wenn wir sie nicht abholen können, macht mich fertig". Und auch der Kontakt zu seinen Kunden hat ihm schnell gefehlt. "Im Lauf der Jahre lernt man sich kennen, es entwickeln sich Nähe und Vertrauen. Und hier reden die Leute auch mal über ihre Probleme und oft können wir helfen." Bergmann weiß, wie schwer es vielen fällt, um Hilfe zu bitten. Erst recht in einer so kleinen Stadt. Da wird man schnell abgestempelt. "Aber hier bei uns ist kein Platz für Vorurteile. Wir sind alle nur Menschen." Und diese Haltung teilt sein ganzes Team.

Kreativer Umgang mit Einschränkungen

Karsten Thiersch weiß das sehr zu schätzen. Er ist stellvertetender Leiter des "Netzwerk Regenbogen e.V", dem Träger der Tafel Sömmerda. Buttstädt gehört organisatorisch dazu.

Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Karsten Thiersch vom Netzwerk Regenbogen e.V. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

In dieser besonderen Situation ist es für ihn gut zu sehen, wie alle Mitarbeiter mitdenken, Ideen entwickeln, um die Abläufe trotz aller Einschränkungen so angenehm wie möglich für die Kunden zu machen. Lange haben sie am Konzept gefeilt. "Vorerst gibt es nur haltbare Lebensmittel und Backwaren, nächste Woche öffnen dann auch die Kleiderkammer und die Möbel-Kiste. Die Erfahrungen von heute nehmen wir dann gleich auf." Der normale Einkaufsraum bleibt zu, an der ersten Station wird bezahlt, dann geht es weiter. Bestimmte Dinge sind für jeden Haushalt schon vorgepackt, anderes kommt dann von Station zu Station dazu. Schnell muss es gehen, denn die nächsten Kunden warten schon im Hof.

Mehr als nur Lebensmittel-Spenden

Seit Februar 2005 betreibt das Netzwerk schon die Tafel, es gibt eine Kleiderkammer und die Möbelkiste, den Bereich "Schöner Wohnen", der Bedürftigen beim Renovieren hilft und bei Umzügen, in der "Schatzinsel" werden alte Möbel restauriert, es werden Kochkurse mit Kindern organisiert und vieles mehr.

Tafel Buttstädt - endlich wieder geöffnet

Die Tafeln in Sömmerda und Buttstädt waren am Donnerstag erstmals wieder geöffnet. Wir haben dem Team über die Schulter geschaut.

Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Uwe Bergmann kontrolliert alles nochmal. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Uwe Bergmann kontrolliert alles nochmal. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Backwaren werden erst nach Bedarf eingepackt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Der Hauptteil der Lebensmittel wird vorgepackt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
die Kirche und das Rathaus von Buttstädt
Die Ausgabestelle liegt direkt neben der Kirche in Buttstädt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Auch Bücher werden gespendet. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Derzeit werden nur haltbare Lebensmittel verkauft. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Hier wird sonst verkauft. Der Raum muss aber jetzt geschlossen bleiben. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Die erste Kundin des Tages. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Die Lebensmittel werden gespendet. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Tafel Buttstädt am ersten Tag der Öffnung nach dem shutdown
Auch an die Haustiere wird gedacht. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Und all das war jetzt natürlich geschlossen. Und für Thiersch und seine Mitstreiter war klar: "So lange nichts wirklich konkret klar ist, machen wir alles komplett zu. Eigentlich wollten wir schon Mitte April wieder öffnen, das ließ sich aber nicht umsetzen. Und wir haben ein wirklich solides Konzept entwickelt, so dass das heute alles gut läuft". Durch die Abstandsregeln und weil alles zügig laufen muss leidet vor allem der persönliche Kontakt. Das bedauert auch Karsten Thiersch.

Gutscheine für frische Lebensmittel

Für das Problem der frischen Lebensmittel hat er auch eine Lösung gefunden: In den nächsten zehn Wochen wird das Netzwerk Regenbogen Gutscheine verteilen und Lebensmittel zukaufen. Ein entsprechender Förderantrag in Höhe von 38.000 Euro wurde von der Aktion Mensch bewilligt. Jetzt müssen Märkte gefunden werden, die sich an diesem Projekt beteiligen und die Lebensmittel-Gutscheine akzeptieren. Ausgegeben werden diese dann jeweils bei den Tafeln in Sömmerda und Buttstädt.

Ob die Tafeln nach dieser Zeit wieder arbeiten wie früher oder ob die Einschränkungen wegen Corona noch länger andauern, weiß Thiersch natürlich auch nicht. Aber egal wie, sein Team und er werden den bedürftigen Menschen im Landkreis Sömmerda weiter helfen. An neuen Ideen mangelt es hier nicht.

Alltagshelden in Thüringen Hier - unter dem Label "Alltagshelden in Thüringen" - erzählen wir in loser Folge Geschichten von Menschen aus Thüringen, die während der Corona-Krise für andere da sind. #miteinanderstark

Quelle: MDR THÜRINGEN

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