Patientenbehandlung im praktischem Teil des zahnärztlichen Seminars Quelle/Rechte:
Die "Dentists for Africa" bilden vor Ort Zahnärzte aus, damit sie später nicht mehr auf Hilfe von außen angewiesen sind. Bildrechte: Jan Bruns / Dentists for Africa

Dentists for Africa Zahnarzt aus Sömmerda hilft Menschen in Kenia

Die Hilfsorganisation "Dentists for Africa" trifft sich am Wochenende in Erfurt. Sie wurde 1999 in Sömmerda gegründet und hat ihren Sitz in Weimar. Hans-Joachim Schinkel ist einer der Zahnärzte, die in Afrika helfen.

von Conny Mauroner

Patientenbehandlung im praktischem Teil des zahnärztlichen Seminars Quelle/Rechte:
Die "Dentists for Africa" bilden vor Ort Zahnärzte aus, damit sie später nicht mehr auf Hilfe von außen angewiesen sind. Bildrechte: Jan Bruns / Dentists for Africa

1996 hat sich der Sömmerdaer Zahnarzt Dr. Hans-Joachim Schinkel in ein Flugzeug gesetzt. Er wollte Menschen auf der anderen Seite der Welt helfen. In seinem Beruf, als Zahnarzt, geht das überall. Schinkel war sechs Wochen in Brasilien im Einsatz. Ein Erlebnis, das ihn geprägt hat. "Das hat in mir den Antrieb geschaffen, selbst ein Hilfsprojekt anzufangen."

Gesagt getan: Schinkel nimmt Kontakt zu Projektpartnern auf und findet die Franziskaner-Nonnen. Sie sind es, die Kenia in den Fokus rücken. Bis dahin war der Sömmerdaer Zahnarzt noch nie in Afrika. Neuland, sagt er, natürlich hatte er von der hohen Aids-Rate im Land gehört und auch von der Armut, aber sich vor Ort ein Bild zu machen, sei wieder etwas anderes. Schinkel bildet Netzwerke, sammelt Spenden und es gelingt ihm, einen Container mit zahnmedizinischen Instrumenten nach Afrika zu schicken. Alles kommt vollständig und am Bestimmungsort an. Ein wenig überrascht hat ihn das schon. Hatte Schinkel doch damit gerechnet, dass auf dem Weg teures Material verloren geht. Doch toi, toi, toi - bislang ist alles gut gegangen.

Zahnarzt aus Thüringen hilft in Kenia

Die Unterstützung vor Ort, sagt er, ist riesig. Schinkel reist ebenfalls ins Land, um bei seinem ersten Besuch mit einfachsten Mitteln zu helfen. Vorrangig ging es darum, den Menschen, die teils schon jahrelang litten, die Zähne zu ziehen. Ohne große Ausstattung und Personal reist Schinkel durchs Land. Und dann der Wille, mehr zu tun.

Kurz darauf wurde in einem Krankenhaus in Kenia die erste Zahnarztpraxis eröffnet. Inzwischen sind es 14. Dennoch fahren Schinkel und seine Mitstreiter weiter aufs Land. Sie betreiben Aufklärung, behandeln und gehen in die Schulen. Die Kinder sind immer sehr offen, sagt Schinkel. Sie kennen keine Angst vorm Zahnarzt; sie sind neugierig und lassen sich gern helfen. Viele von ihnen wissen, was ein heftiger Zahnschmerz ist, sagt Schinkel. Auch diese Kinder kennen Cola und Limonade. Die Menschen stehen teils Schlange, weil sie jahrelange Probleme mit sich herum schleppen, die so manches Mal, mit einem kurzen Ruck gelöst werden können.

Kenianische und deutsche Teilnehmer des zahnmedizinischen Weiterbildungsseminar in Kisii (Kenia)
Kenianische und deutsche Teilnehmer des zahnmedizinischen Weiterbildungsseminar in Kisii (Kenia) Bildrechte: Jan Bruns / Dentists for Africa

"Dentists for Africa" geben Hilfe zur Selbsthilfe

Der Anspruch der "Dentists for Africa" wächst. Sie wollen die Menschen vor Ort schulen. Die Kenianer selbst sollen die Praxen übernehmen. Das Hilfsprojekt stellt sich breiter auf, kümmert sich inzwischen auch um Witwen und Waisen. Die Not der Kinder dort zu erleben, habe sie am meisten bedrückt, sagen Schinkel und seine Kollegen. "Kinder, die auf sich allein gestellt sind, kein Geld für die Ausbildung haben und letztlich keine Chance haben, in ihrem Leben Fuß zu fassen."

Fast 900 Patenschaften haben Schinkel und seine inzwischen 330 Mitstreiter schon vermittelt. Die Kinder werden durch Schule und Ausbildung begleitet. Sogar Colleges werden durch Spenden finanziert. 250 Patenkinder haben bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen. Drei junge Frauen sind Zahnärztinnen geworden. Das nennt Schinkel echte Nachhaltigkeit. Man nehme die Kinder frühzeitig an die Hand, begeistere viele von ihnen für zahnmedizinische Berufe und könne so die Praxen betreiben.

Jährliches Seminar für Jugendliche beim Waisenprojekt von Dentists for Africa
Jährliches Seminar für Jugendliche beim Waisenprojekt von Dentists for Africa Bildrechte: Jan Bruns / Dentists for Africa

Geschulte Zahnärzte in Afrika übernehmen Behandlungen

Für 2020 hat sich die Organisation erneut viel vorgenommen. In einem Slum in Nairobi soll eine neue Zahnarzt-Praxis eröffnet werden. Außerdem steht eine Kooperation mit einer Universität an. Die Uni möchte eine Fakultät für Zahnmedizin aufbauen. Und dann gelte es, die Patenkinder, die eine Ausbildung abgeschlossen haben, erfolgreich in den Beruf zu bringen. "Nicht immer einfach", meint Schinkel. Nebenbei müssen Spenden eingeworben und Fördermittel beantragt werden. Außerdem werden ständig Zahnärzte und Personal vor Ort geschult und weitergebildet. Das gehöre jetzt zu seinen Hauptaufgaben. Wenn Schinkel mindestens einmal im Jahr nach Kenia reist, sind es die organisatorischen Dinge, die ihn beschäftigen. Die Behandlungen - die haben inzwischen die Leute vor Ort übernommen. Und die, sagt der Fachmann, machen ihren Job wirklich gut.

"Dentists for Africa" treffen sich in Erfurt

Ab Freitag treffen sich die "Dentists for Africa" zu ihrer Jahreshauptversammlung in Erfurt. Gemeinsam blicken sie auf die vergangenen 20 Jahre zurück und auf das voraus, was sie noch schaffen wollen. Samstag ab 9 Uhr gibt es eine Informationsveranstaltung für jedermann - in den Räumen der Landeszahnärztekammer Thüringen in Erfurt.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 01. November 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2019, 15:53 Uhr

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