Gemüse aus Thüringen Spargel-Ernte im Selbstversuch - Mietparzelle in Herbsleben

Vielerorts müssen Spargelbauern auf Erntehelfer verzichten. In Herbsleben kann man deshalb Teile eines Spargelfelds mieten. Cornelia Hartmann, Sandra Voigtmann und Jana Hildebrandt, drei Spargel-Laien des MDR THÜRINGEN, machen mit einer eigenen Parzelle den Selbstversuch als Spargelbäuerinnen.

Drei Frauen und ein Kameramann auf einem Spargelfeld
Cornelia Hartmann, Jana Hildebrandt und Sandra Voigtmann auf ihrer Spargel-Parzelle in Herbsleben. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Spargel dürfte in Zeiten von Corona Mangelware werden. Zum einen ist es noch zu kalt für den Spargel und zum anderen fehlt es an Erntehelfern, die wegen der Corona-Krise zunächst nicht einreisen durften. Deshalb hat die Agrargesellschaft Herbsleben dazu aufgerufen, eine Parzelle zu mieten und den Spargel selbst zu ernten. Damit wollen die Spargelbauern dafür sorgen, das der Spargel trotz fehlender Helfer geerntet wird. Außerdem sollen die Kosten für die Felder gedeckt werden.

Spargelfeld
Das Spargelfeld in Herbsleben. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Mit Gewinn rechnet die Agrargesellschaft nicht, aber dafür mit etwas mehr Wertschätzung für die Lebensmittel. Ob dieser Plan aufgeht, wollen wir in den kommenden Wochen ausprobieren. Wir - das sind Cornelia Hartmann, Sandra Voigtmann und Jana Hildebrandt, MDR THÜRINGEN-Kolleginnen aus Erfurt - und von der Spargelernte haben wir so viel Erfahrung wie von der Herstellung der Thüringer Bratwurst.

Hand hält Karte mit Markierung
Die Route zur eigenen Spargel-Parzelle. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Doch das soll uns nicht abschrecken. Seit Montagmorgen sind wir drei zusammen Mieterinnen einer 280 Meter langen hügeligen braunen Spargelzelle. Ein Spargel-Sharing-Projekt sozusagen, dass uns nun bis Ende Juni begleiten wird. Seit Montagmorgen 8 Uhr dürfen wir die Spargelparzelle Nummer 16 unser eigen nennen und ab sofort von 6 bis 18 Uhr bis Ende Juni Spargel ernten.

Nächste Woche sprießt der Spargel

Doch noch ist nicht viel los auf den Spargelfeldern in Herbsleben. Denn der Damm ist noch nicht warm genug. Bei acht Grad Celsius haben sich am Montagmorgen keine typischen Erdrisse oder Spargelspitzen auf unserem Damm gezeigt. Und auch bei unseren Spargelnachbarn haben wir nichts entdeckt. Spargelspezialist Matthias Joest stimmt uns trotzdem zuversichtlich. Ab spätestens Anfang nächster Woche soll es losgehen. Und zum Beweis, dass tatsächlich Spargel in unserem Damm wächst, gräbt er ein tiefes Loch, aus dem am Ende zwei weiße Mini-Spargelspitzen herausluken.

Mann beim Spargelstechen
Matthias Joest legt Jungspargel frei. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Um den Spargel zu ernten, werden wir künftig unseren Damm täglich auf beiden Seiten ablaufen. Einmal 280 Meter runter und dann 280 Meter wieder rauf. Joest rechnet mit etwa fünf Kilogramm Ernte pro Tag. Wenn es gut läuft, sind bis zu 15 Kilogramm am Tag möglich - sodass wir in der Saison auf 400 Kilogramm Rohware kommen können. Nur gut, dass wir viele Freunde haben, die gerne Spargel essen. Unser tägliches Werkzeug wird in den nächsten Wochen eine Maurerkelle, ein Spargelmesser sein.

Spargelspitze schaut aus dem Boden
Eine Spargelspitze schaut aus dem Boden. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Gearbeitet wird mit oder ohne Handschuhe. Da wir keine geübten Spargelbäuerinnen sind, empfiehlt uns Joest den Spargel tiefer freizulegen, um ein Gefühl für die Stangen zu bekommen. Im Gegensatz zu geübten Erntehelfern, sollen wir den Spargel sozuzusagen freilegen und mit dem Spargelmesser abstechen. Geübte Spargelstecher gehen von oben parallel zur Stange rein und holen Stange für Stange raus.

131 Spargelreihen sind vermietet

Außer uns sind noch zahlreiche andere Thüringer mit am Start. Insgesamt hat die Agrargesellschaft 131 Spargelreihen vermietet. Mit mehr oder weniger Erfahrung teilen wir uns nun das sieben Hektar große Feld mit Nachbarn aus Herbsleben, Mühlhausen, Eisenach oder auch Erfurt. Manche haben auch mehrere Reihen gemietet - zum Teil bis zu fünf. Das liegt wahrscheinlich an mehr Zeit, die viele jetzt durch die Corona-Krise haben, die sie sinnvoll nutzen wollen.

Kamerateam filmt Frau auf Spargelfeld
Sandra Voigtmann mit einem Kamerateam vom MDR THÜRINGEN JOURNAL. Bildrechte: MDR/Jana Hildebrandt

Für uns geht es nach den ersten Spargelspitzen erst einmal wieder ins Büro zum normalen Arbeitsalltag. Wenn die Wetteraussichten so bleiben, wird sich das allerdings bald ändern und wir werden nach unserer Arbeit, Stift und Computer ruhen lassen und zu Maurerkelle und Spargelmesser greifen.

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. April 2020 | 19:00 Uhr

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