Tennet informiert Schwaches Bürgerinteresse an Südlink

Große Aufregung, doch verhaltenes Bürgerinteresse bei den meisten Info-Abenden: Mit einer Veranstaltung im Landratsamt in Bad Salzungen hat die Info-Tour des Netzbetreibers Tennet in Thüringen am Donnerstagabend erst einmal ihr Ende gefunden. Seit dem 27. Oktober hatte der Energiekonzern interessierte Bürger über das Vorhaben informiert, eine Erdkabel-Leitung von der Nordsee bis nach Baden-Württemberg zu verlegen.

Landräte wollen sich gegen Erdkabel-Pläne zusammenschließen

In Bad Salzungen kündigte Landrat Reinhard Krebs gleich bei der Begrüßung an, das Vorhaben sehr kritisch zu begleiten und nach Kräften zu verhindern. Das Unternehmen gehe überfallartig und chaotisch vor, die Belastung sei für die Region nicht machbar. Krebs hat bereits die Landräte der betroffenen Kreise eingeladen, um sich gegen das Projekt zusammenzuschließen. Die Planer bekamen am Donnerstagabend viele Einwände zu hören: Landwirte sorgten sich um ihre Böden, Waldbesitzer fürchteten Enteignung. Andere Zuschauer erinnerten an die Erdfall-Gefahr in der Region.

Tennet-Projektleiter Christoph Thiel wies darauf hin, dass die Planung ganz am Anfang stehe. Noch seien die verschiedenen Trassen nicht bewertet und verglichen worden. Unternehmenssprecherin Ulrike Hörchens sagte, auf allen Veranstaltungen in Thüringen habe es viele Fragen und Hinweise gegeben - allerdings waren nach ihrem Eindruck die Runden südlich des Rennsteigs stärker besucht und verliefen emotionaler als in Nordthüringen.

In Mühlhausen etwa kritisierte der Bürgermeister von Großengottern, Thomas Karnofka, die Bauernschaft des Landkreises. Es sei "beschämend", dass nur wenige Landwirte anwesend seien. Immerhin werden die Kabel - sollten sie nach Thüringen kommen - größtenteils unter landwirtschaftlich genutzten Flächen verlegt werden. Von dem Projekt könnten fünf Landkreise in Nord- und Westthüringen betroffen sein.

Tennet: "Das Projekt ist nicht gefährdet"

Wer indes erschien, erwies sich meist als Gegner des Zehn-Milliarden-Euro-Projektes. Die Palette der Argumente reichte dabei von diffusen Ängsten ("Das ist bestimmt ungesund"), über Sorgen ums Eigentum ("Kann ich mein Land noch nutzen, wenn ein Kabel drin liegt"), über Widerstände des Naturschutzes ("Wenn direkt über einem Kabel die Erde drei Grad wärmer ist, welche Auswirkungen hat das dann auf Fauna und Flora auf sensiblen Flächen") bis hin zu Verschwörungstheorien des Sömmerdaer Landrats Harald Hennig ("Weil die Trasse keinen Wert für den Landkreis hat, hat man sie in den Osten verschoben").

Verschiedene Korridore für Stromtrasse möglich

Modell einer Baustelle für die Verlegung des Erdkabels für die Stromtrasse SuedLink.
Modell einer Baustelle für die Verlegung des Erdkabels. Bildrechte: MDR/Thomas Kalusa

Es sind Argumente, mit denen Tennet leben kann. Pressesprecherin Hörchens sagte, Ziel sei es, die Planungen zu verbessern. "Es geht aber nicht darum, den Bedarf oder die Notwendigkeit zu diskutieren. Das Projekt ist nicht gefährdet", ergänzte sie. Und in diesem Sinne seien die Bürgerveranstaltungen gut gelaufen. Einerseits habe Tennet wertvolle Hinweise erhalten, was auf möglichen Korridoren noch zu beachten wäre. Andererseits habe das Unternehmen aus den Veranstaltungen das Gefühl mitgenommen, zumindest einigen Sorgen und Bedenken bei den Anwohnern entgegengetreten zu sein. 

Die Hinweise, Widersprüche und Bedenken sollen nun in die Feinplanung der Leitungstrasse einfließen. Ost-Hessen oder West-Thüringen? Beides ist noch möglich. Wenn im kommenden Jahr ein favorisierter Trassen-Korridor ermittelt worden ist, werden neue Informationsveranstaltungen folgen.  

Mein Tag ohne Strom
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Auf der Karte sind ausschnittsweise die Vorschläge zu möglichen Korridoren zu sehen, die Thüringen berühren. Die Korridore sind als schematisch anzusehen und sind in den Details (< 10 km) nur angenähert. Quelle: TenneT.

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2016, 08:09 Uhr

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4 Kommentare

05.11.2016 12:42 Thüringer Original 4

@Martin: Das tun die Netzbetreiber schon jetzt. Desewgen wird der Strom schon wieder 5€ je 1000 kW teurer.

04.11.2016 08:51 Martin 3

ich hoffe, dass die jeweiligen Verteil- und auch die beiden Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW entsprechend reagieren und die Netznutzungsgebühren in den "Widerstandsgebieten" entsprechend anpassen und um ein vielfaches erhöhen. Sollen die Bürger doch selbst zusehen, wo sie ihren Strom herbekommen.