Wiederaufbau lohnt nicht Nach Brand: Offizierskasino Weimar soll abgerissen werden

Autorenbild Conny (Cornelia) Mauroner
Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Das ehemalige Offizierskasino im Norden der Stadt Weimar ist nicht mehr zu retten. Nach dem Brand im August 2020 soll das denkmalgeschützte Haus nun abgerissen werden. Die Landesentwicklungsgesellschaft als Verwalter hat einen entsprechenden Antrag gestellt.

Verbrannte Holzbalken liegen vor einer angekokelten Tür
Nach dem Feuer im ehemaligen Offizierskasino in Weimar ist das Gebäude einsturzgefährdet. (Archivfoto) Bildrechte: MDR/Conny Mauroner

Es waren Bilder, die an den Brand der Anna-Amalia-Bibliothek 2004 erinnerten. Meterhohe Flammen schlugen aus den Fenstern des riesigen Gebäudes. Sie fraßen sich durch die Dachhaut des ehemaligen Offizierskasinos. Nur, anders als bei Amalia, stand dieses Objekt leer. Zumindest offenbar.

Lange Zeit war unklar, ob sich nicht doch zum Zeitpunkt des Feuers Personen im Haus befanden. Schließlich wurde das Haus regelmäßig von Obdachlosen genutzt. Davon zeugten auch Spuren auf dem Gelände: Einkaufswagen, Zigarettenstummel und frische Graffiti. Spürhunde sollten herausfinden, ob nicht doch Menschen zu Schaden kamen. Doch sie kamen tagelang nicht hinein. Zu groß war die Hitze, zu gefährlich der Zutritt. Erst sehr viel später gab es Entwarnung. Es wurde keine Leiche gefunden.

Feuer war Brandstiftung

Die Polizei hat die Ermittlungen wegen Brandstiftung aufgenommen. Denn schnell war klar: Selbstentzündung war es nicht. Das Haus war von jeglichen Medien, wie Strom und Wasser abgetrennt. Auch Drohnenaufnahmen der Polizei bestätigten die These: Es muss Brandstiftung gewesen sein. Im linken Flügel des 5.000 Quadratmeter großen Gebäudes wurde der Brandherd ausgemacht.

Bilder vom Feuer im August 2020 Großbrand auf ehemaligem Gelände der Sowjetarmee in Weimar

Abgebrannt ist in der Nacht zu Donnerstag ein Gebäude auf dem früheren Gelände der Sowjetarmee in Weimar. Die Flammen waren weit zu sehen. Die B7 zwischen Ettersburger Straße und Industriestraße wurde nachts gesperrt.

Feuerwehrautos stehen auf einer Straße
In Flammen stand in der Nacht zu Donnerstag ein Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der Sowjetarmee in Weimar. Bildrechte: MDR/Johannes Krey
Feuerwehrautos stehen auf einer Straße
In Flammen stand in der Nacht zu Donnerstag ein Gebäude auf dem ehemaligen Gelände der Sowjetarmee in Weimar. Bildrechte: MDR/Johannes Krey
Luftbild eines großen Feuers, umgeben von Bäumen
Beim Eintreffen der Feuerwehren brannte der Dachstuhl bereits komplett. Wie die Landeseinsatzzentrale mitteilte, hatte ein Anwohner das Feuer gemeldet. Bildrechte: MDR/Johannes Krey
Feuerwehrleute löschen von einer Leiter aus
Die Feuerwehr konnte das Gebäude nur noch kontrolliert abbrennen lassen. Bildrechte: MDR/Johannes Krey
Luftbild eines in Flammen stehenden Gebäudes
Seit dem Abzug der Sowjetarmee wurde der Gebäudekomplex verschieden genutzt, meist als Lager für Firmen. Zuletzt stand das Gebäude leer. Dennoch könnte der Schaden enorm sein, denn das Gebäude ist eines von Weimars Einzeldenkmälern. Es stand unter besonderem Schutz. Bildrechte: MDR/Johannes Krey
Feuerwehrleute löschen mit Spritze des Feuerwehrautos
Die B7 wurde zwischen Ettersburger Straße und Industriestraße aufgrund der Löscharbeiten gesperrt. Bildrechte: MDR/Johannes Krey
Ein Feuerwehrmann hält einen Wasserstrahl in ein brennendes Gebäude
Brandursache und Höhe des Schadens waren Donnerstagmorgen noch unklar. Bildrechte: MDR/Johannes Krey
Löschfahrzeug vor ausgebranntem Gebäude
Bis in den Vormittag hinein musste die Feuerwehr Glutnester nachlöschen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Feuerwehrkran vor einem ausgebrannten Gebäude
Die Polizei konnte daher den Schaden nur von außen in Augenschein nehmen. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
Verbrannte Holzbalken liegen vor einer angekokelten Tür
Spürhunde sollen ausfindig machen, ob sich jemand zum Zeitpunkt des Brandes in dem Gebäude aufgehalten hat. Bildrechte: MDR/Conny Mauroner
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. August 2020 | 08:00 Uhr

Laut Staatsanwaltschaft fiel der Verdacht auf einen obdachlosen Mann. Er soll in Streit geraten sein, mit einem seiner Kumpanen. Der andere Obdachlose hat wohl regelmäßig im Offizierskasino gehaust. Eine Theorie der Ermittler geht von Rache aus. Doch bestätigt werden kann diese nie. Der Verdächtige ist inzwischen gestorben, die Ermittlungsakte zugeklappt. Im Dezember hat die Staatsanwaltschaft das Gelände freigegeben.

LEG: Wiederaufbau lohnt nicht

Die Landesentwicklungsgesellschaft hat schnell entschieden: Ein Wiederaufbau - der lohnt nicht. Zu sehr ist das denkmalgeschützte Objekt beschädigt. Das Haus soll nun abgerissen werden. Einen entsprechenden Antrag hat die LEG bei der Thüringer Staatskanzlei gestellt. Der Freistaat als Eigentümerin muss den Abriss genehmigen.

Und auch die Denkmalschützer werden gefragt. Auch sie müssen der Beräumung zustimmen. Das Objekt stand unter Denkmalschutz und für viele Weimarer hatte es einen ideellen Wert. Es war ein Haus voller Geschichte: Von der Wehrmacht erbaut, von den Russen genutzt und nach der Wende von der Klassik Stiftung als Lagerstätte geschätzt.

Was nun mit dem Gelände passieren soll, müssen Stadt und LEG entscheiden. Gespräche dazu werden wohl in den kommenden Wochen und Monaten laufen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tage | 17. Januar 2021 | 18:05 Uhr

4 Kommentare

Harka2 vor 6 Wochen

Das Casino im Wald vpm Nohra war auch denkmalgeschützt und was hat es ihm genutzt? Es wurde "aus Versehen" mit weggebaggert ...
.
Im Städtchen Plaue gab es seit der Wende 4 Großbrände. Es traf die alte Pozellanmanufaktur, die Brauerei, die Massenmühle und den Bürokomplex der Mineralquelle Plaue. Alle vier Immobilien waren nach der Wende an die Familie deren von Schierholz rückübertragen worden und alle vier vielen Branstiftungen zum Opfer. Zufälle gibt es ...

xxy21 vor 6 Wochen

Das Volkshaus ist für eine warmen Abbruch nicht geeignet, zu nah an bewohnten Gebäuden. Und was sollte man mit diesem Grundstück dann machen? Ein Pflegeheim könnte noch dorthin passen, aber die verpflichtende Schaffung einer Anzahl Parkplätze wäre wohl nicht so einfach. Und ob man die Stadt an dieser Stelle so in der Stellplatzfrage aushungern kann wie die Hamburger Investoren in der Schillerstraße, bleibt fraglich.

Aber zur früheren russischen Mittelschule zurück: Ist über den Fortgang der Dinge wirklich jemand erstaunt? Wäre es nicht an der Zeit zu wetten, welcher Bau- oder Möbelmarktinvestor die Landesentwicklungsgesellschaft von der Last dieses Grundstückes erlöst und den Neid sämtlicher Berufsgenossen auf sich zieht? Vielleicht kommen nun wenigstens nicht noch mehr Billigheimer. Die sind ja gerade erst an der Nordstraße in einen Neubau gezogen.

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 6 Wochen

„ Der Verdächtige ist inzwischen gestorben, die Ermittlungsakte zugeklappt.
Im Dezember hat die Staatsanwaltschaft das Gelände freigegeben. “


....geht das immer so schnell ? Zeugen tot — Ermittlungen eingestellt ? Nach gut einem Viertel Jahr ? Nun ja, eine Leiche hat man im Inneren nicht gefunden ....
...und auch wirkliches Interesse scheint bei der LEG zu keiner Zeit bestanden
zu haben, das in ihrem Besitz befindliche Gebäude (mit Grundstück ?)
wertsteigernd zu vermarkten ?

Wer mußte den Feuerwehreinsatz bezahlen ? Warum gibt es
in unserem reichen Deutschland noch immer Obdachlosigkeit ?

Was wird aus dem Weimarer Volkshaus werden ? Auch ein Brandopfer, bei dem
- nach erfolgreicher „Heißsanierung“ - die Ermittlungsakten vorschnell von den Staatsanwaltschaften zugeklappt werden ? Der Zustand des Hauses auf der Kulturliste als „Weimarer Einzeldenkmal“ schützt ja nicht vor dem weiteren
Verfall
und den Thueringer Genoss:innen dürften die finanziellen Mittel fehlen....

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