Handwerk aus Thüringen Der "Ledertempel" in Weimar

Autorenbild Grit Hasselmann
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Eigentlich sollten sie ihre Produkte auf Weihnachtsmärkten verkaufen, doch Corona lässt das nicht zu. In unserer Serie über Thüringer Traditionshandwerker und Handwerkerinnen stellen wir diesmal einen Lederschneider vor. In Weimar betreibt Klaus Stöbel seinen "Ledertempel".

Ein Mann mit Brille und Wollmütze hält eine Ledertasche in die Kamera
Lederschneider Klaus Stöbel betreibt seit vielen Jahren den "Ledertempel" in Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Wegen der Liebe war Klaus Stöbel damals nach Weimar gekommen und er hat das in 21 Jahren nie bereut. Seine kleine Werkstatt platzt zwar inzwischen aus allen Nähten, das Weihnachtsgeschäft läuft aber gut, so dass er vielleicht im Januar ein wenig Platz für Neues hat. "Eigentlich wäre ich ja in Quedlinburg auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Aber als klar wurde, dass das nicht geht, haben mich Leute angerufen, die mich eigentlich dort treffen wollten, und haben Weihnachtsgeschenke in Auftrag gegeben."

Breites Repertoire in der kleinen Werkstatt

Kaufen kann man hier alles vom Gürtel über Kinderschuhe, Mützen und Taschen bis hin zu Kleidung aus Leder. Und das ist pflegeleichter, als man denkt. Denn laut Klaus Stöbel kann man fast jedes Leder waschen: "Im Grunde so wie einen zarten Wollpullover. Mit Shampoo und wenig Wasser. Verschmutzte Stellen kann man mit einem weichen Tuch bearbeiten und am Ende wringt man das Ganze sanft aus. Getrocknet wird es dann liegend, am besten auf dem Wäscheständer. Auf keinen Fall auf der Heizung."

In der Werkstatt von Klaus Stöbel

Ein Tisch voller Lederutensilien: Schuhe, Hüte, Handschuhe, Gurte und vieles mehr
Ob Schuhe, Hüte, Handschuhe, Gürtel oder Taschen - in seinem "Ledertempel" in Weimar stellt Klaus Stöbel alles mögliche aus Leder her. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Ein Tisch voller Lederutensilien: Schuhe, Hüte, Handschuhe, Gurte und vieles mehr
Ob Schuhe, Hüte, Handschuhe, Gürtel oder Taschen - in seinem "Ledertempel" in Weimar stellt Klaus Stöbel alles mögliche aus Leder her. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Ein großer Tisch in der Werkstatt. Darauf viele Notizbücher, Zettel und Skizzen. Im Hintergrund eine Wäschestange voller Ledergürtel.
Ob Auftragsarbeit oder Eigenkreation: Alles beginnt hier am Schreibtisch als Notiz oder Skizze. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Ein Mann mit Brille und Wollmütze begutachtet ein großes Lederstütck, das ausgebreitet auf einem Werktisch liegt
Danach gilt es das richtige Leder auszuwählen, ... Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Ein Wandbrett voller Fadenspindeln
das richtige Garn zu finden und schließlich ... Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Eine alte olivgrüne Nähmaschine mit Aufschrift Pfaff
..geht es an die Nähmaschine, wo der Lederschneider die meiste Zeit des Tages verbringt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 13. Dezember 2020 | 08:20 Uhr

Lieber reparieren als wegwerfen

Das Besondere: Klaus Stöbel legt Wert auf Nachhaltigkeit. Deshalb repariert er auch sehr viele Dinge. Den Reißverschluss am Lieblingsrucksack, das Futter der Jacke oder den Gürtel, den jemand noch von seinem Vater hat - der Lederschneider kriegt alles wieder hin.

Und auch seine allererste Arbeit war sozusagen eine "Zweitverwertung": "Ja, ich hab damals eine Lederhose gesehen, die mir total gut gefallen hat, ich konnte sie mir aber nicht leisten. Dann hab ich einen alten Ledermantel auf dem Flohmarkt entdeckt und mir daraus eine Hose genäht. Von Hand!" Auf diese Hose wurde er so oft angesprochen, dass er schließlich ein Geschäft daraus gemacht hat, das er bis heute betreibt.

Insgesamt beobachtet er, dass viele Menschen durch Corona ihre Haltung zu Dingen überdenken. Die Wertschätzung steigt in Zeiten, in denen das ganze Leben sich derartig verändert. Und irgendwie passt dazu auch sein ganz persönlicher Weihnachtswunsch: "Ich wünsche mir, dass die Menschen lernen, ihre Herzen zu öffnen."

Ein Tisch voller Lederutensilien: Schuhe, Hüte, Handschuhe, Gurte und vieles mehr
Keine Wegwerfprodukte: In der Krise steigt die Wertschätzung für das traditionelle Handwerk. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Und hier im Ledertempel, zwischen alten Nähmaschinen, einem Glas mit grünem Tee und Regalen voller Leder, scheint dieser Wunsch gar nicht so schwer zu erfüllen zu sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 13. Dezember 2020 | 08:20 Uhr

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