Jubiläum 2019 Bauhaus-Jahr beschert Thüringen touristischen Erfolg

In Thüringen steht die Wiege des Bauhauses: Hier fing 1919 in Weimar das an, was später Architektur und Kunst weltweit revolutionieren sollte. Das Land Thüringen feierte daher 2019 das 100-jährige Jubiläum mit einem Bauhaus-Themen-Jahr. Gäste aus aller Welt waren eingeladen, um in Weimar, aber auch an vielen anderen Orten den Spuren zu folgen, die das Bauhaus hinterlassen hat. Für den Tourismus in Thüringen war das Bauhaus-Jahr jedenfalls ein Erfolg.

"Phänomenal. Die Erwartungen sind sämtlich übertroffen worden." Bärbel Grönegres, Leiterin der Thüringer Tourismus GmbH (TTG), kommt regelrecht ins Schwärmen, fragt man sie nach den Ergebnissen des Bauhaus-Jahres für Thüringen. Laut Grönegres hat das Themen-Jahr viele Gäste aus dem In- und Ausland angezogen. Publikumsmagnet waren vor allem Weimar und das neue Bauhausmuseum. Hier wurden seit dessen Eröffnung im April bis 30. November 252.000 Besucher gezählt. "Und das hat sich auch in den Übernachtungen niedergeschlagen", freut sich Grönegres. "Die Besucher- und Übernachtungszahlen haben sich enorm erhöht."

Thüringen zählt mehr Übernachtungen im Bauhaus-Jahr

In Zahlen heißt das: Thüringenweit stiegen bis einschließlich September die Ankünfte und Übernachtungen um 4,6 Prozent. In Weimar sogar um knapp 20 Prozent. Insgesamt rechnet Grönegres für dieses Jahr mit mehr als zehn Millionen Übernachtungen im Freistaat.

Laut der TTG-Chefin haben nicht nur Weimar, sondern auch viele andere Orte vom Bauhaus-Jahr profitiert. Wie etwa die Töpfer-Werkstätten in Bürgel. Und: Für das Themen-Jahr bot Thüringen auch die sogenannte Bauhaus-Card an. Sie kostete elf Euro und konnte als Eintrittskarte für das Bauhausmuseum, aber auch für andere Sehenswürdigkeiten in Thüringen genutzt werden. Die Karte wurde ein Erfolg: "Die aktuellen Verkaufszahlen liegen bei über 150.000 Karten, mit 250.000 Nutzungen", so Grönegres. "Die meisten Besucher mit Bauhaus-Card hatten die Wartburg und die Ega in Erfurt. Also, die klassischen Touristenziele wurden auch noch mal von den Bauhaus-Interessenten besucht."

Ausgebucht: "Haus des Volkes" musste Besucher wegschicken

Unter den stark frequentierten Zielen war auch das Hotel "Haus des Volkes" in Probstzella im Kreis Saalfeld-Rudolstadt. Das Hotel wurde 1927 von dem Bauhaus-Architekten Alfred Arndt errichtet. 2003 wurde es restauriert. "Wir können mit dem Bauhaus-Jahr sehr zufrieden sein", sagt Hotel-Miteigentümer Dieter Nagel. "2019 war das beste Jahr seit der Wiedereröffnung. Wir hoffen, dass dieser Besucherstrom nicht abebbt, sondern so weitergeht." Laut Nagel war die Nachfrage so groß, dass Gäste zum Teil wieder weggeschickt werden mussten, weil alle Zimmer belegt waren. Die Gäste kamen bis aus China und den USA: "Es gab einzelne, die mit dem Flugzeug weite Strecken überwunden haben, nur um hier in Probstzella das Haus des Volkes zu sehen, das hat mich beeindruckt." Um auch 2020 Gäste anzulocken, eröffnet das Hotel am 18. Dezember eine neue Ausstellung über den Architekten Arndt.

Bauhaus-Serie: 1920er liegen im Trend

TTG-Chefin Grönegres hatte eigentlich damit gerechnet, dass es zum Bauhaus-Jahr vor allem Designer, Architekten und Künstler nach Thüringen ziehen würde. "Aber durch Medienberichte und eine TV-Doku-Serie wurden viele Menschen angesprochen. Und die 20er-Jahre sind ohnehin im Trend, da hat alles gepasst", so Grönegres. Auch die Eröffnung des Bauhausmuseums in Dessau habe den Gästestrom in Thüringen nicht abebben lassen. "Im Gegenteil. Wir hatten eher das Gefühl, dass die Besucher von Dessau auch noch mal nach Weimar gekommen sind."

Die ausländischen Gäste kamen laut Grönegres aus Österreich, der Schweiz, Frankreich und Italien. "Die internationalen Besucherzahlen haben sich fast um sieben Prozent erhöht. So haben wir einen weiteren kleinen Bekanntheitsbaustein hinzugefügt und sind bei vielen erst mal auf die Landkarte der Reiseziele gerutscht."

Aufwärtstrend im Thüringer Tourismus

Auch Dirk Ellinger vom Hotel- und Gaststättenverband in Thüringen ist zufrieden mit dem Bauhaus-Jahr. Damit seien neue Kundengruppen erschlossen worden. Allerdings war laut Ellinger das Bauhaus-Jahr nicht der einzige Grund für die guten Geschäfte. Thüringen sei auch insgesamt attraktiver geworden. Zum Beispiel wegen des ICE-Knotens Erfurt.

Für 2020 hat Grönegres nicht ganz so hohe Erwartungen: "Wir haben Jahre dazwischen, wo es ein klein wenig zurückgeht. Dafür sind wir im Jahr darauf umso stärker geworden. Und wenn man die Linie seit 1990 sieht, dann gibt es eigentlich nur eine Richtung, und die geht nach oben."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus der Region Weimar - Apolda - Naumburg

Mehr aus Thüringen

Eine Frau steht vor Gerüsten und Absperrgittern aus Holz und Metall 2 min
Bildrechte: MDR/Katharina Melzer

Der Hindernis-Lauf "Getting Tough" lockt am Samstag motivierte Freizeitsportler nach Oberhof. Es gelten strenge Hygieneauflagen. 800 Teilnehmer werden erwartet.

Mi 23.09.2020 12:20Uhr 02:09 min

https://www.mdr.de/thueringen/sued-thueringen/schmalkalden-meiningen/video-getting-tough-training-oberhof-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video