Bauhausmuseum Weimar
Auf dem Dach des Museums soll dereinst eine Solaranlage stehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dach mit offenen Fragen Solaranlage für neues Bauhaus-Museum bleibt "Vorhaben"

Die Planer des neuen Bauhaus-Museums in Weimar hatten für das Dach des Gebäudes eine Solaranlage vorgesehen. Weil die Erbauer des Museums an die Grenzen des Budgets gekommen waren, wurde dieses Vorhaben mehrfach zurückgestellt.

von Loréne Gensel

Bauhausmuseum Weimar
Auf dem Dach des Museums soll dereinst eine Solaranlage stehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wer ein Haus baut, kann selten sicher sein, wie viel es am Ende wirklich kosten wird. Die Planer und Erbauer des neuen Bauhaus-Museums in Weimar hatten ein Budget von 22,6 Mio. Euro. Für dieses Geld wollten sie den von Bund und Land finanzierten Bau unter anderem mit einer Solaranlage auf dem Dach ausstatten. Doch 2014 wurde die gestrichen. Die Klassik-Stiftung Weimar stand vor der Aufgabe, die Kosten für das prestigeträchtige Gebäude nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.

Der bei der öffentlich-rechtlichen Stiftung für Schlösser, Gärten und Bauten zuständige Direktor Johann Philipp Jung versichert: Die Stromerzeugung auf dem Dach ist trotzdem nie aus dem Blick geraten. Das Museumsgebäude sei, so Jung, mit allen notwendigen Anschlüssen versehen. Ein großer Teil der Dachfläche wurde für Solarmodule freigehalten. Was bis heute nicht zur Verfügung steht, ist das Geld für die Anlage.

Solaranlage wurde als "nachranging" eingestuft

Als 2015 die Entscheidung fiel, die Solaranlage nicht aus dem Budget für das Museumsgebäude zu bauen, boten die Stadtwerke Weimar an, die Investition zu übernehmen. Modelle, bei denen externe Investoren große, attraktive Dächer mieten, dort Solaranlagen bauen und den erzeugten Strom an den Betreiber des Gebäudes verkaufen, sind heutzutage gang und gäbe. Doch Ende 2017 zogen sich die Stadtwerke Weimar zurück.

Johann Philip Jung
Bauhausdirektor Johann Philip Jung Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Bürgerenergiegenossenschaft Weimar findet das Museumsdach attraktiv. Der Vorstand bot an, dass die Genossenschaft anstelle der Stadtwerke investiert. Man habe das durchgerechnet, aber verworfen, bestätigt Direktor Johann Philipp Jung. "Die Bürgerenergiegenossenschaft hätte die Anlage gebaut und hätte das Ganze über einen hohen Strompreis refinanziert. Da ist es für uns günstiger, es selbst zu machen."

Damit war man am gleichen Punkt angekommen wie 2014: Solaranlage? Gern! Nur von welchem Geld? In der Debatte um die Mehrkosten für das Museum war die Solaranlage immer wieder Thema. Als Vorhaben, das eben später realisiert werden muss. Genau wie die Fassadenbeleuchtung, die nach den geänderten Plänen für die Außenhaut des Gebäudes ins Spiel kam. Kurz vor Abschluss der Bauarbeiten sagt Stiftungs-Direktor Jung, habe man entscheiden müssen: Was muss zwingend umgesetzt werden und was ist nachrangig? Die Fassadenbeleuchtung hat die Klassik-Stiftung aus ihrem laufenden Haushalt bezahlt. Für die mit 130.000 Euro veranschlagte Solaranlage hat das Geld nicht gereicht.

Den Weimarer Matthias Golle regt das richtig auf. Er hat deshalb einen offenen Brief an die Präsidentin der Klassik-Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz, geschrieben. Golle ist Absolvent der Bauhaus-Uni Weimar, Mitglied im Vorstand der Weimarer Bürgerenergiegenossenschaft, Vater von drei Kindern und beruflich wie privat sehr engagiert für den Klimaschutz. Seit 2015 hatte er die Klassik-Stiftung - unentgeltlich und ehrenamtlich - bei der Planung der Solaranlage beraten und bei der Suche nach Lösungen unterstützt. "Zu sehen, dass nach jahrelangen Bemühungen nicht mal die Errichtung einer Solarstromanlage auf einem so prestigeträchtigen und international beachteten Neubau gelingt und das Bauhaus Museum stattdessen ausschließlich abhängig ist von fossilem BHKW- oder Netzstrom, ist ehrlich gesagt mehr als enttäuschend." schreibt Golle in dem besagten Brief.

Es fehlt noch der Bund als Geldgeber

Auf Anfrage von MDR THÜRINGEN hat die Klassik-Stiftung Weimar versichert, dass die Solaranlage noch gebaut werde. Das dafür notwendige Geld werde fließen, wenn die beantragten Mehrkosten, die beim Bau des Museums anfielen, bewilligt seien. Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff hat versichert, sein Ziel sei, dass die Anlage auf jeden Fall gebaut wird. Das Land habe für die notwendigen Mehrkosten seine Zustimmung schon gegeben. Was jetzt noch fehle, sei das Ok vom Bund als zweiter Geldgeber.

Die Klassik-Stiftung rechnet für den Frühsommer 2020 mit dem Baustart. Im besten Fall würde die Anlage so 15 Monate nach Eröffnung des Museums Strom produzieren. Derzeit liefern die Stadtwerke Weimar die nötige Energie. Matthias Golle rechnet vor, dass beim Verbrauch einer Kilowattstunde Strom aus dem Mix des städtischen Versorgers 336 Gramm Kohlendioxid anfallen. "In diesen 15 Monaten hätte die Anlage 75.000 Kilowattsunden CO2-freien Sonnenstrom erzeugen können." so Golle. "Damit hätten 25 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden können." In einer Zeit, in der eine ständig wachsende Zahl von Wissenschaftlern immer eindringlicher vor den Folgen des Klimawandels warnt, enttäusche es ihn zutiefst, wenn für ein öffentlich finanziertes, international beachtetes, nagelneues Gebäude wie das Bauhaus-Museum die CO2-Bilanz nachrangig sei.

Die Klassik-Stiftung widersprach jedoch den Aussagen Golles. Alle Liegenschaften der Stiftung - und damit auch das Bauhaus-Museum - würden von der Thüringer Energie AG (TEAG) "mit 100 Prozent Ökostrom" versorgt, teilte ein Sprecher mit.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir im Vorspann geschrieben, dass das Bauhausmuseum vorläufig mit Strom versorgt werde, der zu mehr als 50 Prozent aus fossilen Brennstoffen und Kernenergie gewonnen wird. Nach Veröffentlichung dieses Artikels teilte uns die Klassik-Stiftung mit, dass alle ihre Liegenschaften ausschließlich mit Ökostrom versorgt würden. Wir haben den Artikel um eine entsprechende Information im letzten Absatz ergänzt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dvs/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. November 2019, 18:00 Uhr

1 Kommentar

beyer vor 3 Wochen

Da frage ich mich, ob die Baugenehmigung bzw. die Bauabnahme überhaupt rechtens ist. Wenn die Solaranlage mit eingeplant war wurde sie doch bestimmt auch mit eingerechnet???

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