Bildung Erster Betriebskindergarten in Weimar eröffnet

Thüringen hat einen sechsten Betriebskindergarten: In Weimar ist am Montag eine solche Einrichtung eröffnet worden, die Unternehmen mitfinanziert haben. Im Gegenzug haben die Firmen Anrecht auf Plätze.

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von Cornelia Mauroner

Im Norden von Weimar ist der erste Betriebskindergarten der Stadt eingeweiht worden. Vier ortsansässige Firmen haben den Neubau maßgeblich mitfinanziert. Dafür sind 40 der 72 Plätze in der Einrichtung künftig für Kinder von Mitarbeitern dieser Firmen reserviert.

So wurde der Neubau finanziert

Kinder und Betreuerinnen des ersten Weimarer Betriebskindergartens Gipfelstürmer
Kinder und Betreuerinnen des ersten Weimarer Betriebskindergartens "Gipfelstürmer". Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Den Löwenanteil der Investitionskosten stemmte der Betreiber der Einrichtung, das Trägerwerk Soziale Dienste. Das Sozialunternehmen nahm dafür einen Kredit über eine Million Euro auf. Mehr als 400.000 Euro schossen die Firmen zu - die Bayer AG, die in Weimar ein Medikamentenwerk betreibt, der Verfahrenstechnik-Spezialist Glatt Ingenieurtechnik, das gemeinnützige Unternehmen Institut für Angewandte Bauforschung Weimar gGmbH und die Stadtwerke. Ebenfalls 400.000 Euro kamen als Fördermittel vom Bund.

Warum der Kindergarten "Gipfelstürmer" heißt

Waschtisch im ersten Weimarer Betriebskindergartens Gipfelstürmer
Waschtisch im Betriebskindergarten "Gipfelstürmer". Bildrechte: MDR/Cornelia Mauroner

Der Kindergarten wurde in unmittelbarer Nähe zur Hauptfeuerwache Weimar und einer Kletterhalle gebaut: auch deshalb der Name "Gipfelstürmer". Ein Motto, was sich übrigens durch die gesamten Räume zieht. Die Waschbecken sind der Form eine Berges nachempfunden und im Bewegungsraum gibt es eine große Kletterwand. Fragt man die Kinder, ist das auch der Lieblingsort - neben der Puppenecke.

Bisher werden 32 Kinder betreut

550 Quadratmeter ist das eingeschossige Gebäude groß, die Außenanlagen messen 3.500 Quadratmeter. Noch tummeln sich hier erst 32 Kinder - Nachwuchs von Angestellten der Investoren sowie zehn Migrantenkinder aus dem benachbarten Flüchtlingsheim, erzählt Kita-Leiterin Anett Radecker. Die jetzt sechs Mitarbeiterinnen werden neue Kolleginnen bekommen. Ist der Kindergarten voll belegt, soll die Mannschaft aufs Doppelte wachsen.

Warum die Firmen auf den Kindergarten drängten

Die Investoren waren zur Eröffnung sehr zufrieden. Sie sind nicht ohne Geschenke gekommen: Es gab Laufräder und Spielzeugbagger. Sechs Jahre lang haben die vier Unternehmen um den Betriebskindergarten gerungen. Es gab viele Gespräche, eine schwierige Standortsuche und im September 2018 dann endlich den Spatenstich.

Eigentlich war der Bedarf an Kindergartenplätzen in Weimar nahezu gedeckt, dennoch hält etwa Stadtwerke-Chef Otto einen solchen Kindergarten für nötig: Es gebe keinen anderen Kindergarten, der derart nah am Arbeitsort seiner Mitarbeiter und der der anderen Investoren sei. Außerdem locke die Kita mit tollen Öffnungszeiten für die Angestellten. Bei Bedarf mache die Tagesstätte bereits 5:30 Uhr auf und habe bis 18 Uhr geöffnet. Dass junge Eltern von der Kita auf Arbeit rasen oder aber erst später mit der Arbeit beginnen können, weil die Öffnungszeiten zu gering sind, habe ihn schon immer gestört, so Otto. Ein anderer Bonus, sagt er, sind die Schließtage, die es in dieser Kita nicht gibt: eine Ausnahmeerscheinung in Weimar.

Nur sechs reine Betriebskindergärten in Thüringen

Betriebskindergärten sind in Thüringen die Ausnahme. Zwar gibt es Kooperationen von Firmen und Kindergarten-Trägern, reine Betriebskitas gibt es nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums jedoch nur sechs, inklusive der neuen Kita in Weimar. Zum Vergleich: Insgesamt git es in Thüringen mehr als 1.300 Kindertageseinrichtungen. In Erfurt betreiben beispielsweise der Stromversorger TEAG, die Landesentwicklungsgesellschaft und die Thüringer Aufbaubank Betriebskindergärten. Kleinere Städte haben so etwas nicht. In Thüringen gibt es mehr kleine und mittelständische Firmen, für die sich ein Betriebskindergarten kaum lohnt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/cm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2019, 15:11 Uhr

1 Kommentar

weimarerer vor 4 Wochen

Betriebkindergärten gab es zu Ostzeiten schon immer in Weimar.
Der Westen erfindet ja alles neu.
War doch nicht alles so schlecht, wie immer geredet wird.

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