75. Jahrestag der Befreiung Trotz schwieriger Zeiten Opfer des KZ Buchenwald nicht vergessen

Am 11. April jährt sich die Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora zum 75. Mal. Eine große Gedenkfeier war geplant. Mehr als 40 Überlebende wollten dabei sein, sich noch einmal treffen, austauschen und erinnern. Doch die großen Gedenkfeiern wurden abgesagt. Die Gedenkstätte will aber trotz aller Probleme der Gegenwart die Opfer nicht vergessen.

Eindrücke von der Gedenkstätte Buchenwald
Am 27. Januar hatten Überlebende und Politiker in der Gedenkstätte Buchenwald Blumen niedergelegt zum Internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Kurz bevor die Amerikaner am 11. April 1945 im KZ Buchenwald eintrafen, flüchteten die SS-Wachmannschaften aus dem Lager und überließen die Häftlinge sich selbst. Ungläubig, erschöpft vom Grauen und dem Trauma des Erlebten, versuchten die zurückgebliebenen 21.000 Häftlinge nach der Befreiung ihr Leben im Lager fortzuführen, hunderte sterben noch in den ersten Wochen nach der Befreiung an den Folgen der Haft. Das KZ Buchenwald ist das erste intakte und nur teilweise geräumte Konzentrationslager, welches die Alliierten erreichen.

Gedenkfeier schweren Herzens abgesagt

Für den 5. April war eine große Gedenkfeier im deutschen Nationaltheater geplant. 42 Überlebende des Lagers hatten zugesagt, Flüge und Hotels waren gebucht.

Eindrücke von der Gedenkstätte Buchenwald
Insgesamt waren hier etwa 266.000 Menschen aus allen Ländern Europas inhaftiert. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Lange hatte man in der Gedenkstätte auf diesen Tag hingearbeitet. Doch dann kam das Corona-Virus. Die Lage änderte sich täglich, das Programm würde immer wieder überprüft und angepasst. Als dann aber immer mehr Gäste absagen mussten, entschied man schweren Herzens, die Feier abzusagen.

Dabei geht es um mehr als einen Jahrestag, wie der Leiter der Gedenkstätte, Volkhard Knigge, sagt: " Es ist uns etwas verlorengegangen, das man nicht nachholen kann. Es fehlt nicht das Event. Es fehlt etwas Substantielles. Sowohl auf der menschlichen Ebene, als auch auf der Ebene der gesellschaftlichen Orientierung. Gerade heute, wo in ganz Europa immer mehr nationalistische Bestrebungen um sich greifen."

Virtuelles Gedenken der Opfer geplant

Deshalb hat man die Gedenkfeier auf den 11. April verlegt und statt in der realen Welt soll er im virtuellen Raum stattfinden. Den historischen Tag zumindest "markieren", so nennt es Volkhard Knigge.

Eindrücke von der Gedenkstätte Buchenwald
Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Im Internet soll eine eigene Plattform angelegt werden, die Reden, die eigentlich hier in Weimar gehalten werden sollten, wird man dort präsentieren. Außerdem Dokumente, vielleicht auch die Filme, die eigentlich öffentlich gezeigt werden sollten. Da sind die Überlegungen noch nicht komplett.

Zeitzeugen wird man dort finden, aber auch Menschen von heute. Denn die Initiatoren haben gefragt: "Was bedeutet Buchenwald ihnen heute?" Und die Antworten von Menschen quer durch die Gesellschaft werden auch auf dieser Plattform präsentiert.

Opfer nicht vergessen - trotz der gegenwärtigen Probleme

Die Gedenkstätte will symbolisch für die diplomatischen Vertreter der Länder, aus denen Menschen in Buchenwald ermordet wurden Kränze niederlegen, auch wenn sie selbst nicht kommen dürfen. "Wir wollen trotz aller Probleme, die wir in der Gegenwart haben, die Opfer nicht vergessen."

Das Konzentrationslager Buchenwald Das KZ Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden. Es wurde zwischen Juli 1937 und April 1945 auf dem Ettersberg bei Weimar betrieben. Insgesamt waren in diesem Zeitraum etwa 266.000 Menschen aus allen Ländern Europas dort inhaftiert. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt. Nach Abzug der US-Truppen wurden Teile des Geländes von der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager Nr. 2 genutzt. Es existierte bis 1950. Von den 28.000 dort Internierten starben 7.000. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers wurde 1958 die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Kulturnacht | 05. April 2020 | 22:05 Uhr

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