Ein Zuweg zu einem der Steinbrüche
Hier sollen ab Oktober erste Untersuchungen zu möglichen Stollen im ehemaligen Steinbruch stattfinden. Bildrechte: Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora/Claus Bach

Pressekonferenz Nachforschungen im Steinbruch von Buchenwald ab Oktober

Ab Oktober soll auf dem Gelände des KZ Buchenwald bei Weimar wissenschaftlich gegraben werden. Dabei werden Stollen im Steinbruch in den Fokus rücken. Die Untersuchungen sollen unter strengen Auflagen stattfinden. Niemand weiß, was die geplante Schürfung zutage fördern wird.

Ein Zuweg zu einem der Steinbrüche
Hier sollen ab Oktober erste Untersuchungen zu möglichen Stollen im ehemaligen Steinbruch stattfinden. Bildrechte: Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora/Claus Bach

Auf dem Gelände des KZ Buchenwald bei Weimar stehen wissenschaftliche Grabungen an. Der MDR begleitet das Projekt am ehemaligen Steinbruch. Zweieinhalb Jahre hat ein Team um den MDR-Autor Peter-Hugo Scholz dazu recherchiert. Scholz ist am Montag unerwartet verstorben.

Konflikt zwischen Freiheit der Forschung und Schutz von Kulturgütern

Vier Menschen sitzen bei einer Pressekonferenz an einem Tisch
(v.l.n.r.) Dr. Anja,Endrigkeit, Dr. Sven Ostritz, Dr. Philipp Neumann-Thein und Boris Lochthofen auf der Pressekonferenz im Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

In einer Pressekonferenz wurde das Projekt am Dienstag in Weimar vorgestellt. Und auch die damit verbundenen Schwierigkeiten. Der Präsident des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie (TLDA) verwies gleich zu Beginn auf den Konflikt zwischen der Freiheit der Forschung, die in der Verfassung verankert ist und dem Auftrag seiner Behörde, Kulturgüter zu schützen. Denn auch kleine Eingriffe im Gelände des ehemaligen Steinbruchs in Buchenwald würden Schäden hinterlassen.

Die Indizien allerdings sprächen dafür, dass es sich lohnt, dieses Risiko einzugehen. Es gibt eine Handskizze, deren Ursprung allerdings nicht bekannt ist, auf der sind Bunker eingezeichnet. Außerdem zeigen Luftbilder Strukturen, die wie Stollen aussehen. Deshalb hat der MDR 2017 geophysikalische Messungen beantragt und das TLDA hat diese genehmigt. Dabei zeigten sich tatsächlich "Anomalien".

Gerüchte und Spekulationen seit Jahren

Ob die natürlichen Ursprungs sind oder ob es sich tatsächlich um Stollen oder Bunker handelt, ist nicht klar. Erst recht nicht, ob dort Raubgut versteckt ist. Gerüchte und Spekulationen gibt es seit Jahren. Immer wieder hätten sich Schatzsucher und Raubgräber illegal auf die Suche gemacht, sagt Philipp Neumann-Thein - stellvertretender Stiftungsdirektor von Buchenwald. Dem soll nun ein Ende gemacht werden.

Die Stiftung hat in ihren Gremien über das Projekt beraten und ist dabei zwiegespalten. Auf der einen Seite hat die Gedenkstätte die Pflicht zur Aufklärung, auf der anderen Seite ist es Aufgabe der Stiftung, den Gedenkort Buchenwald zu schützen.

Hohlräume könnten auch natürlich entstanden sein

Spekulieren möchte Neumann-Thein nicht. Er könne nicht sagen, ob sich an besagter Stelle Stollen befinden. Allerdings: Schon 1945 hatten die Amerikaner zwei Stollen voller Raubgut entdeckt. Insgesamt 21 Tonnen. Das war damals nach Frankfurt am Main und später in die USA gebracht worden.

Eine handgezeichnete Skizze zeigt Anlagen des Steinbruchs des NS-Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.
Eine handgezeichnete Skizze zeigt Anlagen des Steinbruchs des NS-Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar. Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Untersuchungen unter strengsten Auflagen

Alle Beteiligten haben sich geeinigt: unter strengsten Auflagen sind "ergebnisoffene" Untersuchungen erlaubt. Die Arbeiten werden unter Aufsicht des TLDA ablaufen, der Wachschutz wird verstärkt und auch die Polizei ist eingebunden. Darüber hinaus wird auch der Munitionsbergungsdienst dauerhaft vor Ort sein. Niemand weiß, was die geplante Schürfung zutage fördert.

Der Direktor des MDR-Landesfunkhaus Thüringen, Boris Lochthofen, stellte klar, dass es sich keineswegs um eine Grabung handelt. Es gehe darum, festzustellen, ob im ehemaligen Steinbruch etwas verborgen sei oder nicht. Die monatelangen Recherchen deuten zumindest auf zwei konkrete Stellen hin. Der Bagger kratzt dort ab 1. Oktober quasi nur an der Oberfläche. Sobald er auf Bunker oder Stollen stößt, muss das Landesamt neu entscheiden.

Eingebunden in das Projekt ist auch die Mitteldeutsche Montan GmbH als ausgewiesene Fachfirma für Bergbau. Geschäftsführer Ralph Haase geht nach den vorliegenden Indizien und seinen Untersuchungen davon aus, dass man am Ende tatsächlich auf Stollen stoßen wird.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jw/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. September 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. September 2019, 05:00 Uhr

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