Corona in Thüringen Arbeitsalltag einer Verkäuferin im Supermarkt

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"Systemrelevante Berufe" - den Begriff hört man oft in diesen Tagen. Klingt gut. Auch Verkäuferinnen gehören dazu. Aber fühlen sie sich anders dadurch? Erfahren sie mehr Wertschätzung für ihre Arbeit? Haben sie in Zeiten der Corona Angst vor Ansteckung? Reichen die Sicherheitsvorkehrungen und halten sich die Kunden überhaupt daran?

eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Angelika Schnoy ist Verkäuferin in einem Weimarer Einkaufsmarkt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Ein kleiner Nahkauf in Weimar, mitten in einem Viertel, wo viele Menschen schon lange leben. Er hat viele Stammkunden, etwa die Hälfte gehört in Corona-Zeiten zur Risikogruppe, schon allein vom Alter her. Etwa 17 Verkäuferinnen und Verkäufer arbeiten hier, in Schichten normalerweise, weil der Laden immer recht lange geöffnet hat. Doch derzeit ist alles anders.

Kunden denken nur langsam um

Schon draußen fängt es an mit den Veränderungen: Aufsteller, Hinweisschilder, gesperrte Bereiche. Und auch die Einkaufswagen sind anders sortiert. Rechts zwei Reihen frisch desinfizierte, links eine Reihe für die benutzten. Aber weil jeder dritte Kunde seinen Wagen doch falsch abstellt, muss immer wieder neu desinfiziert werden.

Und nicht nur das: Immer wieder kommen Leute ohne Wagen rein. Das ist momentan nicht erlaubt. Und das aus verschiedenen Gründen. Die Wagen dienen vor allem dazu, Abstände einzuhalten. Sie sollen aber auch die Anzahl der Kunden im Markt begrenzen und das Einpacken beschleunigen. Das haben früher die meisten Leute direkt an der Kasse erledigt und das ist momentan nicht gut.

Angelika Schnoy arbeitet seit 19 Jahren hier. Und das wirklich gern. Und sie bleibt freundlich, auch wenn sie jeden Dritten auffordern muss, sich doch bitte einen Wagen zu holen: "Die denken einfach nicht dran. Das ist keine böse Absicht. Wir haben sonst Körbchen und daran sind unsere Kunden gewöhnt."

Corona-Alltag im Supermarkt

eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Der kleine Supermarkt liegt in einem Wohnviertel, in dem viele Familien leben. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Der kleine Supermarkt liegt in einem Wohnviertel, in dem viele Familien leben. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Die Einkaufswagen sind neuerdings anders sortiert. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Das ist für viele Kunden verwirrend. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Die Schutzschilde an der Kasse hat der Hausmeister selbst gebaut, die Markierungen auf dem Boden funktionieren gut. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Beim Einräumen der Regale versucht Angelika Schnoy, den Mindestabstand zu sichern. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Angelika Schnoy ist froh, dass es jetzt wieder Handschuhe gibt, auch wenn es sich damit schlechter arbeitet. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Yvette Filz (links), Angelika Schnoy und ihre Kolleginnen bekommen neuerdings häufiger einen Dank von ihren Kunden. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Alexander Kretzschmar erledigt gerade seinen täglichen "Quarantäne-Einkauf" für eine Familie. Anfragen kommen über die FB-Seite Coronahilfe Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Kunden brauchen Zuwendung

Gewöhnt sind die Leute auch daran, dass hier im Markt immer Gelegenheit ist für einen kleinen Plausch. Und gerade in diesen Zeiten, wo der persönliche Kontakt zwischen den Menschen eingeschränkt ist, scheint das noch wichtiger als sonst. "Ich habe das Gefühl, viele von den älteren Kunden gehen vor allem deshalb selber einkaufen, damit sie mal mit jemandem reden können. Die fühlen sich einfach sehr einsam momentan" erzählt Angelika Schnoy.

Lieferservice sehr willkommen

Dabei bietet das Team neuerdings sogar einen Lieferservice für Risiko-Gruppen an. Man kann telefonisch bestellen, der Chef, Marco Lohse, bringt die Einkäufe dann nach Dienstschluss vorbei. Das wird sehr gut angenommen. "Gestern hat allerdings eine junge Frau angerufen, die einfach nur keine Lust zum Einkaufen hatte. Der haben wir erklärt, dass der Service nur für bestimmte Kunden da ist."

eine Verkäuferin in einem Supermarkt. Beim Regale einräumen, an der Kasse. Ein Mann mit Einkaufswagen nach dem Verlassen des SM. Die Wagen-Sammelstelle mit Schildern. Ein großes Nahkauf-Schild.
Nicht alle Kunden achten auf den Mindestabstand, wenn Frau Schnoy die Regale neu befüllt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Ob die Frau dafür Verständnis hatte, weiß Angelika Schnoy nicht. Überhaupt ist das mit dem Verständnis so eine Sache. "Der größte Teil der Leute ist wirklich lieb. Die bedanken sich, wir bekommen manchmal sogar Pralinen. Aber vor allem die Jüngeren verhalten sich oft gedankenlos." Vor allem ärgert es die Verkäuferin, wenn die Abstände nicht eingehalten werden. An der Kasse klappt das gut, aber im Markt selber nicht. Da wird manchmal gedrängelt oder direkt neben ihr ins Regal gegriffen. Das ärgert Angelika Schnoy schon ziemlich: "Ich mache mir einfach Sorgen. Ich habe ja auch Familie und da habe ich schon Angst, dass ich das Virus mit nach Hause bringe."

Sicherheit verstärkt

Wenigstens gibt es jetzt für die Mitarbeiter wieder Handschuhe. Die waren lange nicht zu kriegen. Das hieß, nach jedem Kunden, nach jedem Arbeitsschritt die Hände zu waschen. Das hat die Wartezeit an der Kasse natürlich verlängert. "Aber es hat niemand gemeckert. Da sind wir wirklich dankbar für die große Akzeptanz bei den Leuten."

Dankbar sind sie übrigens auch ihrem Hausmeister. Der hat aus Plexiglas einen Schutzschild für jede Kasse gebaut. Und so scheint es, als hätte das Virus nicht nur das Team noch stärker zusammengeschweißt, sondern auch die Kreativität jedes Einzelnen angestachelt. Angelika Schnoy bringt es auf den Punkt: "Wir geben uns jeden Tag Mühe, dass das Einkaufen für alle sicher und angenehm bleibt. Und auch in dieser schwierigen Zeit liebe ich meinen Beruf".

Alltagshelden in Thüringen Hier - unter dem Label "Alltagshelden in Thüringen" - erzählen wir in loser Folge Geschichten von Menschen aus Thüringen, die während der Corona-Krise für andere da sind. #miteinanderstark

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Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

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