Kampf gegen den Schmutz Wäschereien in Corona-Zeiten - Probleme trotz Öffnung

Autorenbild Grit Hasselmann
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Reinigungen mussten - im Gegensatz zu vielen anderen Dienstleistern - ausdrücklich nicht schließen wegen des Corona-Virus. Von der Krise beeinflusst wird ihr Geschäft dennoch. Und der Arbeitsalltag ändert sich auch. Hotels und Gaststätten haben geschlossen - das sind immerhin 30 Prozent der Kunden. Doch Nicole Bemmann und ihr Team haben sich auf die geänderten Umstände eingestellt.

Inhaberin Nicole Bemmann vor fertiger Wäsche
Überrascht, aber auch sehr froh war Nicole Bemmann, als klar war, dass sie nicht schließen muss. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Es riecht ein bisschen wie bei meiner Oma, wenn sie Waschtag hatte. Nach frischer Wäsche, nach Bügeleisen und nach Waschpulver. Die Osterdeko steht und hängt noch überall. Auch wenn jetzt weniger Menschen in den Laden kommen, will Nicole Bemmann, dass sie sich wohlfühlen. Seit November 2018 ist die 49-jährige die Chefin in der Mozartstraße in Weimar. Eigentlich ist sie Architektin.

Als sie die Reinigung übernehmen wollte, war der frühere Besitzer deshalb auch skeptisch, ob sie die Richtige dafür ist. Auch die Mitarbeiterinnen mussten erst vom neuen Konzept überzeugt werden. Die Sachen werden selbst gewaschen, nicht in die Großwäscherei geschickt. Und deshalb hat Nicole Bemmann zunächst ganz viele neue Maschinen angeschafft.

Corona-Einschränkungen spürbar

Natürlich war die Sorge zu Beginn der Corona-Einschränkungen groß. Immerhin laufen Kosten und Kredite weiter. "Ich war total froh, aber auch überrascht, als klar wurde, dass die Wäschereien offen bleiben dürfen", erzählt Nicole Bemmann. Sie hatte schon einen Antrag auf Soforthilfe gestellt. Den will sie jetzt aber wieder zurückziehen.

Wir kommen einigermaßen klar, auch wenn es schwer ist. Andere brauchen das Geld nötiger.

Nicole Bemann

Wäscherei "Schmutz ist Materie am falschen Platz"

Inhaberin Nicole Bemmann beim Befüllen einer Waschmaschine
Nicole Bemmann führt die Wäscherei seit November 2018. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Inhaberin Nicole Bemmann beim Befüllen einer Waschmaschine
Nicole Bemmann führt die Wäscherei seit November 2018. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Abholbereite Kleidung und Schutzmasken an einer Wäschestange
In Zeiten von Homeoffice braucht wird deutlich weniger Business-Kleidung. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Wäschekörbe vor einer Waschmaschine
Auch Hotels, Pensionen und Caterer haben zu, damit fallen 30 Prozent der Aufträge weg. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Wäscheständer mit Kleidungsstücken
Die Müllabfuhr arbeitet zum Glück weiter und lässt hier die Arbeitssachen waschen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Flaschen mit unterschiedlichen Reinigungsmitteln
Nur ganz wenige Chemikalien werden hier gebraucht. Biologisch-chemisches Reinigen heißt das. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Inhaberin Nicole Bemmann bei der Bügelarbeit
Zu dritt arbeiten die Frauen derzeit. Die erste Schicht übernimmt das Waschen und Mangeln, die zweite das Reinigen. Und Nicole Bemmann erledigt in der dritten Schicht den Rest. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Großer Dampferzeuger
Sie hat die Arbeit hier zum großen Teil auf Maschinen umgestellt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
aufgeblähtes Hemd in Dampfbügelautomat
Wie diesen Bügelautomaten. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Hemd in Lufttrockner
Und der hat nach wie vor ordentlich zu tun. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Wenige Auftragszettel hängen an einer Tafel
Insgesamt sind es deutlich weniger Aufträge derzeit. Aber viele Leute machen Frühjahrsputz: Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Wäscheregale
Die bringen dann ihre Teppiche, Gardinen oder Bettdecken vorbei. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Weimarer Wäscherei Picobello, Außenansicht mit Winpelkette: Wir waschen weiter
"Das ist unser neues www", sagt Nicole Bemmann. Sie meint das Banner vor ihrem Laden. "Wir waschen weiter" steht da geschrieben.  Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Firmen-PKW
Auch sonst wird ein großer Teil der Kunden beliefert. Derzeit allerdings noch deutlich mehr. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Schaufensterpuppe mit Mundschutz
Nicole Bemann näht übrigens auch Masken. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Selbstgenähte Schutzmasken
Sogar ganz spezielle für Hochzeiten und Trauerfeiern. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Trotzdem gibt es Verluste. Etwa 30 Prozent ihrer Kunden sind Hotels und Gaststätten. Die haben momentan natürlich nichts zu waschen. Höchstens Gardinen und Vorhänge, wenn sie die Ruhezeit zum Großputz nutzen.

Inhaberin Nicole Bemmann beim Befüllen einer Waschmaschine
Seit 2019 betreibt Nicole Bemmann diese Reinigung. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Das machen übrigens auch ganz viele Privatkunden. Teppiche, Gardinen und Bettdecken werden derzeit deutlich mehr gebracht als sonst. Ihre beiden Sechs-Stunden-Mitarbeiterinnen musste Nicole Bemmann trotzdem zu 50 Prozent auf Kurzarbeit setzen. Zu dritt teilen sie sich jetzt die Arbeit: Die erste Schicht übernimmt das Waschen und Mangeln, die zweite das biologisch-chemische Reinigen. Und Nicole Bemmann erledigt in der dritten Schicht den Rest.

Darüber hinaus nutzt sie den Vormittag zum Liefern. Denn beispielsweise Pflegedienste arbeiten derzeit am Limit und sind froh über jeden Weg, der ihnen abgenommen wird.

Ein Schulkind hat Nicole Bemmann auch noch zu Hause, sie hätte sogar Anspruch auf Notbetreuung. Stattdessen kommt das Kind mit auf Abhol-Tour, dann machen sie zusammen Mittag und ab 15 Uhr übernimmt ihr Mann. "So muss ich mich wenigstens nicht mit dem Schulkram rumärgern" schmunzelt sie.

Traditionsbetrieb in neuem Glanz

Schon seit 1965 gibt es an dieser Stelle eine Textilreinigung. Nicole Bemmann hat erst im Frühjahr dieses Jahres wieder eröffnet, wirkt trotzdem recht entspannt angesichts der Corona-Krise.

Nahaufnahme Bügeln
Das Ärmel-Bügelbrett eignet sich auch für Masken. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Einer der Gründe: sie hat immerhin schon zehn Jahre eine Stahlbau-Firma geleitet. Da bringt sie viel betriebswirtschaftliche Erfahrung mit. Und ihr gestalterisches Talent macht den Laden irgendwie gemütlich, trotz der vielen Maschinen. Acht bis zehn Stunden arbeitet Nicole Bemmann am Tag. Schmutz ist für sie "Materie am falschen Platz". Und während die Waschmaschine läuft, setzt sie sich an ihre alte Nähmaschine. Masken werden hier jetzt nämlich auch noch genäht. Und zwar für jeden Anlass - auch für Hochzeiten und Trauerfeiern.

Inzwischen ist die Chefin fertig mit Bügeln. Und genau wie bei meiner Oma früher ist auch hier das Gespräch vorbei, wenn das Bügeleisen abgestellt wird. Jetzt sind erstmal wieder andere Dinge zu tun.

Alltagshelden in Thüringen Hier erzählen wir in loser Folge Geschichten von Menschen aus Thüringen, die während der Corona-Krise für andere da sind. #miteinanderstark

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. April 2020 | 11:00 Uhr

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