Gastronomie Den Drehspieß-Teller bitte: In Weimar darf mancher Döner nicht mehr Döner heißen

In Weimar muss der Döner Drehspieß heißen, wenn er nicht den Vorgaben entspricht - sagt die Stadtverwaltung und kontrolliert das auch. Deshalb gibt's in manchen Läden in der Klassikerstadt nun "Drehspieß im Fladenbrot".

von Samira Wischerhoff

Im Munzur Kebab Haus in der Heinrich-Heine-Straße in Weimar ist mittags ordentlich Betrieb. Viele Schüler, Angestellte in der Mittagspause oder Touristen betreten den Laden und bestellen Döner, Dönerteller oder eine Dönerbox zum Mitnehmen. Doch wer auf die Tafel über dem Tresen oder in die Speisekarte schaut, der findet gar keinen einzigen Döner mehr. Stattdessen steht dort: Drehspieß, Drehspieß-Teller, Drehspieß im Fladenbrot. Der Inhaber Özdem Atilgan musste seine komplette Tafel und hunderte Speisekarten ändern. Seinen Döner darf er nicht mehr Döner nennen, es muss jetzt Drehspieß heißen.

Speisekarte eines Imbisses in Weimar mit Drehspieß-Angeboten
Hier gibt es Drehspieß Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Der Grund dafür liegt eigentlich schon 20 Jahre zurück. Im Jahr 1998 wurde in den "Leitsätzen für Fleisch- und Fleischerzeugnisse" des deutschen Lebensmittelbuches bereits festgelegt, dass das Dönerfleisch bestimmte Vorschriften erfüllen muss: Es darf nur grob entsehntes Schafs- oder Rindfleisch enthalten, der Hackfleisch-Anteil darf 60 Prozent nicht überschreiten und darüber hinaus dürfen nur noch Salz, Eier, Gewürze, Öl, Zwiebeln, Milch und Joghurt drin sein. Wenn diese Vorgaben nicht erfüllt werden, muss der Döner "Drehspieß" heißen.

Laut dem Weimarer Lebensmittelüberwachungsamt soll das den Verbraucher vor Irreführung und Täuschung schützen. Es stellt sich die Frage, ob das Begriffs-Chaos nicht für noch mehr Verwunderung sorgt. Nur wenige hundert Meter weiter, im City Kebab in der Dingelstedt-Straße, versteht zumindest Karadal Ramazan die Welt nicht mehr.

Ein Mann weist mit der Hand auf die Preisliste in seinem Dönerladen in Weimar.
Erst vor wenigen Monaten hat Karadal Ramazan die Tafeln mit den Angeboten neu machen lassen - nun soll er sie schon wieder ändern. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Er arbeitet seit fast 15 Jahren in dem Dönerladen, erst vor wenigen Monaten hatte er all seine Karten und die Leuchttafel mit den Produkten geändert - mit Nummern und Buchstaben kann der Kunde jetzt sehen, welche Zusatzstoffe im Döner enthalten sind. Jetzt wurde er mündlich aufgefordert, wieder alles zu ändern: Aus jedem Döner soll auch bei ihm ein Drehspieß werden.

"Ich finde, es ist nicht gut so, alle deutschen Kunden wissen, es heißt Döner. Und bei jedem Döner muss ich erklären, Drehspieß ist das Gleiche, aber das deutsche Amt sagt, es muss Drehspieß sein. Das ist für uns sehr, sehr schwer", so Ramazan. Die Tafeln wieder umzuändern würde ihn mehrere tausend Euro kosten, schätzt er.

Seine Drehspieße kauft Ramazan wie die allermeisten Dönerimbisse beim industriellen Großhändler. Doch bei denen ist die Rezeptur meistens etwas anders, als es in der besagten Vorschrift steht. Ramazan will nun abwarten, ob er noch mal eine schriftliche Aufforderung vom Weimarer Lebensmittelüberwachungsamt bekommt.

Auch wenn die Regelung für die Bezeichnung Döner schon bundesweit gilt, wird sie nicht einheitlich von den Ämtern umgesetzt. Die Stadt Jena hat zum Beispiel vor einigen Jahren auch schon Dönerläden darauf hingewiesen, ihren Döner in Drehspieß umzubenennen. Die Stadt Erfurt äußert sich zu dem Thema wie folgt: "Gezielte Kontrollen in Erfurt gibt es dazu nicht. Soweit im Rahmen von Rezepturprüfungen Abweichungen festgestellt werden, ist mit den gleichen Anordnungen wie in Weimar zu rechnen."

Özdem Atilgan vom Munzur Kebab Haus ist derzeit gelassen, auch wenn er offiziell keinen Döner mehr auf der Speisekarte hat. "Es ist sinnlos, alle sagen trotzdem noch Döner", meint er lachend, "vielleicht so ältere Leute, die sich die Tafel anschauen und sagen: Oh, Grillfleisch. Aber so die tägliche Kundschaft, 90 bis 95 Prozent sagen immer noch alle Döner." Zum Schluss erklärt er, dass Döner auf türkisch "sich drehend" und Kebab "Grillfleisch" bedeute. Damit sind die Worte "Drehspieß" und "Döner Kebab" ganz eng verwandt. "Drehspieß" klingt nur nicht so schön.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 17. Oktober 2019 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2019, 10:32 Uhr

23 Kommentare

Kuestenkind vor 4 Wochen

Der Hersteller hält sich an die gesetzlichen Bestimmungen. Jeder Hersteller hält Spieße aus unterschiedlichsten Zutaten und somit auch Preisklassen vorrätig. Der Imbissbetreiber bekommt ein Produkt Döner/Drehspieß welches vom Produzenten richtig gekennzeichnet ist. Der Imbissbetreiber übernimmt aber nicht die Kennzeichnung des Herstellers obwohl der Hersteller darauf hinweist, daß das Produkt nach deren Kennzeichnung dem Verbraucher anzubieten ist.

Kuestenkind vor 4 Wochen

Es ist ja nicht so, dass ein Döner Spieß nicht erworben werden kann. Sie sind in der Herstellung nur teurer. Man kann aber mehr Gewinn machen wenn man einen Drehspieß von seinem Hersteller kauft. Im übrigen bestehen die wenigsten Döner aus Fleischscheiben. Der überwiegende Teil hergestellter Dönerbesteht aus Scheibenfleisch und Hackfleisch.

YAZID vor 4 Wochen

woher kommt der Spruch oder die ironische Weisheit: DÖNER MACHT SCHÖNER

für gutes Geld möchten alle gute Ware und bei Lebensmittel die unsere Gesundheit beeinträchtigen, sind Rückrufaktionen alarmierend - denn oft kommen sie zu spät oder der Kassenbon ist unauffindbar

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