Landgericht Erfurt Hohe Haftstrafe für Drogendealer wegen Totschlags

Wegen 240 Euro Drogenschulden musste ein 18-Jähriger im März 2017 in Weimar sterben. Die beiden Angeklagten - ein Mann und eine Frau - wurden jetzt verurteilt. Der Hauptangeklagte muss fast elf Jahre ins Gefängnis.

von Antje Kirsten

Ein 18-jähriger Mann schleppt sich - blutend und schwerstverletzt - in einen Getränkehandel in Weimar-West und stirbt. Für diese Bluttat vom März 2017 muss der 24 Jahre alte Täter nun ins Gefängnis. Das Landgericht Erfurt hat den Mann am Mittwoch zu fast elf Jahren Haft verurteilt - wegen Totschlags und versuchter räuberischer Erpressung. Neben ihm auf der Anklagebank saß seine 30 Jahre alte Lebensgefährtin - Mutter von zwei Kindern. Sie wurde wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung mit Todesfolge zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

"Den Kindern zuliebe"

Doch sie kommt frei - kann ihre Kinder ins Bett bringen. Ihre Strafe hat das Gericht auf drei Jahre Bewährung ausgesetzt. In der Urteilsbegründung nahm sich der Vorsitzende Richter für die junge Drogendealerin besonders Zeit und legte ihr ans Herz, ihr Leben den Kindern zuliebe zu ändern. "Eine Wohnung, die vor Waffen strotzt und Schlagringe in Plüschtieren sind kein gutes Umfeld für Kinder", sprach der Richter ihr ins Gewissen. Sie solle eine Ausbildung machen und arbeiten gehen, das sei besser als mit Drogen zu handeln.

Bewaffnet mit einem Messer waren sie und ihr Lebensgefährte - nach Überzeugung des Gerichts - am 14. März vergangenen Jahres losgezogen, um Schulden aus Drogengeschäften einzutreiben. Mit 240 Euro stand der getötete 18-Jährige bei dem Pärchen in der Kreide. Die beiden stellten dem jungen Mann nach und lockten ihn am sogenannten "Assi-Grill" in Weimar-West dann "in eine Falle", so der Richter. Es kam zu einer Rangelei, bei der die Angeklagte ihrem Freund das mitgebrachte Messer zugesteckt haben soll. Die Tat selbst - den tödlichen Stich in den Hals - wertete das Gericht in Erfurt allerdings nicht als Mord. Es sei eher eine Spontantat gewesen, urteilten die Richter.

Staatsanwalt spricht von Mord

Der Staatsanwalt sieht das anders. Für Martin Scheler war es Mord. Der Hauptangeklagte habe aus niederen Beweggründen gehandelt, so der Staatsanwalt. Der 24-Jährige habe den 18-Jährigen aus Rache getötet, dafür, dass er seine Drogenschulden nicht beglichen hatte und als Signal an andere Schuldner, dass man mit ihm nicht so umspringt. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb auf eine lebenslange Haft plädiert und kündigte nach dem Urteil am Mittwoch an, eine Revision zu prüfen.

Den Prozess am Landgericht Erfurt verfolgten auch die Angehörigen des Opfers. "Egal welche Strafe das Gericht auch verhängt hätte, es bringt uns unser Kind, unseren Freund nicht zurück", so kommentierten sie das Geschehen.

Scheinhinrichtung eines Polizisten

Der verurteilte 24-jährige Hauptangeklagte ist in der kriminellen Szene in Weimar und damit auch der Polizei bestens bekannt. Im Dezember 2015 war er an der Scheinhinrichtung eines Polizisten beteiligt. Die Beamten in Zivil wollten damals einen Radfahrer kontrollieren. In wenigen Augenblicken waren sie umringt von einer Gruppe junger Männer. Die ließen die Beamten niederknien, hielten ihnen eine Schreckschusswaffe vor und es sollen sogar Schüsse gefallen sein. Dafür bekam der Angeklagte elf Monate auf Bewährung - auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 11. Januar 2018 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 20:43 Uhr

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